Erster Diessenhofer Jugendgottesdienst im neuen Jahr

Der vergangene Dienstagabend stand ganz im Zeichen des ersten Jugendgottesdienstes im neuen Jahr. Die Stadtkirche zeigte sich von ihrer schönsten Seite, als Schülerinnen und Schüler aus Schlatt ein Erlebnisprogramm starteten, gerichtet an Jugendliche aus dem gesamten Diessenhofer Bezirk samt Eltern und Grosseltern. Licht- und Tontechniker, Sänger und Musiker liefen zu Hochform auf, aufgelockert durch eine humorvolle Moderation. Hinzu kam ein Schülertheater vom Feinsten. Die jungen Darsteller präsentierten in zwei Teilen eine bemerkenswerte Geschichte aus der Zeit des Neuen Testaments, aufgeschrieben im Evangelium nach Johannes Kapitel 2 und 3: Wie Jesus Christus Wasser in Wein wandelt und einem überaus klugen Mann eine noch klügere Antwort liefert auf dessen Fragen.

Nikodemus findet seinen Meister

An diesem Abend stand also Nikodemus im Mittelpunkt – jener berühmte Theologieprofessor, der anlässlich eines nächtlichen Zwiegesprächs in Jesus seinen Meister fand. Die Gegensätze, die diesem Dialog vorausgingen, hätten nicht farbiger und kontrastreicher gestaltet werden können: Das Schülertheater demonstrierte ausgelassene Freude anlässlich einer orientalischen Hochzeit, den urplötzlichen Mangel an Wein, die Verzweiflung des Bräutigams, der sich vor der Festgesellschaft als organisatorischer Looser blossgestellt vorkommt, dann aber die verblüffende Wunderkraft, die in den Worten und Anweisungen des Herrn steckt. In den Handlungsablauf eingebettet waren liebenswürdige Dialoge, etwa als Jesus mit seiner Mutter Maria diskutiert, was nun Priorität haben solle, um die eingebrochene Feststimmung doch noch zu retten. Die Mangelprobleme lösen sich dann durch das Wunder, vollbracht durch Gottes Sohn, der sich als liebevoller Meister der Kommunikation erweist und ebenso meisterlich über den Naturgesetzen steht.

Vertrauen ersetzt Leistung

Die Spannung verdichtete sich noch einmal, als Religionslehrerin Karin Schmid zu ihrer Predigt ansetzte. Sie erläuterte das Prinzip von Leistung und Gegenleistung, wie es heutzutage in Schule und Beruf gefordert wird, aber auch damals schon den klugen Nikodemus voll und ganz erfüllte. Dieses Leistungsprinzip gelte nicht in der christlichen Religion, erläuterte Frau Schmid: Hier seien andere Werte bestimmend, die auf eine vertrauensvolle Verständigung zwischen Gott und Mensch hinauslaufen, ohne dass die Regel „eine Hand wäscht die andere“ zur Anwendung gelange. Denn im Verhältnis zu Gott und Christus komme es ausschliesslich auf den Glauben an, und zwar persönlich und direkt: „Jesus ist meinungsstark, mitfühlend und weckt unser Vertrauen, ohne dass wir extra Vorleistungen erbringen müssen.“

Probe aufs Exempel

Das Gesehene und Gehörte verfehlte den Eindruck auf die jugendlichen Zuhörer nicht. An diesem Abend gewöhnten sie sich an einen etwas anderen Blickwinkel, der in wohltuendem Kontrast steht zum landläufigen Wechselspiel aus Geben und Nehmen. Der Grundsatz des leistungsbezogenen Umgangs werde bei Jesus durchkreuzt durch lebendige Kommunikation und freundliches Einvernehmen, fasste Karin Schmid die Botschaft des Abends zusammen. Die neu erfahrene Vertrauensbeziehung wurde auch gleich ausprobiert, indem die jungen Besucherinnen und Besucher nacheinander an den Taufstein traten und beim Anzünden einer Kerze ein persönlich formuliertes Gebet sprachen, direkt an Gottes Sohn gerichtet.

