Quelle der Kraft – Gottesdienst der Generation Church

Kraftorte des Lebens

Es war wieder soweit: Am Abend des letzten Juni-Sonntags öffnete die Diessenhofer Stadtkirche ihre Pforten für die Generation Church – also für jenen Gottesdienst, der mit Musik und Technik, Licht und Klang, farbigen Bildern und ausdrucks-starken Symbolen eine zeitgenössische Wohlfühl-Atmosphäre im altehrwürdigen Kirchenschiff erzeugt. Dieser Anlass stand unter dem Thema: „Gott ist meine Quelle“. Der Chorraum wurde zur Präsentationsfläche für ein Programm, das alle Sinne ansprach und die Besucherinnen und Besucher ganzheitlich in Beschlag nahm. Die Präsentation wirkte modern, frei und beinahe weltlich – und war doch geprägt von einem tiefen Empfinden für Glaube, Liebe und Hoffnung.

Ströme des Glücks

Die emotionale Ergriffenheit der Zuhörer gelangte während der Lieder und Gebete, Lesungen und Wortbeiträge immer wieder an Höhepunkte, so auch während der Ausführungen von Sozialdiakonin und Religionslehrerin Karin Schmid. Wie anhand Psalm 36 erläutert wurde, sei Gott die „Quelle des Lebens“, aus der ein Strom an Zufriedenheit und Glück hervorfliesse: „Gott ist der Ursprung von allem positivem Leben“, betonte die Rednerin.

Diese Zusammenhänge vertiefte sie anhand der Gestalt des Isaak, des Sohnes Abrahams, der Gottes Verheissungen zugunsten des Stammvaters auf eigene Weise fortgeführt habe. Das werde vor allem bei jenem unermüdlichen Brunnenbau deutlich, von Isaak und seinen Mitarbeitern mit Hingabe und Einsatzbereitschaft betrieben, und zwar trotz massiver Widerstände von Neidern, Mobbern und missgünstigen Nachbarn (1. Mose Kapitel 26, Verse 12 bis 33).

Zusammenarbeit mit Gott

Besonders der zweitletzte Brunnen, von Isaak erbaut, habe es in sich gehabt, betonte Frau Schmid. Allein schon der Name Rechobot („weiter Raum“) sei eine Offenbarung, weil darin ein symbolisches Programm stecke: Der Glaube sei wie ein weiter und freier Raum, in den man hineingeführt werde und der es ermögliche, eigene Begabungen auszubauen zu Gottes Ehre und zur Freude der Mitmenschen.

Der letzte Brunnenschacht, von Isaaks Mitarbeitern gegraben, habe den Namen Schiba („Siebenbrunnen“) getragen. Sieben sei die Zahl der Vollkommenheit, führte die Referentin aus. Das sei wie bei einem Würfel: Die gegenüberliegenden Zahlen – im Fall ihrer Addition – ergäben immer die Zahl sieben. Dies sei ein Bild für das geniale Zusammenwirken von Gott und Mensch: „Wenn wir geben, was wir haben, gibt Gott den Rest dazu. Isaak praktizierte seinen Glauben, er gab nicht auf, war flexibel, dankte Gott – und erlebte göttlichen Segen.“

Technik und Band, Chorklänge und dekorative Farben, Moderation und meditative Abschnitte lockerten den Ablauf auf und vermittelten ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit. Bei einem erfrischenden Apéro und angeregter Unterhaltung klang der abendliche Anlass in innerer Harmonie aus.

Gott kommt überraschend – Gottesdienst der Youth Church

„Der Heilige Geist ist stets aktiv und immer für eine Überraschung gut“, lautete die Kernbotschaft des Jugendgottesdienstes am vergangenen Dienstag in der Diessenhofer Stadtkirche. Die Post ging so richtig ab, als Schlatter Jugendliche ein Schauspiel über das Thema Surprise („Überraschung“) aufführten. Dabei machten sie die erschütternde Geschichte des Propheten Elia anschaulich. Das Charakterbild dieses energiegeladenen Mannes wurde im Spannungsfeld zwischen Zweifel und Hoffnung plastisch präsentiert. Mächtig erscholl die Stimme Gottes wie aus höheren Sphären herab, die den Propheten mit der Aussage überraschte: „Ich will mit dir in Ruhe sprechen“. Sehr schön und treffend vermittelte das Schülertheater den Eindruck, dass Gott uns Menschen sicher und direkt begegnet – aber oft anders kommt, als man denkt: nicht nur in tobenden Feuerstürmen, nicht nur im fürchterlichen Erdbeben, nicht nur in dramatischen Schicksalsschlägen, sondern vor allem in der leisen Stimme des Gewissens.

