Bericht zum Kanidatenhearing im Amriswil

Bericht des Synodalen Pfr. Gottfried Spieth zu dem Kandidatenhearing in Amriswil vom 10. Juni 2021 um die Ersatzwahl ins Kirchenratpräsidium. Das Gespräch mit Prof. Dr. Christina Aus der Au, Frauenfeld, und Pfarrer Paul Wellauer, Bischofszell, ist noch bis 5. Juli 2021 online (siehe unten).

Wettbewerb

Einen Sieg nach Punkten erringt Pfarrer Paul Wellauer über Prof. Dr. Christina Aus der Au. Dies ist mein Eindruck aus der Präsentation beider Kandidaten für das Amt des künftigen Thurgauer Kirchenpräsidiums, die vorgestern Abend in der Amriswiler Stadtkirche stattfand. Bei der Podiumsdiskussion, die die beiden mit- und gegeneinander gestalteten, wurden von Moderator Paul Baumann folgende Themen in den Ring geworfen: Tradition und Moderne, Kirche und Welt, Christentum und andere Religionen. Weiter ging es um das Pensum des künftigen Präsidenten sowie die Arbeitsorganisation des Kirchenratskollegiums.

Konkretion

Was habe ich beobachtet? Pauls körperliche und geistige Präsenz ist enorm, sein stimmlicher Einsatz souverän. Sein Sprechtempo ist ein mittleres, sein Reden ein strömender Fluss an Argumenten und Schilderungen. Verhältnismässig selten macht er eine Nebenbemerkung, um sich abzusichern. Das hat er auch gar nicht nötig, denn seine Aussagen ruhen in sich selber. Noch seltener passiert ihm ein überflüssiger Schlenker, bloss um Stimmung zu erzeugen. Er verzichtet weitgehend auf funkelnde intellektuelle Blitze und wuchtige Donnerschläge, weil er die Erde liebt und erdgebunden bleiben will.

Aus innerer Gelassenheit entwickelt er zielstrebig seine Gedankengänge. Ohne Umschweife kommt er auf den Punkt. Komplizierte Dinge bricht er herunter auf die Alltagswelt. Fast immer stellt er einen unmittelbaren Praxis- und Gemeinde-bezug her. Das geht bis zur detailreichen Schilderung von Einzelerlebnissen. Das Ausmass an anschaulicher Plastizität ist hoch.

Elastizität

Christina ist bemüht, ihren ungewöhnlich breiten Bildungshorizont auf das bodenständige Format der Thurgauer Landeskirche zu fokussieren, ohne sich in Pragmatismus zu verlieren. Vielfach kann sie sich aufschwingen zu ebenso geistreichen wie zielführenden Beiträgen. Dennoch bleibt sie an diesem Abend unter ihren Möglichkeiten, im Gegensatz zur Frauenfelder Wählerversammlung am 30. April, wo sie ihr Potential voll ausschöpfte.

Dieses Mal klingt ihre Stimme fast zu hell und durchdringend. Sie spricht rasch und eindringlich und wirkt dabei übereifrig. Um diesem Eindruck entgegen zu wirken, verzögert sie dann und wann das Sprechtempo. Die entstehenden kleinen Kunstpausen nutzt sie, um überraschende Pirouetten zu drehen.

Sie äussert sich eloquent und wortreich, freilich auch umständlich und weitschweifig, dann wieder unterhaltsam und kurzweilig. Damit erschliesst sie der Hörerschaft angenehm temperierte Räume zum Verweilen und Nachdenken. Es sind Räume, die trotz aller Bemühung um didaktische Reduktion immer noch etwas zu gross und unbestimmt sind.

Freiheit

Öfters verbleibt und verweilt sie in einer reizvoll poetischen Bildersprache. Dabei vermeidet sie allzu feste Definitionen. Wenn sie eindeutige Ansagen macht, schleift sie diese alsbald in verschiedenen Richtungen ab, um den Sachverhalt möglichst elastisch darzustellen und Spielraum für stets mehrere Optionen offen zu halten. Sie begründet das mit dem Argument, der zeitgenössische Mensch nehme das Leben „in Stücke unterteilt“ wahr. Dieser Patchwork-Situation habe sich die Leitung der Landeskirche zu stellen.

Wiederholt betont sie den Freiraum, den kirchendistanzierte Menschen selbstbewusst in Anspruch nehmen – und der auf keinen Fall durch unser Überengagement beeinträchtigt werden dürfe. Diese Personen sind ihr Hauptanliegen. Gerade sie will sie erreichen. Aber falls diese Leute gar nicht den Wunsch haben, erreicht zu werden? Dann nimmt Christina sie aus wohlwollender Distanz umso wertschätzender wahr. Wenn möglich, begleitet sie sie auf Sichtweite. Sehr viel sei schon gewonnen, sagt sie, wenn Vertreter der Kirche die Gefühle fernstehender Menschen positiv wahrnähmen, ohne sich einzumischen.

Zwecksetzung

Emotionale Solidarität zeigt sie indirekt, also „über Bande gespielt“, um nicht vereinnahmend zu wirken. Sie beherrscht die Kunst, gleichsam absichtslos Empathie zu zeigen. Solche zwanglosen Begegnungen könnten am ehesten in neutralen Netzwerken und ausserkirchlichen Räumen geschehen. Dort würden sich sensible, religiös musikalische Menschen zweckfrei bewegen und begegnen.

Im Vergleich dazu präsentiert sich Paul zupackend und sendungsbewusst. Dialoge mit fernstehenden Menschen könnten durchaus in spezifisch kirchlicher Absicht erfolgen. Er verweist auf das baselstädtische Beispiel, wo trotz extrem sinkender Steuereinnahmen ein kirchliches Betreuungsprogramm „von der Wiege bis zur Bahre“ aufgegleist wurde. Gespräche mit Fernstehenden funktionieren laut Paul eben nicht im luftleeren Raum. Vielmehr müsse mit einer zielführenden und nachhaltigen Zwecksetzung gearbeitet werden. Doch betont er ebenso wie seine Konkurrentin ein respektvolles Mit- und Nebeneinander. Weltanschauliche Unterschiede und Grenzen dürften nicht überspielt werden.