Die Schlatter Gruppe im Zusammenwirken mit Licht- und Tontechnik, Dekoration, Moderation, Theater und Predigt hat es geschafft, das schöne und tiefsinnige Glaubensbündnis zwischen Gott und Mensch in den Vordergrund zu rücken. Die Band präsentierte neue Lieder, die das Thema des Abends unter Beweis stellten und in den Worten an den Herrn gipfelten: „Aus Angst vor morgen, aus Furcht und Sorgen rufst du mich heraus. Wenn ich denk: ich bin nicht gut genug, bist du genug für mich.“ Innerlich bereichert durch diese zielführenden Gedanken und gestärkt durch einen abschliessenden Apéro, klang dieser Gottesdienst mit einem Segensgebet von Diakon in Ausbildung Andreas Schlegel (Schlatt) aus.

Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen

Johannes 6,37 (E)

Verlag am Birnbach – Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

Zum Auslegungstext

Mit Wort und Klang ins neue Jahr

Kulturelles Leuchtfeuer

Mit berührender musikalischer Schönheit und einem aussergewöhnlichen Hörerlebnis läutete Diessenhofen das neue Jahr ein. Eine erwartungsfrohe Gemeinschaft hatte sich am Abend des Neujahrstages in der Stadtkirche versammelt, um klangliche Höhenflüge und hoffnungsstarke Bibelimpulse zu erfahren. Es musizierten Janine Allenspach (Querflöte) und Annedore Neufeld (Orgel und Klavier). Sie brachten barocke Töne und romantische Klangfarben zu Gehör – sanft schwingend, temperamentvoll ausgreifend und in ein harmonisches Gesamtkunstwerk ausmündend.

Optimismus des Glaubens

Die Predigt, gestaltet von Pfarrer Gottfried Spieth, verkündete einen kräftigen Vertrauensvorschuss, den wir uns gegenseitig von Herzen gönnen sollten. Und zwar unter dem Leitspruch: „Jesus Christus gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit“ (Hebräer 13,8). Das Zentrum der Geschichte und der Anker in der Zeit sei kein geringerer als Jesus von Nazareth. Er sei der Heiland aller Welt. Nach ihm würden Jahrhunderte und Jahrtausende gezählt. Er sei das Fundament unserer geschichtlichen Vergangenheit, woraus sich die heutige Welt entwickelt habe. Deshalb sei Jesus gerade in der jetzigen Gegenwart ein überaus sensibler Zeitgenosse und Wegbegleiter, der mit uns durch dick und dünn gehe. Er verschaffe uns Vergebung und innere Heilung – und sei damit Schlüsselmacher, Türöffner und Taktgeber für die Zukunft. Diese münde in eine neue Zeit, eingebettet in den Horizont der Ewigkeit. „Befreit von Altlasten, erwarten wir getrost, was kommen mag“, wurde als Parole für 2022 ausgegeben.

Barocke Fülle und romantische Schönheit

Eingebaut in die Liturgie des Gottesdienstes, wurden folgende musikalische Stücke dargeboten: „Ankunft der Königin von Saba“ aus dem Oratorium „Salomo“ von Georg Friedrich Händel (1685-1759), Sonate h-Moll von Johann Sebastian Bach (1685-1750), „Tambourin“ von François-Joseph Gossec (1734-1829) und „Suite de Trois Morceaux pour flûte et piano“ von Benjamin Godard (1849-1895). Während die barocken Werke von Bach und Händel mit hell strahlendem Jubel aufleuchteten, beeindruckten die Kompositionen von Gossec und Godard durch ihr geniales Wechselspiel aus idyllischer Romantik, tänzerisch-beschwingter Wendigkeit und virtuoser Schnelligkeit. Farbige Tonmalereien und Rhythmen mischten sich mit Bibellesungen und Gebeten zu einem Mosaik – fein, vielfältig, glaubensstark.