Mitreissende Klänge

Die Jugendband begeisterte mit kraftvollem Sound und vermittelte einzigartige emotionale Höhepunkte. Die versammelte junge Gemeinde aus dem Städtli und den umliegenden Ortschaften liess sich von der wuchtigen Dynamik mit-reissen, klatschte rhythmisch zu den Liedern und sang aus voller Kehle. Gott, Jesus Christus und der Heilige Geist wurden in den Musikstücken unmittelbar und namentlich angerufen. Dadurch entstand inmitten einer populären und schwungvollen Atmosphäre ein Gefühl von Ehrfurcht und Heiligkeit.

Schönste Früchte des Lebens

Religionslehrerin Karin Schmid übertrug sodann die Erfahrungen des Propheten Elia auf die heutige Lebenslage junger Menschen: „Höre auf den Heiligen Geist, suche die Stille und das Gebet,“ forderte sie auf. Gottes Türen stünden weit offen, und an dieses Angebot könne man jederzeit gut und gerne andocken. Zugleich legte die Predigerin dar, wie der Heilige Geist gemäss Galaterbrief Kapitel 5, Vers 22 wertvolle charakterliche Ausformungen und ethische Haltungen in uns wachsen lasse – nämlich „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Glaube, Sanftmut, Treue“.

Diese guten Eigenschaften waren vom Dekorations-Team auf Schildern, die quer über dem Chorraum an einer Schnur aufgereiht wurden, aufgemalt worden. Im Anschluss an die Predigt wurden die jungen Besucherinnen und Besucher aufgefordert, sich persönlich auf eine dieser Eigenschaften zu besinnen und dafür symbolisch eine Kerze zu entzünden.

Geist der Gemeinschaft

Dieser Abend führte die Bewegung vor Augen, die die Diessenhofer Youth Church (Jugendkirche) entwickelt, indem sie Handlungspotentiale der reformierten Gemeinden Schlatt, Basadingen-Schlattingen-Willisdorf und Diessenhofen bündelt. Dieser besondere Gottesdienst-Typ hat sich zu einem Mittelpunkt des städtischen und regionalen Gemeinde-Daseins entwickelt. Jugendliche Begabungen werden gefördert und gefordert in Ton- und Bildtechnik, Chor, Band, Dekoration, Moderation, Werbung und Verpflegung. In regelmässigen Arbeitsgruppen entsteht im schöpferischen Zusammenwirken ein vitaler Gemeinschaftsgeist. Deshalb war es nur folgerichtig, dass gegen Ende des abendlichen Anlasses David Oberholzer, Alain Clenin und Keira Mascherin – stellvertretend für sehr viele andere junge Mitarbeitende – für ihren tüchtigen ehrenamtlichen Einsatz geehrt wurden. In einer leutseligen und fröhlichen Stimmung klang das abendliche Erlebnis bei einem währschaften Apéro aus.

Das Städtli schreibt Geschichte

Ostergottesdienst für ukrainische Flüchtlinge

Am vergangenen Sonntag ereignete sich eine absolute Neuigkeit in der Diessenhofer Stadtgeschichte: ein mehrsprachiger Gottesdienst in der Stadtkirche fand grosse Resonanz bei etwa 100 Besucherinnen und Besuchern. Zahlreiche Flüchtlinge aus der Ukraine mitsamt ihren Quartiergebern von beiderseits des Rheins fanden sich ein. Gemeindeglieder aus dem Städtli und der Umgebung – insbesondere aus Gailingen und Büsingen – liessen es sich nicht nehmen, diesen Anlass gespannt mitzuverfolgen. Dies geschah aus Anlass des orthodoxen Osterfestes, das gemäss dem julianischen Kalender dieses Jahr eine Woche nach unserem Osterfest stattfindet.