Zivilgesellschaft

In folgendem Anliegen ist Paul Christina nicht unähnlich: Beide plädieren für eine sanft verträgliche, wenn möglich konfliktarme Debatte. Mir kommt das unpolitisch vor. Das Harmoniebedürfnis scheint bei beiden grösser zu sein als der Wunsch, Flagge zu zeigen, bewusst zu provozieren und damit einen produktiven Anstoss zu erregen.

Es wäre ja auch ein anderes Szenario denkbar: Muss unser Glaube womöglich gegen eine feindliche Umgebung verteidigt werden, ähnlich wie es altkirchliche Apologen taten? Anscheinend spielt das für Christina und Paul kaum eine Rolle. Stattdessen haben sie die Absicht, Kirche und Welt wo nicht zu versöhnen, so doch in ein Beziehungsverhältnis zu versetzen. Ist hier eine neue Thurgauer Form von zeitgenössischer Zivilreligion im Anzug?

Kirchliche Identitätswahrung und Bewegung zur Welt seien kein Gegensatz, sind sich beide Kandidaten einig. Sie teilen das Anliegen, aus fester gläubiger Verwurzelung zugleich mitten im modernen Dasein und seinen bunten Herausforderungen präsent zu sein. Bei beiden ist ganz viel Lust und Freude am möglichst einvernehmlichen, religiös unterfütterten gesellschaftlichen Miteinander in unserem Kanton fühlbar und spürbar. Die bürgerliche Lebenswelt wird nicht durchbrochen, sondern gehegt, gepflegt, kirchlich garniert. Kirche liefert das reizvolle Sahnehäubchen zum Dessert, das zur Abrundung des Ganzen nötig ist.

Sinn und Geschmack

Die Differenz zwischen beiden liegt meines Erachtens weniger in dem, was beide Kandidaten sagten, als in dem, wie sie es sagen. Also: Mit welcher Betonung, mit welchem Nachdruck äussern sie sich? Wie betten sie ihre Aussagen ein?

Paul lässt Aussagen, die er getroffen hat, in den allermeisten Fällen so stehen, wie sie gesagt sind. Punkt. Wenn schon, schliesst er stringent weiterführende Gedanken an. Darin zeigt er Stärke. Damit deutet er die Richtlinienkompetenz an, die er auszuüben gedenkt, sollte er ins Amt gewählt werden.

Christina hingegen fügt oft wortreiche Zusätze oder relativierende Bemerkungen an, um getroffene Aussagen abzufedern. Geschieht das in der Absicht, sie einem möglichst vielfältigen Adressatenkreis schmackhaft zu servieren? Dieser Leitungsstil setzt auf Einvernehmlichkeit, die sich aus einem geduldigen Prozess vieler Fragen und Antworten ergibt. Dass dabei auch das Bauchgefühl – also die emotionale Motivation – keinesfalls zu kurz kommt, lässt sie einige Male durchblicken. In dieser Hinsicht ist Paul der rationalere, abgeklärtere Kandidat.

Der Versuchung, die biblische Verkündigung immer wieder mundgerecht darzubieten, d. h. niederschwellig zu offerieren, kann aber auch Paul nicht immer widerstehen. Selbst aus der Coronazeit weiss er ein Beispiel reduzierter, gleichwohl gelungener Abendmahlspraxis in Altersheimen zu berichten.

Von beiden Seiten wird der Wunsch geäussert, die leibhaftige Dimension des Glaubens neu zu erringen. Essen und Trinken sollten bald wieder zu einem unauflöslichen Bestandteil des gemeindlichen Lebens werden. Gelinge das, könne es der Thurgauer Landeskirche sogar gelingen, entgegen dem schweizweiten Trend zu wachsen.

Herkunft und Zukunft

Wie stellen sich die Kandidaten zum Spannungsverhältnis von Tradition und Moderne? Beide haben einen grossen Vorrat an Gemeinsamkeiten. Dennoch setzen sie unterschiedliche Akzente: Paul ist konzentriert und sachorientiert, Christina schöpferisch und beweglich. Paul ist der tatkräftig Handelnde, Christina die achtsam Wahrnehmende. Er betont den Dreiklang „Sammeln – Stärken – Senden“, sie das Dreigestirn „Entdecken –  Erspüren – Erfahren“. Beide möchten unter allen Umständen eine Filterblase verhindern, worin man sich nur im eigenen Kreis dreht. Beide wollen Kirchenmauern mit Gottes Hilfe überspringen – zugleich aber den innerkirchlichen Bestand ebenso behutsam wie nachhaltig fortentwickeln. Sie wagen damit die Quadratur des Kreises.

Bei aller Neugierde gegenüber glaubensfremden Anschauungen halten beide Kandidaten an überlieferten Grundsätzen fest. Paul verdeutlicht dies mit Hilfe des Thurgauer Glaubensbekenntnisses von 1874, das er regelmässig zum Gegenstand von Taufgesprächen macht. Christina warnt davor, allzu schnell und billig sich der traditionellen Gottesbilder zu entledigen. Sie stellt den trinitarischen Gott in den Mittelpunkt, wobei sie im gleichen Atemzug versichert, besonders achtsam mit Menschen umzugehen, die diesen Glauben nicht teilen. Beide Kandidaten glauben an die leibhaftige Auferstehung Jesu von den Toten als leitenden Grundsatz und Grundwahrheit des Christentums.

Wissenschaft

Die Erkenntnis Gottes wird im naturwissenschaftlich geprägten Zeitalter vielfach hinterfragt. Um hier ein positives Gegenargument zu bringen, weist Paul auf das Verhältnis des überlegenen göttlichen Senders zu dankbaren menschlichen Empfängern hin. Zur Veranschaulichung benutzt er ein Bild aus der Radiotechnik, wie er es auch im Konfirmandenunterricht verwendet.

Jedoch Christina hat Anfragen an die Stimmigkeit dieses Bildes: Gott und Technik seien unvergleichbare Grössen. Sie beruft sich in diesem Zusammenhang auf keinen geringeren als Dietrich Bonhoeffer, der Gott nicht wie ein Objekt begreifen, sondern im Glauben erfahren will. Als Paul auf Gottes Offenbarung in Jesus Christus und in der Heiligen Schrift beharrt, hakt Christina kritisch nach: „Wie kommt diese Offenbarung beim modernen Menschen an?“ „Die Heilige Schrift ist eines der bestbezeugten Dokumente überhaupt“, erwidert Paul. Dies ist einer der seltenen Augenblicke an diesem Abend, da ein inhaltlicher Gegensatz ausgetragen wird.