Gemeinschaftsgefühl

Diese festliche Versammlung bewegte Herz und Sinne und motivierte zu neuer Zuversicht. Die Segensgrüsse und Glückwünsche der Kirchenvorsteherschaft brachte Präsidentin Jael Mascherin zum Ausdruck. Im Anschluss fand auf dem Vorplatz der Kirche der traditionelle Neujahrs-Aperó der Kirchgemeinde in gemütvoll angenehmer Atmosphäre statt. Somit verband der Abend ein herausragendes kulturelles Leuchtfeuer mit einem lebendigem Gemeinschaftsgefühl. Daraus konnten die Besucherinnen und Besucher innere Ruhe und Kraft schöpfen für 2022.

Jugendliche Weihnachtsfreude

Diessenhofer Adventsfenster an und in der Stadtkirche

Am Dienstagabend war in der Stadtkirche eine fröhlich bewegte Weihnachtsatmosphäre zu erfahren. Das Vorprogramm auf dem Vorhof zeigte Soldaten, Könige, Esel, Kamele sowie den nachgebauten Stall von Bethlehem. Die Glocken läuteten den Jugendgottesdienst ein, der vor einem vollbesetzten Kirchenschiff in bester Stimmung ablief.

Der Anlass stand unter dem Thema „Die grosse Laterne“ und wurde von Schülerinnen und Schülern der 7. bis 9. Klasse gestaltet. Den Einstieg machte ein Tanz der Roundabout-Gruppe aus Schlatt mit rassigen Rock- und Pop-Elementen. Danach lief ein imposantes Schauspiel ab: Es bestand aus dramatischen Lichteffekten, einem farbenfrohen Bühnenbild und einem Schülertheater, das die uralte Weihnachtsgeschichte genial kombinierte mit supermodernen Elementen. Zu sehen war, wie Hirten und Engel, Maria und Josef zahlreiche Wunder erlebten und kommentierten. Sie taten dies in humorvollen Handy-Chats, die in Grossaufnahme an der Leinwand aufleuchteten.

Premiere

Dieser Anlass firmierte als achtes von 24 Diessenhofer Adventsfenstern und war ein Höhepunkt im derzeitigen Lichterglanz des Städtli. Dieser Jugendgottesdienst mit anschliessenden Interviews wird ab Montag 13. Dezember im Lokalfernsehen Tele D gezeigt. Denn dieser Abend war etwas Besonderes und beinhaltete eine Premiere: Zum ersten Mal trat der neugegründete Gospelchor der evangelischen Kirchgemeinde in Aktion, flankiert von Gesangssolisten und der Band.

Zum Nach- und Weiterdenken lud die Predigt ein. Sie stand unter einem Motto, das von Jesus Christus höchstpersönlich stammt: „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht in der Dunkelheit umherirren, sondern er hat das Licht, das ihn zum Leben führt“ (Johannes 8,12). Wir Menschen steckten manchmal in einer dicken Nebelsuppe, wurde dazu ausgeführt. Aber der Weg des Glaubens sei wie eine Bergfahrt mit der Seilbahn, „wodurch wir aus dem Nebel an die Sonne kommen“. Den Abschluss bildete ein Apero mit Gebäck und Kürbissuppe auf dem Vorplatz bei Kerzenschein, Punsch und Glühwein.

Heilige Worte und Klangteppiche

Bemerkenswert: Das Schüler-Theater war perfekt eingebettet in verschiedene Songs des Gospel-Chores. Das gleitende Ineinander von gesanglicher Darbietung und schauspielerischer Leistung war das Glanzstück des Abends. Der Chor verbreitete eine samtweich schwingende Stimmung, die sich anfühlte wie ein farbenfroher Klangteppich. Die Solistinnen und -Solisten sangen heilige Texte mit ebenso ruhigen wie kraftvollen Melodien. Besonders schwungvoll ertönte das spanische Lied „Feliz navidad“ (glückliche Weihnachten).

Zeitgemässe Technik und familiäre Werte

Die Nachrichtentechnik während des Schülertheaters wurde nicht als Fremdkörper empfunden. Denn sie wurde gleichsam in einen höheren Dienst gestellt. Die Engeldarsteller unterstützten dieses Anliegen. Sie waren humorvoll im Auftritt und geheimnisvoll genug, um den Zauber der Weihnacht plastisch auszudrücken. Treffend präsentierten sich die Hirten in ihrer gemütlichen Robustheit sowie die Soldaten in ihrer zupackenden, kompromisslosen Tatkraft.