Zweisprachige Darbietung

Die festliche Liturgie mit Wechselgesängen zwischen Pfarrer und Gemeinde erfolgte nach der Gottesdienstordnung der benachbarten badischen Landeskirche. In den Ablauf wurden Gedanken und Anregungen aus der osteuropäischen Frömmigkeit eingeflochten. Die Lesung des Bibeltextes aus der Apostelgeschichte des Lukas Kapitel 10, 34-43 besorgte mit muttersprachlich kräftigem Einsatz Frau Lubov aus Lwiw (Lemberg/Westukraine). Bestens auf diese Veranstaltung zugeschnitten waren die mehrsprachig singbaren Lieder aus Taizé ebenso wie die Gebete, die auf russisch und deutsch erklangen. Da fast alle Flüchtlinge neben ukrainisch auch perfekt russisch sprechen, gab es kein Problem beim Verstehen; zudem lag die ukrainische Fassung der Predigt in schriftlicher Form auf.

Ganzheitliche Zukunft

In seiner auf russisch und deutsch vorgetragenen Osterpredigt betonte Pfarrer Gottfried Spieth, dass die Auferstehung Jesu Christi eine ebenso körperliche wie geistige Bedeutung habe. Sie verschaffe allen Menschen Hoffnung: und zwar im Hinblick auf eine ganzheitliche Erneuerung der Welt, die der wiederkommende Herr bewerkstelligen werde – und die mit kleinen Schritten jetzt schon beginne.

Natascha Albash brachte österlich anregende Orgelmusik zu Gehör. Messmer Andreas Birrer sorgte für eine reibungslose gottesdienstliche Organisation. Im Anschluss versammelte sich eine grosse mehrsprachige Schar im Kirchgemeindehaus zum Kirchenkaffee. Hierbei wurden zahlreiche West-Ost-Kontakte geknüpft und vertieft im Geiste von Frieden und Völkerverständigung. In dankbarer Stimmung ging man auseinander in der Hoffnung auf einen baldigen ähnlichen Anlass.

Junge Menschen in der Passionszeit

Dramatische Szenen

Diessenhofen und die umliegenden Gemeinden erlebten am Dienstag einen Jugendgottesdienst zu dem Thema „Passion – unterwegs mit Jesus“. Schülerinnen und Schüler aus Basadingen, Schlattingen und Willisdorf hatten diesen Anlass vorbereitet. In ein geheimnisvolles blaues Licht getaucht, erstrahlte die Stadtkirche im abendlichen Halbdunkel. Moderation und Lieder waren auf diesen nachdenklichen Anlass eingestellt. Worte, Klänge und Melodien versetzten die jungen Leute mitsamt Eltern, Verwandten und Freunden in eine erwartungsvolle Stimmung.

Das Schülertheater spielte tragische Szenen aus den letzten Stunden, die Jesus Christus auf seinem irdischen Lebensweg beschritt. Das dargestellte Drama war geprägt von einer heftigen Kontrastwirkung zwischen Jesus und Petrus: Dieser leugnet dreimal, seinen Herrn zu kennen, und wird durch das zweimalige Krähen des Hahns in tiefe innere Verzweiflung gestürzt.

Feigheit und Mut

In seiner Predigt versetzte sich Diakon zur Anstellung Andreas Schlegel (Schlatt) in Petrus hinein und erläuterte den inneren Zwiespalt zwischen Mut und Feig-heit. Aus dieser inneren Notlage habe er durch eine Sinnesänderung heraus-gefunden. In der Rolle des Petrus wandte er sich an die versammelten Jugend-lichen mit den Worten: „Habt ihr auch schon einen ähnlichen Konflikt erlebt? Wie mag der ausgegangen sein? Jedenfalls gibt es einen Weg zu Gott zurück.“ Die Predigt gipfelte in dem Hinweis auf die königliche Würde, die Jesus aus-zeichnet. Gerade in der Stunde tiefster Erniedrigung habe Christus an dieser Würde festgehalten, die durch die Auferstehung glanzvoll bestätigt worden sei.

Gemütliches Dekor

Ein liebevoll buntes Dekor erfreute das Auge der Besucherinnen und Besucher. Die Gesangssolisten sassen vorn auf der Bühne auf gemütlichen Sesseln und anderen Sitzgelegenheiten inmitten eines wohnlichen Interieurs. Von dieser Wohnzimmeratmosphäre aus liessen sie ihre Lieder in das weite und grosse Kirchenschiff hinein erschallen. Der Sound der Band unterstützte diese Stimmung und wechselte zwischen weichen und kräftigen Klangfarben.