Grenzüberschreitung

Beide Kandidaten empfehlen einen unbefangenen, zugleich wachsamen Blick über die Ränder der eigenen Religionsgemeinschaft hinaus. Das Verhältnis zum Islam und Judentum wollen beide offen, tolerant, kontaktfreudig und vor allem angstfrei gestalten. Es verstehe sich von selbst, dass dem ausserchristlichen Gesprächspartner ein Vertrauensvorschuss zu gewähren sei. Allerdings seien krasse Extremisten zu hinterfragen und erst gar nicht zu kirchlichen Veranstaltungen einzuladen. Für selbstverständlich halten Christina und Paul die Selbstachtung bei uns Christen wie bei andersreligiösen Diskussionspartnern: also dass gerade bei erfolgreichen Brückenschlägen der Eigenwert des überlieferten Glaubensgutes stets im Blick zu sein hat.

Tradition

Christina wirkt an diesem Abend konservativer, als sie aufgrund ihres akademisch und international geprägten Lebenslaufs vielfach wahrgenommen wird. Der konservative, zugleich pragmatisch und weltoffen auftretende Paul braucht sich auf diesem Feld nicht anders zu geben, als wie er bisher gelebt und gewirkt hat. Während Christina womöglich etwas „nachgedunkelt“ ist (ein solcher Prozess würde durchaus zu ihrer bürgerlichen Herkunft passen), ist Paul derselbe geblieben, der er bereits während seiner legendären Zeit in den Sieber´schen Sozialwerken gewesen ist: Frisch, fromm, fröhlich, frei …

Institutionen

Als sie vom Moderator aufgefordert werden, kirchliche Aussenbeziehungen auf den Prüfstand zu stellen, offenbaren beide Kandidaten gewisse Schwächen. Schade. Ausgerechnet in diesem kontrastreichen Begegnungsfeld, in dem es so dringend darauf ankäme, Position zu beziehen und Rechtsstandpunkte zu wahren!

Einmal blitzt bei Paul zwar Mündungsfeuer auf. Doch leider ist es nur ein Rückzugsgefecht: Er äussert tiefes Bedauern darüber, dass in Thurgauer Kantonsschulen schon lange kein Religionsunterricht mehr erteilt wird …

Verschiedene weltliche Bezüge – z.B. Politik, Wirtschaft, Landwirtschaft, Kultur, Bildung, Gesundheit, Medien – werden sodann vom Moderator summarisch aufgelistet, ohne dass die beiden Diskutanten darlegen, wie unsere kirchliche Relation zu diesen Segmenten öffentlichen Lebens sinnstiftend und nachhaltig bewerkstelligt werden kann.

Hier vergibt ausgerechnet der sonst so handlungsfreudige Paul etliche Profilierungschancen. Er begnügt sich mit dem Hinweis, viele Menschen aus hochrangigen „weltlichen“ Berufsfeldern gehörten ohnehin zum engeren oder weiteren Umfeld der Kirchgemeinden. Mit diesem Personenkreis sei unkompliziert Kontakt möglich, weil beiderseits erwünscht. Diese Beziehungspflege brauche nicht künstlich stimuliert werden durch Foren, Runde Tische oder ähnliche Formate, so wichtig diese Veranstaltungen von der Sache her seien.

Hier hätte ich mir von Paul eine differenziertere Antwort gewünscht, die dem amtlichen oder halbamtlichen Charakter solcher Begegnungen gerecht wird. Denn dadurch positioniert sich Landeskirche institutionell auf Augenhöhe und sichert ihren öffentlich-rechtlichen Standort. Leider versäumt es auch Christina, Souveränität im Umgang mit diesen offiziellen Themenfeldern zu zeigen. Haben sich beide Kandidaten etwa abgesprochen, den vielgestaltigen und komplizierten institutionellen Bereich nicht in ihre Podiumsdiskussion einzubeziehen? Damit versäumen sie es, kirchenpolitisches Profil zu zeigen.

Organisation

Im handlungstechnischen Teil der Präsentation äussern beide Kandidaten ihre unterschiedlichen Vorstellungen: Paul will die vollen 80 % ausfüllen, die der derzeitige Präsident Wilfried Bührer innehat, und die restlichen 20 % für Vertretungsdienste in Gemeinden einsetzen. Er begreift die von ihm erhoffte Wahl als Einstieg in einen vollwertigen Einsatz mit Herz, Mund und Hand.

Christina – wenn ich recht verstanden habe – will hingegen nur 60 % ihrer Arbeitszeit im Kirchenratspräsidium einsetzen, um weiterhin ihren Lehrverpflichtungen an der Pädagogischen Hochschule Kreuzlingen nachzukommen. Hierdurch erhofft sie sich Synergie-Effekte zwischen Kirche und Bildungswelt. Im Fall ihrer Wahl sollen die „übrig“ bleibenden Stellenprozente des Präsidenten auf andere Kirchenräte und/oder eine zusätzlich einzustellende Fachkraft verteilt werden.

Mehr sein als scheinen

Beide Kandidaten haben an diesem Abend einen vollen Einsatz geleistet, auch wenn die Umsetzung nicht in jedem Falle hundertprozentig gelungen ist, finde ich. Doch genau diese Unvollkommenheit hat etwas anrührend Menschliches an sich. Darin liegt ein Mehrwert gegenüber einem allzu perfekten Auftritt.

Es ist gerade kein marktkonformes und bühnenreifes Gebaren, das vorgestern zur Darstellung gekommen ist. Kleinere Schwächen oder verkraftbare Lücken wirkten regelrecht sympathisch. Was ich erlebt habe, ist das Gegenteil jener kalten Professionalität und medial gesteuerten Überperfektion, wie sie auf weltlichen und leider zunehmend auch kirchlichen Bühnen Einzug gehalten hat.

Auffallend ist der bodenständige und basisorientierte Zuschnitt des Amtes, das angestrebt wird. Was Traditionsbindung und überlieferte evangelische Authentizität betrifft, ist die Thurgauer Sonderrolle im protestantischen Teil der Eidgenossenschaft bemerkenswert und beispielgebend. Beide Kandidaten können sich auf dieses Format einstellen, Paul noch etwas markanter.