Respektvoll und getreu der biblischen Textgrundlage erzählten die jugendlichen Theaterleute die Vorgeschichte von Jesu Geburt. Die Rollen von Maria und Josef wurden familiär und beziehungsorientiert gespielt. Die an der Leinwand eingeblendeten Chats zwischen Maria, Josef, den Engeln und Hirten schwächten die Tatsächlichkeit der überlieferten Wunder nicht ab, sondern gestalteten sie farbig und unterhaltsam. Hierbei zeigte sich, dass Technik und Wunder nahe beieinander liegen. Die gesamte Darbietung war ein harmonisches und humorvolles Miteinander von Chor und Theater, Erde und Himmel, Engeln und Menschen. Herz und Sinne wurden berührt.

Wunder und Volltreffer

Der Abend lieferte eine Würdigung von Familie, Mensch und Natur durch die Engel und den Gospelchor, wobei im Mittelpunkt die Ankunft des gottmenschlichen Erlösers stand. Diese traditionelle Glaubenslehre kam mit zeitgemässen Hilfsmitteln zur Geltung. Das Ganze wirkte wie eine Rückblende aus der Vergangenheit und erwies sich zugleich als Volltreffer, in die Gegenwart projiziert durch die Technik des 21. Jahrhunderts. Dadurch wurde der Glaube an Gott und Jesus auf eine neuartige und tragfähige Grundlage gestellt. Die nächste Veranstaltung in dieser Reihe ist der Jugendgottesdienst am 18. Januar 2021 unter dem Thema „Fragend wie Nikodemus“.

Chilbimusig in der Stadtkirche

Klangliche Verschönerung des Martinimarkts

Herz und Sinne zutiefst anrührende Chilbi-Musik kam am vergangenen Sonntagabend in der Stadtkirche zu Gehör. Dies geschah aus Anlass des Diessenhofer Martini-Marktes. Mit seinem unkompliziert mitreissenden Spiel regte Peter Geugis unmittelbar zum Geniessen und mitfühlenden Erleben an. Der im Städtli gastierende Organist aus Schaffhausen-Buchthalen, von Kirchenvorsteherin Tanja Schum mit launigen Worten begrüsst, bot einen zupackenden Zugang zur Musik.

Unter seinen kundigen Händen vereinigte die Orgel als «Königin der Instrumente» Appenzeller und Schaffhauser Heimatklänge, Märsche, Wiener Walzer, slawische Tänze sowie Stücke aus dem angelsächsischen Raum. Die vergnüglichen Melodien wurden mit verschiedensten Registerfarben modelliert. Es war eine tänzerisch verspielte, intuitiv anregende und marschmässig herausfordernde Klangfülle, die die Stadtkirche an diesem Abend verströmte: Musik aus dem Volk und für das Volk, rustikal und urwüchsig, leicht und locker bewegt, melodiös fliessend oder plötzlich dann kräftig-kantig aufgetürmt.

Barocke Fülle

Den Auftakt bildete eine «Intrade in Jazz». Schwungvolle Dreiklänge bereiteten den Boden für einen trompetenartigen Combo-Klang. Dann wurde die Stimmung feinfühlig und heiter: Ein «Capriccio gioccoso» liess mit hüpfender Melodie so manches Schmunzeln aufkommen. Hernach erfolgte ein Szenenwechsel in prächtig barocker Gestalt: Das «Präludium aus Te Deum» von Marc-Antoine Charpentier brachte die spanischen Trompeten der Diessenhofer Schwenkedel-Orgel zu äusserst kraftvollem Einsatz. Im Kontrast dazu fand der italienische Komponist Luigi Arditi mit «Il bacio» (= Kusswalzer) Gehör. Die schnellen Wechsel von laut und leise erzeugten eine geheimnisvolle Atmosphäre. Die «Bettina Polka» des tschechischen Tonkünstlers Bedrich Smetana, für das Klavier erdacht und von Geugis für die Orgel spielbar gemacht, beeindruckte durch ihre lässige Fröhlichkeit.