Anstelle des krankheitshalber verhinderten Hans Maurer (Missionswerk „Licht im Osten“) wies Religionslehrerin Karin Schmid auf die Kriegssituation in Ost-europa hin und warb um eine herzhaft-grosszügige Kollekte zugunsten ukrainischer Flüchtlinge. Mit einem schmackhaften Hotdog und in frohgemuter Geselligkeit wurde dieser abendliche Anlass abgerundet.

Die Welt zu Gast im Städtli

Gottesdienst für Generationen

Am vergangenen Sonntag veranstaltete die Generation Church Diessenhofen den zweiten Anlass dieses neugegründeten Formats. Leitmotiv war Jesu Aufruf aus dem Markusevangelium Kapitel 15,16: „Gehet hin in alle Welt“. An diesem Abend war jedoch auch die umgekehrte Bewegungsrichtung spürbar und sichtbar: Die Welt war zu Gast in der Stadtkirche.

Eine phantasievolle Dekoration mit leuchtenden Farbenspiel tauchte das Innere des Gottes-hauses in ein geheimnisvolles Licht wie bei einem Märchen von „Tausend und einer Nacht“, passend untermalt von dem Lied „My Lighthouse“ (Mein Lichthaus). Die Melodien, vorgetragen von der glänzend aufspielenden Band, erwärmten das Herz der Hörerinnen und Hörer zur Ehre Gottes. Auf der Leinwand wurden Bilder aus verschiedensten Himmelsrichtungen gezeigt: Aus Europa und Asien, aus dem Westen und dem nahen, mittleren und fernen Osten. Helferinnen und Helfer begrüssten die Besucher und vermittelten eine gastfreund-liche Atmosphäre. Einer der Höhepunkte war die Feier des heiligen Abendmahls.

Wanderer zwischen unterschiedlichen Lebenswelten

Hauptredner war Eno Demiral, Gründer und Leiter der Schaffhauser Missionsgesellschaft „Globale Nomads“ (Weltweite Wanderer). Dieses Hilfswerk arbeitet entlang der historischen Seidenstrasse, die den Balkan, die Türkei und den Iran mit Zentralasien und China verbindet.

Demiral gab einen Erfahrungsbericht. Bereits als Jugendlicher sei er, ermutigt durch einen unangepassten Klassenkameraden, aus seiner muslimischen Tradition aufgebrochen zu einer christlichen Existenz, ohne den kulturellen Zusammenhang mit seiner Familie zu verlieren.

Wichtig war dem Prediger ein niederschwelliger, gefühlsmässig leichtgängiger Zugang zu Gott und Christus. Meist stelle man sich die Hürden zu hoch vor, da der christliche Glaube oft mit einer ganz einseitig bestimmten europäischen Kultur verwechselt werde, gab Demiral zu bedenken. Dadurch werde der Zugang zum Glauben unnötig erschwert. Es gebe einen breit und lang angelegten Übergangsbereich von einer nichtchristlichen zu einer christlichen Lebensweise. Er selbst habe sich drei Jahre gegönnt, um – ausgehend von zarten Anfängen und bescheidenen Informationen – schliesslich den vollgültigen Kontakt zu Gottes Sohn zu finden.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Religionen

Geholfen habe ihm, dass Jesus auch im Koran eine ziemlich grosse Rolle spiele. Christus geniesse auch in der islamischen Religionsgemeinschaft einen hohen Stellenwert – wenn-gleich man zugeben müsse, dass das biblische Verständnis weit über muslimische Vorstellungen hinausreiche. Es gebe zwischen Islam und Christentum gewichtige Unterschiede neben allen vorhandenen Gemeinsamkeiten, betonte der Redner. Er selbst habe keine klassische „Bekehrung“ im Sinne eines Religionswechsels vollzogen. Vielmehr habe sich seine Beziehung zu Jesus sachte und langsam, dafür umso nachhaltiger entwickelt. Nach einer dreijährigen Übergangsphase habe er sich zur Taufe entschlossen und damit ein öffentliches Bekenntnis abgelegt.