Denn der Heimatbezug ist der Maßstab, an dem sich beide Kandidaten messen lassen sollen und wollen. Sie streben nicht nach den Sternen, sondern nach etwas Konkretem und Fassbaren – nach genau dieser Verantwortung in genau diesem überschaubaren Umfeld mit genau diesen Thurgauer Christenmenschen, wie sie nun einmal sind – und nicht, wie man sie sich einbilden oder erträumen könnte.

Wobei Paul oft noch einen Tick schneller dran ist an der Basis. Als abstrakte und theoretische Themen vom Moderator eingestreut werden, ist Paul direkter und geschickter als Christina am Werk, um diese Themen auf die Verhältnisse vor Ort herunterzubrechen.

Beide Kandidaten sind um Volksnähe im besten Sinne des Wortes bemüht. Das spürten die Zuhörerinnen und Zuhörer in der Amriswiler Stadtkirche. Die solidarische, gruppendynamisch anregende Stimmung im Amriswiler Kirchenschiff ist an diesem Abend beinahe mit Händen zu greifen. Fast so etwas wie ein lagerübergreifender Thurgauer Korpsgeist kommt zum Vorschein. So dass die Wahl, wie immer sie ausgeht, uns mit guten und stabilen Glaubenshoffnungen in die Zukunft blicken lässt.

[Pfr. Gottfried Spieth, 12.06.2021]


 

Ersatzwahl ins Kirchenratspräsidium: Kandidaten-Hearing im Livestream

Im Blick auf die Ersatzwahl ins Kirchenratspräsidium der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau findet am kommenden Donnerstagabend, 10. Juni 2021, 19.30 Uhr, in Amriswil ein Hearing mit den beiden Kandidierenden statt. Die Öffentlichkeit kann den von Paul Baumann moderierten Anlass mit Christina aus der Au und Paul Wellauer im Livestream mitverfolgen.

Im Rahmen des Theologischen Gespräches wird die Evangelische Kirchgemeinde diesen Livestream im Kirchgemeindehaus zeigen.

Wir bitten um Anmeldung im Sekretariat unter 052 657 45 33 (Combox) oder per E-Mail.

Konfirmation im Städli

Zehn junge Menschen aus Diessenhofen erlebten bei strahlenden Sonnenschein am letzten Sonntag im Monat Mai ihre Konfirmation. Der Jahrgang 2020-21 wurde dabei in zwei Gruppen unterteilt, um den Corona-Bedingungen gerecht zu werden. In grosser Freude veranstaltete die reformierte Kirchgemeinde nacheinander zwei festliche Morgenveranstaltungen in der Stadtkirche, in denen jeweils fünf Jugendliche eingesegnet wurden im Namen des dreieinigen Gottes.

Zehn Gebote

Das Thema beider Gottesdienste, die jeweils parallel ins Kirchgemeindehaus übertragen wurde, lautete: „Lebensregeln für den Weg in die Zukunft.“ Die zehn jungen Leute trugen die zehn Gebote des alten Testaments mit Erläuterungen Martin Luthers vor, zusammengefasst im Prinzip der Nächstenliebe und anschaulich dargestellt in Form eines Theaterstücks, welches das Gleichnis vom barmherzigen Samariter eindrucksvoll in Szene setzte. Gekonnt führten die Konfirmanden das Drama jenes ausgeplünderten und schwerverletzten Reisenden vor Augen, der zwischen Jericho und Jerusalem unter die Räuber fiel. Tragischer Tiefpunkt war dabei das mitleidlose Vorbei-Gehen zweier Scheinheiliger. Kraftvoller Höhepunkt hingegen war der verantwortungsbewusste Einsatz des Samariters, der alles tat, was in seiner Macht stand, um möglichst praktisch und unkompliziert die Not zu lindern.

Himmlischer Helfer

An diese szenische Vorführung knüpfte Pfarrer Gottfried Spieth in seiner Predigt an. Er schilderte den Übergang vom kindlichen Spiel zum Ernst des Lebens. Dabei verschwieg er die Gefahren nicht, die auf die jungen Freunde zukommen könnten. Krisenerfahrungen seien Teil der vollen Lebenswirklichkeit, in die sie nun einträten. Zugleich betonte Spieth die Hilfe von oben, die durch ein Stoßgebet von unten herbeigerufen werde: „Je schwieriger deine Lage ist, desto näher ist dir jener wirklich heilige Samariter, der zum grossen Freund deines Lebens wird und Jesus Christus heisst.“

Befestigung im Glauben

Jael Mascherin, Präsidentin der Kirchgemeinde, begrüsste die zehn neuen Kirchbürgerinnen und Kirchbürger herzlich und lud zur praktischen Mitarbeit in der Gemeinde ein. Sie verwies auf die geistliche Tragweite der Konfirmationshandlung und umschrieb diese – getreu der lateinischen Ursprungsbedeutung – mit den Worten: „Befestigung und Stärkung im Glauben“.
Zusammen mit Doris Greim, die die junge Mannschaft gemeinsam mit Pfarrer Spieth im vergangenen Oktober auf dem Lager in Meersburg begleitet hatte, überreichte Frau Mascherin den zehn jungen Menschen eine Rose als Zeichen der Wertschätzung. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden antworteten mit einem herzlichen Dank an Eltern, Grosseltern und Paten für die hilfreiche bisherige Wegbegleitung.

Glaubensfrohe Stimmung

Musikalisch wurden beide Gottesdienste durchflutet von klassischen Orgeltönen. Sie wurden dynamisch dargeboten von Annedore Neufeld und vermittelten eine feierliche Atmosphäre im Gotteshaus. Zeitgenössische Lieder mit geistlichem Tiefgang, gesungen und gespielt von der Jugendband unter Leitung von Dan Schmid, sorgten für eine ebenso gelöste wie glaubensfrohe Stimmung. Mit segensreichen Empfindungen klangen die beiden denkwürdigen Gottesdienste aus.