Heimatklänge

Beim lüpfigen «Tannershannes-Wälserli» fiel es so manchem Zuhörer schwer, ruhig in der Bank sitzen zu bleiben. Am liebsten hätten wohl einige das Tanzbein geschwungen. Die mit Sehnsucht erfüllte «Obedröti am Alpstee», weich und wehmütig dargeboten von den Streicher-Registern der Orgel, versetzte das Publikum in eine sanft melancholische Stimmung. Eine von Peter Geugis selbst entworfene Fantasie über das «Munotglöggli» liess sodann die Herzen der heimatverbundenen Hörerschaft höher schlagen. Schweizer Volkslieder wie «Am Himmel staht es Stärnli» über «Vo Lozärn gege Wäggis zue», «Gang, rüef de Brune», «S’isch mer alles eis Ding» und «Ramseiers wei go grase» bis hin zu «Sonnez les matines!» sind im «Munotglöckli» sorgsam versteckt – aber für das ländliche Herz spielerisch leicht zu entdecken.

Tänze und Märsche

Mit einem «Gipfelstürmer» preschte das abendliche Programm zur Appenzeller Volksmusik vor. Die «Mazurka», ein edler Hoftanz im ¾-Takt, begeisterte durch ihren genau abgezirkelten, formvollendeten Aufbau. Das «Zäuerli» aus Ausserrhoden ist ein Naturjodel, von Geugis für die Orgel umgesetzt. «Wänn´s Bähnli chont», für das Hackbrett geschrieben, liess in seiner volltönenden Orgelfassung das Herannahen des Appenzeller Bähnli erahnen.

Mit der Polka «Frauenherz» von Josef Strauss, Bruder des Wiener Walzerkönigs Johann Strauss, kam die Hörerschaft in den Genuss eines besonders eleganten Häppchens: Leichtfüssig schlängelte sich die rhythmisch punktierte Melodie auf einer Bahn abenteuerlicher Kurven dahin. Mit kraftvoll vorwärtsschreitenden Klanggebilden schritt sodann der «Diessehofer Chilbi-Marsch» einher. Von Geugis bereits für die «Diessehofer Chilbimusig 2013» geschrieben, verknüpft dieser imposante Marsch Thurgauer und Appenzeller Elemente.

Von jenseits des Atlantik

«Hang-Over Blues», so der Titel eines Jazz-Foxtrotts von 1917, zeigte die schnell beweglichen Elemente des Ragtime. «Take Five» im ungewöhnlichen 5/4-Takt lockte die Hörer in tänzerisch beschwingte Sphären. Und wie ist auf der Orgel ein Saxophon nachzuahmen? Diese Herausforderung löste der Organist durch zurückhaltende Dreiklänge, die dem Hit einen fast mystischen Charakter verliehen. Mit «The Beginning» erscholl kantiger Orgelklang im mitreissenden Pop-Stil. Als Zugabe erklang «Wild Cat Blues». Dieses erfrischende Klarinetten-Solo fehlt in keiner Jazzband. Es vermag in der Interpretation von Geugis auch die Orgel brillant zu schmücken: Die fröhliche Melodie schwingt sich aus schwindelnder Höhe ins menschliche Herz hinab – und steigt alsbald wieder hinauf in die Weiten des Himmels, vorwärtsgetrieben durch festlich frische Rhythmen.

Ausklang zum Lob Gottes

Der Abend bot auf der Orgel selten gehörte, traditionell vorgegebene und zugleich neu geformte Wahrnehmungen volkstümlicher Klänge. Es war ein gefühlsmässig einladender Zugang zu diesem Instrument, den Peter Geugis zelebrierte. Barrieren zwischen unterschiedlichen Hörgewohnheiten oder auch Schranken zwischen gegensätzlichen Stilrichtungen lösten sich in beinahe grenzenloses Wohlgefallen auf. Das Publikum war von einem tiefen Gefühl der Harmonie und Zusammengehörigkeit erfüllt. Lang anhaltender Beifall, den der Interpret nach eigenen Worten gerne nach oben an den göttlichen Schöpfer und Meister weitergab, liessen diesen denkwürdigen Abend ausklingen.