Kraft der Gnade

Es sei im Grunde genommen einerlei, ob jemand aus einem europäischen, nahöstlichen oder asiatischen Hintergrund komme, gab der Prediger zu bedenken: Der Weg zu Christus sei für jeden Menschen machbar, gleichgültig, aus welcher kulturellen oder religiösen Prägung er stammt. Der Übergang zu Jesus gelinge dank der Gnade Gottes. Die persönliche Entwicklung des Glaubens gedeihe unter dem Einfluss der göttlichen Gnade.

Nach Fürbitte und Unser Vater erteilte Pfarrer Gottfried Spieth den Segen des dreieinigen Gottes an die Versammlung. Hernach kam der gemütliche Teil. Jael Mascherin, Präsidentin der Kirchgemeinde, war humorvolle Moderatorin und tatkräftige Organisatorin des reichhaltigen Aperó auf dem Vorplatz der Kirche. Mit einem ausgiebigen geselligen Beisammensein klang der fröhliche Frühlingsabend in und um die Stadtkirche aus.

«Von guten Mächten wunderbar geborgen»

So heisst es im berühmt gewordenen Gedicht des deutschen Theologen Dietrich Bonhoeffer. Er schrieb es 1944 während seiner Haft in Deutschland im zweiten Weltkrieg.  Als NS-Widerstandskämpfer wurde er ein Jahr später hingerichtet. Dieser Entstehungshintergrund lässt seine Zeilen nochmals viel tiefer zu Herzen gehen. Wer war dieser Mann und was trieb ihn an?

Dieser Frage gingen am letzten Freitagabend 15 Personen an einem interaktiv gestalteten Erwachsenenbildungsabend der evangelischen Kirchgemeinde Diessenhofen unter der Leitung von David Jäggi nach. Mit Text- und Filmausschnitten, Büchern, Bildern, Gedanken von David Jäggi und gemeinsamem Austausch wurden zahlreiche Schätze entdeckt. Was immer wieder deutlich wurde: Bonhoeffer konnte sein geistliches Leben mit seinem aktiven Wirken in der Welt aufs Engste verbinden. Eine ganzheitlich gelebte Gottesbeziehung, die in tiefsten Krisen trug und auch heute noch zur Nachahmung inspiriert.

Text Florian Aeberhardt. Bild Thomas Russenberger.

Ökumenischer Suppensonntag im Städtli

Buntes Programm

Am vergangenen Sonntag erlebte der Bezirk Diessenhofen nach zweijähriger Corona-Pause endlich wieder den traditionell ökumenischen Suppensonntag. Dies geschah in der Stadtkirche in abwechslungsreicher Mischung aus festlicher Orgelmusik, einer Mundart-Lesung aus den Psalmen und zwei Wortbeiträgen über die urwüchsige Prophetengestalt des Elia, der von aufkommenden Frühlingsdüften überrascht wird. Es folgten solidarische Gebete für nahe und ferne Notleidende und alsdann in der Rhyhalle eine schmackhafte Suppe in glaubensfroher Gemeinschaft. Die Kollekte des Tages kam sozialmissionarischen Hilfsprojekten in der demokratischen Republik Kongo zugute, verantwortet von „Fastenopfer“ und „Brot für alle“.

Pfarrpersonen und kirchliche Mitarbeiter aus Diessenhofen, Schlatt und Basadingen-Schlattingen-Willisdorf führten diesen familiären Anlass in Zusammenarbeit mit Organistin Annedore Neufeld durch, die in ihren Improvisationen die Elias-Vertonung von Felix Mendelssohn-Bartholdy in berührender Weise anklingen ließ. Pfarrer Johannes Mathew war krankheitsbedingt verhindert und ließ herzliche Grüsse an die Festversammlung übermitteln. Pfarrer Rolf Röder und Pfarrerin Sabine Aschmann gestalteten Lesungen, Gebete und ein konfessionsübergreifendes gemeinsames Sprechen des apostolischen Glaubensbekenntnisses.