Glaubensstark wie Hanna

Beterinnen und Propheten in der Diessenhofer Stadtkirche

Die Schönheit und Würde des alten Testaments leuchtete in den beiden Jugendgottesdiensten auf, die sich vergangenen Freitagabend in der Diessenhofer Stadtkirche ereigneten. Die Gestalt der Hanna stand im Mittelpunkt – also jene volkstümliche Segensträgerin aus der Frühzeit Israels, die zur Mutter des später weltberühmten Propheten Samuel wurde. Die Moderatoren sowie die Sängerinnen und Sänger der Band waren auf dieses geheimnisvolle Szenario eingestellt. Das Dekorationsteam hatte Erstaunliches geleistet und ein Bühnenbild geschaffen, das die Welt des alten Testaments stimmungs- und gefühlsmäßig mitten hinein in die Diessenhofer Stadtkirche projizierte.

Kleine Anfänge und große Wirkungen

Das Schülertheater führte vor Augen, wie Hanna in der Stiftshütte – dem Vorgängerbau des salomonischen Tempels – auftaucht und dort eindringliche Gebete verrichtet. Vor der farbenprächtigen Kulisse des Zeltheiligtums wurde gezeigt, wie diese einfache Frau aus dem Volk zu einer Gebetskämpferin wird, die mit unerhörter Energie ihr Anliegen an höchster Stelle formuliert. Anschaulich wurde ihr zunächst noch rein privates Problem szenisch vor Augen geführt, dessen Lösung durch Gottes Eingriff weitreichende Folgen für die Weltgeschichte mit sich bringt.
Gekonnt spielten die jugendlichen Darsteller, wie sehr die kinderlose Hanna unter den Demütigungen ihrer gebärfreudigen Konkurrentin Pennina leidet. In einem umso freundlicheren Licht beleuchtete das Schülertheater die dankbare Gesinnung Hannas: Nachdem sie tatsächlich einen Sohn namens Samuel bekommen hat, weiht sie ihn dem geistlichen Dienst und übergibt ihn der Obhut des Hohenpriesters Eli.
Geheimnisvolle Stimme in der Nacht
Die jugendlichen Darsteller präsentierten sodann ein nächtliches Erlebnis des jungen Samuel während seiner Ausbildung zum Priesterberuf: Wie die Öllampe noch brennt, als der Junge sich an seinem Schlafplatz im Zentralheiligtum niedergelegt hat, während hoch droben am Himmel die Sterne funkeln. Wie Samuel dreimal eine geheimnisvolle Stimme hört und diese zunächst für den Anruf seines Lehrmeisters Eli hält, bis er erkennt, dass Gott selber mit ihm spricht.

Hören und Handeln

Während Gott damals direkt mit dem jungen Samuel geredet habe, spreche er zu uns heutigen Leuten eher indirekt, aber nicht weniger wirksam, unterstrich Religionslehrerin Karin Schmid in ihrer Predigt. Gott tue das durch Bibel und Predigt, aber auch durch Gedanken, die wir in unserem Herzen bewegen. Oder durch die Natur, die wir beobachten. Aus dem Hören folge die Bereitwilligkeit, den göttlichen Vorschlägen zu folgen. Beispielgebend sei der junge Samuel mit seiner Antwort an Gott: „Rede, HERR, ich höre. Ich will tun, was du sagst.“

Gebet als nachhaltige Schlüsselerfahrung

Ausdauerndes Beten könne mit der Zeit einen Segensstrom auslösen, fuhr Karin Schmid fort, das Beispiel der Beterin Hanna aufgreifend. „Gib niemals auf, wenn du für etwas betest. Jedes Gebet ist wie ein Same, den wir in den Boden pflanzen, und irgendwann geht es auf.“ Gott registriere aufmerksam die Stimme einer jeden Beterin und eines jeden Beters. Das gehe so weit, dass Gott jede einzelne Träne zählt, die auf Erden geweint wird. „Gott sammelt sie alle auf. Er hat alles gesehen in deinem Leben. Er weiss, was dich traurig macht.“ Laut Karin Schmid kommt darin die Wertschätzung zum Ausdruck, die Gott jedem einzelnen Menschen erweist, der seine Not an höchster Stelle ausbreitet.
Frau Schmid legte Wert auf die Bereitschaft, eine gesteigerte Aufmerksamkeit für Gottes Stimme zu entwickeln. Entscheidend sei, sich die überwältigende göttliche Kraft vor Augen zu halten, wurde betont unter Verweis auf 1. Chronik Kapitel 29, Vers 11: „Du, HERR, besitzt Grösse, Kraft, Ruhm, Glanz und Majestät. Alles, was im Himmel und auf der Erde lebt, ist dein. Du bist König, der höchste Herrscher über alles.“

Spielerischer Zugang zur Wahrheit

Auch das gesellige Spiel kam in beiden Veranstaltungen nicht zu kurz. Ein kleiner Wettbewerb regte die Zuhörer zum Training des Hörvermögens an. Von klanglicher Seite untermalte die Jugendband unter Leitung von Dan Schmid, verstärkt durch Bassgitarrist und Impulsgeber Daniel Peyer, die Anregungen des Abends. Der nächste Anlass in dieser Reihe ist am 06. Juli. Dann wird das Thema „Noah“ von der Jugendgruppe der evangelischen Kirchgemeinde Schlatt präsentiert.

„Von der Höll ins Paradies“

Pilgern am Rheinufer

Im Rahmen der kürzlich ins Leben gerufenen «Etwas anderen Erwachsenen-bildung» versammelte Brigitta Lampert am 8. Mai eine zwölfköpfige Diessen-hofer Pilgergruppe zu einer Wanderung «von der Höll ins Paradies». Treffpunkt war die Stadtkirche mit einführenden Gedanken über den Ausgangspunkt «Höll». Wie die Reiseleiterin schmunzelnd erläuterte, ist damit jenes ehemalige alte Fischerlokal unterhalb der Stadtkirche gemeint, dessen herausragende Besonderheit es war, dass in seinem Inneren nur sehr zurückhaltende Lichtverhältnisse herrschten. Von einer ähnlich geheimnis-umwitterten, spannungsgeladenen Stimmung bewegt, liess sich die Pilgerschar gleichsam himmelwärts inspirieren zu einem Gang an die strahlende Frühlingssonne hinaus.