LIO Weihnachtspäckli Aktion 2021

LIO – Licht im Osten

Einmal mehr durften die katholische und die evangelische Kirchgemeinde in Diessenhofen viel Freude in den Osten verschenken.

Zuerst haben die 4. Klässler der beiden Gemeinden an einem Mittwochnachmittag fleissig Päckli gepackt. Dann wurden mit einem bunten, altersgemischten Team und den Passanten an einem Samstag vor dem Coop Päckli gepackt. So wurden in diesem Jahr 295 Päckli aus Diessenhofen auf dem Weg nach Moldawien, Bulgarien, Russland gebracht.

Dies war nur möglich, dank dem grossen Einsatz vieler Freiwilliger. An dieser Stelle danken wir allen Helfer und Helferinnen sowie den Spendern herzlichst. Gemeinsam etwas tun und Freude bereiten ist doch einfach wunderbar.

Wenn der Glaube aus der Kirche ins Internet wandert

Digitale Horizonte in Diessenhofen

Eine faszinierend weite Welt tat sich inmitten des Städtli auf, als Dave Jäggi, Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche EMK, religiöse Internet-Angebote präsentierte. Dies geschah am Abend des 04. November in der Begegnungsstätte VENUE im Rahmen der „Etwas anderen Erwachsenenbildung“ der Evangelischen Kirchgemeinde Diessenhofen unter der Frage: „Eignet sich das Internet für Spiritualität? Kann es Gemeinschaft aufbauen?“ Eine Fülle von Predigten, Gesprächen und Gebeten wurde online präsentiert. Passend dazu lieferte der Redner geistreiche und unterhaltsame Ratschläge für das Verlassen eingefahrener Gleise und den Empfang frischer Impulse.

Freude am Experimentieren

Auf elektronischem Wege könne jeder seine individuell angemessene Ausdrucksform des Glaubens zusammenstellen, so Jäggi. Die Möglichkeiten des Internet kämen experimentierfreudigen Leuten des 21. Jahrhunderts entgegen. Der zeitgenössische Mensch liebe es, überraschende Perspektiven wahrzunehmen und ungewohnte Methoden des Sehens und Bewertens auszuprobieren. Genau diese Chance biete das neue Medium, aber „womöglich aus einer Ecke, von wo wir es nicht erwartet haben.“ Kirche und Religion würden vom örtlich begrenzten Wirkungskreis in eine weltweit vernetzte Freiheit verwandelt. Doch stünden die medial breitgefächerten Formate nicht im Widerspruch zu regionalen Angeboten, sondern ergänzten und erweiterten diese, wie der Referent einer wissbegierigen Runde von Kirchbürgern darlegte.

Vernetzte Spiritualität

„Leben bedeutet Vernetzung“, unterstrich Jäggi. Je weiter und intensiver diese Vernetzung ausgeprägt sei, desto umfassender und tiefer sei ihre Lebendigkeit. Das Internet könne als Gerüst verstanden werden für ein „die Welt umspannendes und vereinendes Netzwerk der alles verbindenden Liebe“, erläuterte er mit Bezug auf Benediktiner-Mönch David Steindl. Hierbei komme „Spiritualität“ ins Spiel. Dieser Ausdruck sei abgeleitet vom lateinischen Wort spiritus = Lebensatem. Spiritualität bedeute also ihrem Namen nach „Lebendigkeit“. Genau diese spirituelle Lebendigkeit werde im Internet weltweit ausgebreitet, aber zugleich individuell verfeinert. Daher könne das Internet sogar selbst als „spirituelle Erscheinung“ bezeichnet werden.