Harte Schicksalsschläge

Praktikant Martin Wieland stellte in bildgestützter Erzählung die Tragik des Propheten Elia vor Augen, der aus einem überwältigenden, freilich zugleich zwiespältigen Erfolg in tiefste Depression verfallen sei. Auch eine lange Pilgerreise zum Gottesberg Sinai habe seine Sinnkrise nicht überwinden können. Schliesslich sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als sich in eine Gebirgshöhle zu verkriechen. Dieses Prophetenschicksal bezog Wieland auf die bekannte Situation unter jung und alt, die entsteht, wenn beklemmende Zweifel übermächtig werden: „Vor wem oder von was laufen wir davon? Vielleicht vor einem strafenden Gott? Welches falsche Bild von Gott treibt uns an?“ Dann verwies Wieland auf das stille sanfte Säuseln, worin dem Propheten zu guter Letzt doch noch gezeigt worden sei, wie liebevoll nahe Gott den glaubenden Menschen ist, um sie mit neuer Kraft auszurüsten. „Gott überrascht uns mit dieser ungewöhnlichen Begegnung“, lautete die Schlussfolgerung.

Frühlingshafter Lufthauch

Diesen samtweichen Lufthauch nannte Pfarrer Gottfried Spieth in seiner anschliessenden Predigt einen „Kuss der göttlichen Liebe“ und verglich ihn mit dem Frühlingswehen, das uns umgibt. Dabei zitierte er ein Gedicht von Eduard Mörike: „Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.“ Offenbar habe es der Schöpfer Himmels und der Erde darauf angelegt, seine unendliche Allmacht ausgerechnet in weichen, sanften Formen zur Entfaltung zu bringen. Dies sei ein überraschender göttlicher Schachzug und Umschaltvorgang. „Wenn Gott kein reinigendes Sturmgewitter über diese Welt losbrechen lässt, wenn er weder in Blitz noch Donner zu finden ist, begegnet er uns aber umso eindringlicher in einem täglichen fünfminütigen Schweigen für den Frieden“, betonte Spieth.

Es folgte der Ratschlag, sich täglich einer solchen kurzen Gebetspause auszusetzen. Denn das ziehe Kreise. Erst täten dies einzelne Personen, dann Gruppen und Gemeinden und hernach womöglich die ganze Welt – mit ungeahnten Segensfolgen. „In der Stille begegnen dir stärkste Gotteskräfte auf langsame, geduldige, nachhaltige Art und Weise“, lautete der Predigtschluss mit Bezug auf ähnlich gelagerte Gedanken von Pastor Dave Jäggi anlässlich der Premiere der Diessenhofer Generation Church vor drei Wochen.

Gemeinschaftsfördernde Mahlzeit

An den Gottesdienst schloss sich das Suppen-Essen in der Rhyhalle an, das die katholischen und reformierten Besucherinnen und Besucher zu einem frühlingshaft-fröhlichen Miteinander vereinte. Eine schmackhafte Gemüsesuppe war von Mitgliedern der reformierten Diessenhofer Kirchenvorsteherschaft unter Leitung von Präsidentin Jael Mascherin zubereitet worden. Die diesjährigen Konfirmandinnen und Konfirmanden servierten diese köstliche Fastenspeise mit jugendlicher Freundlichkeit. Bei Kaffee und Kuchen, von fleissigen Gemeindegliedern gebacken und dargeboten, klang der lebensdienliche und hoffnungsfrohe Anlass in den sonntäglichen Nachmittagsstunden aus.

«Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben»

Weltgebetstag vom Freitag 4. März in Schlattingen

Rund dreissig Personen aus der Region feierten in der «Very British» geschmückten Kirche zeitgleich mit den sieben Regionen der Erde einen eindrücklichen Weltgebetstags-Gottesdienst. Die Verfasserinnen der Liturgie kamen dieses Jahr aus England, Wales und Nordirland. Ihnen war es wichtig, die Aufmerksamkeit auf ein umfassendes Gottesbild zu lenken, ein Gottesverständnis jenseits des Geschlechts. Darum wurde stets die Anrede «Gott, unsere Mutter und unser Vater» verwendet.

Die stimmungsvollen Lieder teils in Englisch, teils in Deutsch, untermalten die Thematik des Abends, einerseits beschrieben von Jeremia, das Volk Israel im Exil in Babylon und andererseits die aktuellen Probleme unserer Zeit. Zentral blieben dabei stets die kraft- und segensreichen Worte Gottes «Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben». Eine tröstende und stärkende Zusage, welche gerade in unserer krisengeprägten Zeit Mut macht aktiv zu sein, zu handeln, zusammen zu stehen und einander gegenseitig zu unterstützen.