Erstes Zwischenziel war St. Katharinental, wo man sich in der Klosterkirche zu einer Andacht sammelte. Thema waren die Kräfte des Schöpfers, «die wir mit allen Sinnen wahrnehmen». Die Empfindungen der Teilnehmer mündeten ein in ein Gebet: «Meinen Gedanken lasse ich Raum, um zu ergründen, was mich heute, in diesem Moment bewegt. Ich lasse zu, was kommt, und höre in mir, was sie mir sagen wollen. Mit dir, Gott, geh ich meinen Weg, mit dir bin ich alles, was ich bin: Enge, Weite, Nähe, Licht und Dunkel – alles, mein Gott und Schöpfer, führt mich zu dir hin.“
Des Schöpfers Kraft in der Natur

Weiter ging es den Rhein entlang Richtung Schaarenwald und Schaarenwiese. Unterwegs wurde am Ufer eine Pause eingelegt, und die Pilgerinnen und Pilger suchten einen Kieselstein ihrer Wahl, den sie an sich nahmen. Dieser Stein könne rauh oder glatt, rund oder kantig sein und damit den eigenen Charakter und Lebensweg treffend abbilden, von tiefsten Abgründen der Seele bis hin zu geisterfüllten Höhenflügen und Glückserfahrungen, erläuterte Brigitta Lampert. Ihre meditativen Überlegungen fasste sie in folgendem Gebet zusammen: «Du schufst unsere ausgesuchten Steine. Auch sie zeigen uns die unterschiedlichsten Daseinsformen in ihrer Beschaffenheit in Grösse, Gewicht, Form und Farbe. Was bedeuten sie in unseren Händen? Wärme? Kälte? Halt? Schmerz? Last? Wir legen sie in deine Hände, Gott, Ewiger, Liebender, Barmherziger. Dir vertrauen wir unsere eigenen Themen an.»

Schweigemarsch

Was nun folgte, war der wohl eindrucksvollste Abschnitt dieses Nachmittags: Ein dreiviertelstündiger Marsch des Schweigens. Jeder und jede war eingela-den, umgeben vom leisen Rauschen des Rheins und beschwingten Singen der Vögel, eigene Empfindungen und Gebete mit Hoffnung und Lebenskraft zu verbinden – und innerlich immer weiter und wirksamer zu entfalten. Eine Andacht mitten unter Bäumen rundete diese stille Zeit ab. Unter einem aus Ästen gebauten Holzkreuz legte jeder Teilnehmer seinen Stein nieder. Auf diese sinnenfällige Weise wurde deutlich, dass die ganze Bandbreite des Lebens – also Dank und Sorge, Trauer und Freude, Anspannung und Entspannung – in Gottes Sohn und seinem Kreuz die erlösende Mitte und Zusammenfassung findet.

Klosterkirche Paradies

In der Gewissheit, dass Gott aufmerksam zuhört und mitgeht, bewegte sich die muntere Diessenhofer Pilgerschar weiter am linken Rheinufer abwärts, bis das Ziel der Wanderung erreicht war: Die Klosterkirche Paradies. Dort wurde ein abschliessendes Segensgebet gesprochen: «Gott segne dir den Weg, den du nun gehst. Gott segne dir das Ziel, für das du lebst. Sein Segen sei ein Licht um dich her und innen in deinem Herzen. Aus deinen Augen strahle sein Licht wie zwei Kerzen in den Fenstern eines Hauses, das dem Wanderer Schutz bietet in der stürmischen Nacht. Wen immer du triffst, wenn du über die Strasse gehst – ein freundlicher Blick von ihm möge dich treffen. Gott schütze dich! Geh in seinem Frieden! Amen.»

Von mutmachenden und lebensdienlichen Eindrücken erfüllt, klang dieser denkwürdige Nachmittag bei einer geselligen Tasse Kaffee im Gasthaus Paradies aus, das gerade am Vortag wieder seine Pforten eröffnet hatte.

Jugendtreff mit Vater Abraham

Landverheissung und Kindersegen

Zwei Diessenhofer Jugendgottesdienste am Dienstagabend mit Ausstrahlung in die gesamte Region waren dem Thema „Abraham“ gewidmet. In beiden Veranstaltungen spielten junge Leute aus Basadingen-Schlattingen-Willisdorf ein Theaterstück aus alttestamentarischer Frühzeit – mit einem Nomadenzelt, farbenfrohen Kostümen und einer souveränen Stimme aus dem Hintergrund, die den Ruf von ganz oben symbolisierte. Eindrucksvoll führten die Darsteller vor Augen, wie der bereits betagte Viehzüchter Abraham aus dem Morgenland mit seiner ebenso in die Jahre gekommenen Gattin Sara zu einem überlangen Fußmarsch ins Land der Verheissung aufbricht, durch führungsstarke Befehle des Herrn bewegt. Aufwendig setzten die Schüler in Szene, wie der Wanderer, endlich am Ziel angekommen, zwei steinerne Altäre aufschichtet, um dem göttlichen Weltenlenker für die erfolgreiche Reiseleitung zu danken – worauf er in sternenklarer Nachtvision aufgeklärt wird über die grosse Zukunft seiner Familie.

Sodann präsentierten die Darsteller einen allerhöchsten Besuch in Gestalt dreier geheimnisvoller Männer, die urplötzlich vor Abrahams Zelt auftauchen. Gekonnt vermittelten die jungen Akteure diesen wuchtigen Auftritt, aber gleichzeitig den humorvollen Zwischenton, mit dem die göttlichen Besucher Sara in ein ebenso ernstes wie unterhaltsames Gespräch verwickeln. Und zwar worüber? Über den zu erwartenden männlichen Nachwuchs. Dieser kommt binnen Jahresfrist tatsächlich zur Welt.

Ertrag des Glaubens  

Diese Szenen aus dem alten Testament bahnten Religionslehrerin Karin Schmid den Weg zu ihrer Predigt. Thema war das genaue Hinhören und vertrauensvolle Handeln. „In Bibel und Naturereignissen, aber auch durch menschliche Worte und Lieder vernehmen wir Gottes Stimme“, betonte Frau Schmid. Abraham habe dem göttlichen Anruf den Vorrang gegeben vor anderen Einflüssen. Im Gebet habe er seiner Überzeugung Ausdruck verliehen, dass bei Gott „kein Ding unmöglich“ ist (1. Mose Kapitel 18, Vers 14). Überzeugt von der fehlerlosen Zielstrebigkeit, mit der Gott die beschlossenen Pläne durchzieht, habe sich Abraham dieser optimalen oberen Führungskraft anvertraut.