Bei allem Optimismus über das neue Medium wurde nicht verschwiegen, dass sämtliche Dinge im Internet gespiegelt und gesteigert werden – die positiven wie die negativen. Wer sich seiner christlichen Verantwortung bewusst sei, konzentriere sich ausschliesslich auf die guten Möglichkeiten der digitalen Welt.

Breite Palette der Angebote

Dave Jäggi führte zahlreiche Webseiten vor, die eine universelle Begegnung ermöglichen im Geiste eines dynamischen, fein ausdifferenzierten, toleranten und grosszügigen Christentums. Die Bandbreite reichte von witzigen Cartoons über knallige Theaterszenen, humorvolle Spezialfragen der Bibel, kritisch-bissige Streitgespräche, warmherzig-tröstliche Predigten bis hin zur genauen Anleitung täglicher wiederkehrender Gebetszeiten. Genannt wurden z. B. die Webseiten und Podcasts Reflab.ch, unter Pfarrerstöchtern, hossa-talk.de, wort-und-fleisch.de, worthaus.org, youtube.com:EMK Schwarzenberg, dasbibelprojekt.visiomedia.org, sola-gratia.ch, feinschwarz.net, XRCS und netzkloster.ch

An den Vortrag schloss sich eine angeregte Diskussion an, die die Eindrücke des Abends abrundete. Die nächste Veranstaltung dieser Reihe ist am 26. Januar 2022 um 19.30 in der Stadtkirche zu dem Thema „Leben bis zuletzt und in Frieden sterben – Autonomie und Abhängigkeit, Würde und Selbstverantwortung“ mit Dr. Matthias Mettner (Arbon/Zürich), Studienleiter von „Palliative Care und Organisationsethik“ sowie Programmleiter des Forums „Gesundheit und Medizin“.

 

Was tun gegen Ungerechtigkeit?

Hoffnung stirbt zuletzt

„Jesus, wir wollen mehr von dir sehen !“ Mit diesem Liedvers legte der Diessenhofer Jugendgottes-dienst am Dienstabend in der Stadtkirche ein enormes Tempo vor, gewürzt durch den rhetorisch brillanten Einsatz humorvoller Moderatoren. Die Band ergriff zu Beginn die Initiative und sang zu-packende Lieder. Das Ganze gewann immer mehr an Dynamik. Die Refrains der Lieder setzten sich in den Ohren und Herzen der Hörer fest. Dann wechselte die Stimmung plötzlich. Das junge Publikum und eine ziemlich grosse Anzahl ihrer Eltern, Grosseltern und Freunde sammelte sich in innerer Ruhe zu einem Gebet, das Religionslehrerin Karin Schmid mit der Gemeinde sprach.

Kalte Gesetzlosigkeit

Dann wieder Szenenwechsel: Das Schülertheater drängte mit Wucht und Kraft voran, während dramatisch donnernde, hammerharte Filmmusik eingespielt wurde. Mit drastisch theatralischen Handlungsabläufen wurde gezeigt, wie Banditen mit Maschinengewehren den Chorraum stürmen. Wie sie Tod und Schrecken unter unbescholtenen Bürgern verbreiten. Wie sie alles ausrauben und totschlagen, was sich ihnen in den Weg stellt. Von dieser kaltschnäuzigen Gesetzlosigkeit liess sich allerdings der jüdische Prophet Habakuk (ca. 600 vor Christus) in seinem Glauben nicht beirren. Auf steinernem Boden kniete er nieder mit dem Gebetsruf auf den Lippen: „O Herr unser Gott, sei du unser schützender Fels!“

Gottesbegegnung

Und die göttliche Antwort? Sie erscholl aus dem oberen Chorraum: „Ich bin noch lange nicht fertig mit meinen Taten. Ich habe das letzte Wort.“ In souveräner Ausstrahlung und erfüllt mit übernatürlicher Kraft, wurde ein Lichtglanz aufgeblendet als Symbol für das Himmelslicht, „in dessen Strahlen sich Gottes Macht verbirgt“ (Buch Habakuk 2,4). Als der Prophet diese lichtvollen Eindrücke mitbekam, zitterte er am ganzen Körper in dem Wissen: „Der Herr wohnt in seinem Tempel, es sei stille vor ihm alle Welt“. Und schon erschien ein Silberstreif am Horizont! Obwohl mangelnde Erträge in Ackerbau und Viehzucht zu beklagen sind, schöpfte er Hoffnung: Er will „jubeln wie ein Hirsch“, denn das beflügelt seine Schritte.