Désirée Eicher-Uehlinger

Premiere der Generation Church

Erstaunliche Premiere im Städtli

Projekt „Generation Church“

Vergangenen Sonntag feierte Diessenhofen eine eindrucksvolle Premiere. Um 18.oo startete in der Stadtkirche ein zeitgenössischer Gottesdienst mit modernen Liedern zum Lobpreis Gottes, mit phantasievoller Dekoration und einer Kreativ-Predigt zu dem Thema: „Warum ist Gott nicht lauter?“ Dies war der Start des Projekts „Generation Church“ .

Mitreissende Atmosphäre

Schon die Vorbereitung am Nachmittag löste eine heitere Stimmung aus. 14 ehrenamtlich Mitwirkende in den Bereichen Band, Lied, Gebet, Licht- und Tontechnik, Dekoration, Verpflegung, Moderation, Segnung und Abendmahl arbeiteten Hand in Hand. Die gespannte Erwartung setzte sich nahtlos fort, als die Veranstaltung begann.

Jael Mascherin, Präsidentin der Kirchgemeinde, begrüsste die rund 50 Besucherinnen und Besucher, die aus Diessenhofen und umliegenden Gemeinden den Weg in die Stadtkirche gefunden hatten. Sie wurden in einer warmen Atmosphäre willkommen geheissen mit Songs, musikalischen Zwischenspielen und Wortbeiträgen, untermalt von einer himmelblauen Beleuchtung, die die Säulen des Kirchengewölbes in ein geheimnisvolles Licht tauchten. Mensch und Technik verbündeten sich im harmonischen Zusammenwirken. Dieses Programm rührte alle Sinne an.

Die extra für „Generation Church“ gegründete Diessenhofer Kirchenband unter Leitung von Daniel Peyer präsentierte lockere Melodien im Oldie-Stil ebenso wie schmissige Soft-Rock-Rhythmen. Zugleich war eine nachdenkliche und festliche Stimmung spürbar bei der Feier des Heiligen Abendmahls unter Leitung von Pfr. Gottfried Spieth. Die Austeilung von Brot und Wein wurde von einem persönlichen Segenszuspruch an die Teilnehmenden begleitet.

Kraft der Stille

Der Prediger des Abends Dave Jäggi, Pastor der Evangelisch-Methodistischen Kirche, stellte die Frage: „Warum versucht Gott den Lärmpegel unserer modernen Welt nicht zu übertreffen, obwohl ihm das bestimmt ein Leichtes wäre?“ Über humorvolle Zwischenschritte hinweg entfaltete Jäggi meditative Gedanken anhand einer Schilderung des alttestamentarischen Propheten Elia. Dessen Wendung nach innen in einer Situation äusserster Anspannung sei beispielgebend in der aktuellen osteuropäischen Konfliktlage. Der Prophet habe intuitiv gespürt: „Der flüsternde Windhauch, das verschwebende Schweigen – da ist Gott.“ Wenn Gott sich auf diese Weise persönlich zeige, werde es zuvor ganz still. „Wahre Stille ist der Schlüssel zum gewaltigen und brennenden Herzen Gottes.»

Jäggi verglich dies mit der Neuausrichtung eines Computers: Das Innere des Menschen werde gleich einer Festplatte dauernd mit lauten Alltagssignalen beschrieben. Doch in gewissen Abständen werde das bisher Aufgezeichnete gelöscht. Das geschehe in der Stille. Da werde unsere „innere Festplatte“ auf die Standard-Einstellung zurückgefahren und anschliessend neu formatiert. „Kratzspuren vom lauten Alltag werden gelöscht, worauf Gott dann seine neuen Anregungen in mein Herz hineinschreibt“, betonte der Redner unter Verweis auf Psalm 62: «Sei nur still, meine Seele, denn Gott tut dir Gutes.» Jäggi gelangte zu dem Resümee: „Gott redet leiser, als wir denken, und je leiser er redet, desto eindrucksvoller ist seine Wirkung.“

Das Ganze wurde abgerundet mit einem feinen Apéro zum Ausklang. Dieser Anlass ist künftig immer am letzten Sonntag des Monats (ausgenommen Juli und Dezember) um 18.00 Uhr mit wechselnden Predigerinnen und Predigern aus nah und fern.