„Wer sich für einen solchen Glaubensweg entscheidet, muss allerdings auch Wagnisse eingehen“, räumte Frau Schmid ein. Ein solches Wagnis geschehe jedoch nicht ins Blaue hinein, sondern habe seine guten Gründe. Das sei ähnlich wie bei einem Fallschirmspringer, der beim Absprung auf die Zuverlässigkeit seines Materials setzt. Frau Schmid bat die jugendlichen Zuhörer eindringlich, den zuverlässigsten Autoritäten des Universums – nämlich Gott und seinem Sohn Jesus – jenen obersten Platz in unserem Leben zu geben, der ihnen gebührt. „Wer diesen Schritt tut, darf mit grosser Belohnung rechnen“, versicherte sie. Gott überlade und überschütte glaubende Menschen mit guten Dingen und Erfolg – auch wenn er ihnen Schwierigkeiten auf dem Weg nicht erspare. Das Vertrauenslied „Der Herr segne dich“, von der Band in die Herzen des Publikums hineingesungen, vertiefte die freundliche Einladung, auf Gottes Stimme aufmerksam zu lauschen und entsprechend zu antworten.

Preiswürdiger Einsatz für die Jugend

Die Band unter Leitung von Dan Schmid erfüllte den Abend mit mitreissenden Liedern, Begleitmelodien und ausgereiften Klangbildern zur Ehre Gottes. Schülergruppen für Spiel, Theater, Dekoration, Moderation und Werbung waren verantwortlich für das rundum gute Gelingen.

Präsidentin Jael Mascherin berichtete in einem Grusswort von einem Wettbewerb, den die Evangelische Landeskirche Thurgau seit 2020 für engagierte Jugendarbeit ausschreibt. Dieses Jahr habe die reformierte Kirchgemeinde Diessenhofen mit ihrem Projekt „Youth Church“ unter dem Motto „Junge Talente fördern und fordern“ den zweiten Preis mit einem Preisgeld von 1000.- Franken gewonnen. Sie dankte Projektleiterin Karin Schmid mit Blumen für den geleisteten Einsatz.

Die zwei Abendgottesdienste für die 5. bis 7. sowie für die 8. und 9. Klasse wurden von Pfarrer Rolf Roeder (Basadingen-Schlattingen-Willisdorf) mit dem Unser Vater und Segen beschlossen. Die nächsten beiden Veranstaltungen dieser Reihe sind am Freitag 28. Mai zu dem Thema „Hanna“.

Die Stadtkirche im Spiegel der Jahrhunderte

Mittelalterliche Frühzeit

Vergangenen Samstag nachmittag trug Hansueli Ruch in der Diessenhofer Stadtkirche die Geschichte dieses Gotteshauses vor. Eindringlich schilderte er die bescheidenen baulichen Anfänge 757 unter Federführung des Klosters St. Gallen sowie die Weihe zu Ehren des französischen Heiligen und Pariser Bischofs Dionysius, der um 250 den Märtyrertod erlitten hatte. Sodann berichtete der Referent von umfangreichen mittelalterlichen Um- und Neubauten während der Ära der Kyburger und Habsburger, als nach dem verheerenden Stadtbrand von 1371 und dem nachfolgendem Wiederaufbau die Stadtkirche fast bis zur heutigen Größe ausgeweitet wurde.

Zwei Gemeinden unter einem Dach

Anhand grossformatiger Bilder, auf der Leinwand eingeblendet, bekamen die Teilnehmer eine lebendige Vorstellung von vergangenen Zeiten und ihrer Auswirkung auf die Gegenwart. Besonders im Mittelpunkt stand die viereinhalb Jahrhunderte währende gemischtkonfessionelle Nutzung des Gotteshauses. Humorvoll wies der Redner auf zwei Problemfälle hin, die bis heute für Gesprächsstoff sorgen: So habe es kurz nach dem Übertritt eines Teils der Diessenhofer Bürger zur Reformation (1529) den Vorfall gegeben, dass Darstellungen der zwölf Apostel, katholischerseits an Wänden des Chors aufgemalt, von reformierten Heissspornen zerkratzt und entstellt wurden. Sie sahen in den Heiligenbildern offenbar nur Götzendienst, anstatt sich über künstlerische Details zu freuen.

Fahnen und Schwerter

Das andere Konfliktbeispiel, das Herr Ruch anführte, stammt aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts. Damals hätten katholische Diessenhofer Bürger den Chorraum so dicht mit Fahnen zugestellt, dass der evangelische Pfarrer kaum noch seinen Weg zur Kanzel habe bahnen können. Dermassen von religiösen Textilien eingehüllt, sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als seine reformatorische Predigt inmitten katholischer Farben und Symbole zu halten. Dieser Missstand habe den städtischen Arzt Georg Michael Wepfer (1591-1659) auf die Palme gebracht. Während einer Anhörung zur Streitschlichtung habe er kurz entschlossen sein Schwert ergriffen und die Fahnen mitten hindurch zerteilt. Infolge dieser Störung des konfessionellen Friedens sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als das Städtli zu verlassen und in Schaffhausen eine neue Praxis zu eröffnen. Sein Sohn war der in der Medizingeschichte zu einiger Berühmtheit gelangte Johann Jakob Wepfer (1620-1695), an den ein Schaffhauser Strassenname erinnert.

Raumgefühl im Kirchenschiff

Breiten Raum nahm die innenarchitektonische Darstellung ein. Das Kirchenschiff sei seit dem ausgehenden Mittelalter von einem wuchtigen Lettner vom Chorraum getrennt gewesen. 1838-1839 sei die Decke zu einem hohen Spitzbogen aufgewölbt worden. In Verbindung mit einem teilweise schwachen Lichteinfall sei dadurch eine geheimnisvoll mystische Stimmung – ähnlich wie in einer gotischen Kathedrale – erzeugt worden, die erst durch den Umbau von 1968-1970 mit Einzug einer hölzernen Kasettendecke in ein helles, weites Raumgefühl umgewandelt worden sei. In den 1960er Jahren sei es zur schiedlich-friedlichen, räumlichen Trennung beider Kirchgemeinden gekommen, weil die katholische Seite einen eigenen Neubau anstrebte und verwirklichte. Die letzte Renovierung 2016-2017 habe für die Stadtkirche eine Bestlösung noch anstehender Restprobleme erbracht.