Licht am Ende des Tunnels

Praktikant Martin Wieland griff die Impulse des Diessenhofer Schülertheaters in seiner Predigt auf mit der Frage: „Erreicht Gott überhaupt unsere Welt, die vor Ungerechtigkeit nur so strotzt? Will er überhaupt helfen?“ Auch wenn man manchmal den Eindruck gewinnen könne, als habe sich Gott ganz und gar vor unseren Augen verborgen, verharre er keineswegs in der Position eines neutralen, unbeteiligten Beobachters, schärfte der Redner seinen Hörern ein. Im Gegenteil: „Gott leidet an den Menschen, mit den Menschen, für die Menschen“, gab Wieland zu bedenken. Das Kreuz seines Sohnes sei der endgültige Beweis dafür, dass der himmlische Vater sich voll und ganz unter uns einsetze – wenn auch oft anders, als wir das erwarten.

Göttliches Beispiel

Von Gottes Beispiel angeregt, könnten junge und auch ältere Christen lernen, wie wir gelassener als bisher mit ungerechten Verhältnissen umgehen können. Wir seien dann bereit, nicht nur darüber zu reden, sondern diese Probleme dann auch ganz konkret anzugehen – und zwar dort, wo es in unserer Macht stehe, auch wirklich etwas zu tun. Mit diesen Worten beschloss der Prediger seine Ansprache.

 

Jugendliche Mithilfe

Als Beispiel wurde sodann eine Weihnachtspäckli-Aktion zugunsten bedürftiger Familien in der Schweiz genannt. Zu diesem Thema wurde Julia Schmid (Schlattingen), die sich mit diesem Problem wissenschaftlich auseinander gesetzt hat, von den Moderatoren des Abends eingehend befragt.

In diesem Zusammenhang wurde auf eine Schnur mit vielen angehängten Herzen aus Papier hingewiesen, die vom Dekorationsteam angefertigt und quer über den Chorraum ausgespannt worden waren. Dies sei ein Beweis dafür, hiess es, dass der Jugendgottesdienst vom Einsatz aller reformierter Schülerinnen und Schüler der siebten bis neunten Klasse lebe. Schon jetzt sei es so, dass die Arbeitsfelder Dekoration, Bild, Technik, Verpflegung und Theater ganz oder teilweise von ehemaligen Konfirmandinnen und Konfirmanden aus Diessenhofen, Basadingen-Schlattingen-Willisdorf und Stammheim geleitet werden. Die betreffenden Ex-Konfirmanden wurden denn auch ganz besonders stark mit Beifall bedacht.

Begeisterungsstürme

Regelrechte Begeisterungsstürme löste ein ebenso geniales wie romantisch stimmiges Weihnachtsvideo aus. Es wurde mit rhythmischem Klatschen gefeiert in Vorfreude auf den nächsten Jugendgottesdienst, der am 07. Dezember wieder als grosses Weihnachtsfest in und ausserhalb der Stadtkirche begangen wird.

Nach dem Unser Vater und dem Segen gab es für die Teilnehmer dieser Abendveranstaltung kein Halten mehr: In hellen Scharen strömten sie zum Kuchen- und Getränkebuffet, das vom Verpfle-gungsteam im hinteren Bereich der Stadtkirche liebevoll aufgebaut war. So klang dieser Jugendgottesdienst in einer segensreichen und glaubensfrohen Stimmung aus, geprägt von nachdenklichen Worten und dem dankbaren Grundgefühl, dass jeder und jede sich in die grossen und kraftvollen Hände Gottes fallen lassen darf, geborgen in Jesus Christus, bei dem auch unsere ungelösten Fragen bestens aufgehoben sind, bis sie in der Zukunft gelöst werden.