Die wissbegierigen Besucherinnen und Besucher freuten sich über einen anregenden Nachmittag mit Hansueli Ruch, der aktives Mitglied der Kirchgemeinde ist und sich insbesondere im Archivwesen einen Namen gemacht hat.

Diese Veranstaltung im Rahmen einer „Etwas anderen Erwachsenenbildung“ wurde von Kirchenvorsteher Thomas Russenberger organisiert. Die nächste Veranstaltung dieser Reihe ist die Pilgerwanderung „Von der Höll zum Paradies“, die unter der Leitung von Brigitta Lampert am 8. Mai um 14.oo an der Stadtkirche angeboten mit.

Junge Talente fördern und fordern

Thomas Alder, Fachstelle Jugendarbeit, Evangelische Landeskirche des Kantons Thurgau

Zum zweiten Mal nach 2020 verleiht die Evangelische Landeskirche Thurgau dieses Jahr einen Impulspreis für engagierte Jugendarbeit in den Kirchgemeinden. Der kreative Jugendgottesdienst «Youth Church» der Region Diessenhofen holt sich den zweiten Platz.

Was als wenig motivierender Jugendgottesdienst im Stuhlkreis begann, ist heute ein generationenübergreifender Anlass in der Stadtkirche Diessenhofen, der von rund 100 Personen besucht wird. «Wegen der Beschränkung der Anzahl Personen finden aktuell zwei Jugendgottesdienste hintereinander statt», sagt Jael Mascherin, Präsidentin der Evangelischen Kirchgemeinde Diessenhofen und Ressortleiterin von Kirche, Kind und Jugend. Und die Anzahl der Besucherinnen und Besucher werde im Moment voll ausgereizt, fügt Mascherin zufrieden an.

Auch bei Auswärtigen beliebt

Dass die acht Mal im Jahr stattfindenden Jugendgottesdienste sogar bei Auswärtigen sehr beliebt seien, habe mit der Vielfalt des Anlasses zu tun. Nebst den liturgischen Elementen wie Gebet oder Predigt gibt es etwa Musik von einer Band, Tanz und Theater. Möglich machen dies die verschiedenen Arbeitsfelder, für die sich die Siebt-, Acht- und Neuntklässler engagieren können. Dabei können sich die Jugendlichen entsprechend ihren Talenten für Dekoration, Technik, Moderation, Theater, Band, Verpflegung und Werbung einbringen. Einzig das Arbeitsfeld Chor konnte laut Mascherin bisher leider nicht umgesetzt werden.

Mut zur Selbstpräsentation

Die Gesamtleiterin und Jugendarbeiterin Karin Schmid schreibt für jeden der acht Jugendgottesdienste ein neues, schülergerechtes Theaterstück, das von den Jugendlichen vorbereitet und geprobt wird. «Die grosse Herausforderung dabei ist, dass sich die Jugendlichen getrauen, sich im öffentlichen Raum zu präsentieren», sagt Mascherin. Entsprechend schön sei es zu sehen, wie die Jugendlichen sich in dieser Zeit entwickeln und Selbstvertrauen gewinnen. Ein weiteres Ziel sei es, die Jugendlichen aus Diessenhofen und Basadingen-Schlattingen-Willisdorf sowie Schlatt dazu zu ermuntern, sich nach der Konfirmation als Gruppenleiter zur Verfügung zu stellen. Mascherin sagt dazu: «Wir wollen die Jugendlichen fördern und fordern.» Dass die Evangelische Kirchgemeinde Diessenhofen mit diesem Projekt nicht nur Jugendliche, sondern auch deren Eltern und Grosseltern begeistern kann, freut Mascherin umso mehr. Es sei eine ermutigende und kreative Art für die Jugendlichen, Gemeinschaft zu erleben, Gott zu feiern und eigene Talente zu entdecken.

Weitere Informationen unter: www.evang-tg.ch/impulspreis

Rechnung und Budget angenommen

Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Evangelischen Kirchgemeinde Diessenhofen nahmen die Rechnung 2020, das Budget 2021 und den bisherigen Steuerfuss von 22% an der Urne an

Coronabedingt und auf Anraten des Kirchenrates der Evangelischen Landeskirche Thurgau konnten die Stimmberechtigten der Kirchgemeinde am Sonntag, 28. März, brieflich abstimmen. Alle drei Vorlagen wurden mit grosser Mehrheit angenommen: Die Rechnung 2020 mit 112 Ja-Stimmen gegenüber 8 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung, der Steuerfuss wie bisher 22 % mit 108 Ja-Stimmen gegenüber 11 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung und das Budget 2021 mit 112 Ja-Stimmen gegenüber 5 Nein-Stimmen bei 3 Enthaltungen.

Insgesamt zählt die Evangelische Kirchgemeinde Diessenhofen 974 Stimmberechtigte. Von den versandten Abstimmungsunterlagen wurden zehn als unzustellbar retourniert.  Die Stimmbeteiligung lag bei 13.1 %. Insgesamt waren von den abgegebenen 384 Stimmen 23 ungültig.

Die Kirchenvorsteherschaft dankt allen Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern für Ihr Vertrauen und Ihre Teilnahme an der Abstimmung. Ein grosser Dank geht auch an das Wahlbüro für ihren Einsatz.

Seniorenferienwoche 2021

Herzliche Einladung zur Seniorenferienwoche, Montag, 28.6. bis Samstag, 3.7.2021, im ***Hôtel de France in Sainte-Croix VD

Die evangelischen Kirchgemeinden Basadingen-Schlattingen-willisdorf und Schlatt laden herzlich, sofern es in diesem Jahr möglich ist, zur Erlebnis-Ferienwoche in den Kanton Waadt ein.

Das Gebäude des Hotels geht auf das Jahr 1725 zurück und liegt im historischen Teil von Sainte-Croix. Sainte-Croix/Les Rasses liegt auf einer sonnigen, geschützten Terrasse (1100 m) mitten in der Weite der waadtländischen Juralandschaft. Weltbekannt ist der Ort für seine Spieldosen und Musikautomaten. Wandern und Radfahren in der Natur der Juraweiden dominieren im Sommer. Im Winter ist die Region ein beliebtes Langlaufparadies.

Die komplette Ausschreibung und den Anmeldetalon finden Sie in dem unten stehenden Download oder in der Auslage in der Stadtkirche Diessenhofen.

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Seniorenferienwoche 2021