Die Welt zu Gast im Städtli

Gottesdienst für Generationen

Am vergangenen Sonntag veranstaltete die Generation Church Diessenhofen den zweiten Anlass dieses neugegründeten Formats. Leitmotiv war Jesu Aufruf aus dem Markusevangelium Kapitel 15,16: „Gehet hin in alle Welt“. An diesem Abend war jedoch auch die umgekehrte Bewegungsrichtung spürbar und sichtbar: Die Welt war zu Gast in der Stadtkirche.

Eine phantasievolle Dekoration mit leuchtenden Farbenspiel tauchte das Innere des Gottes-hauses in ein geheimnisvolles Licht wie bei einem Märchen von „Tausend und einer Nacht“, passend untermalt von dem Lied „My Lighthouse“ (Mein Lichthaus). Die Melodien, vorgetragen von der glänzend aufspielenden Band, erwärmten das Herz der Hörerinnen und Hörer zur Ehre Gottes. Auf der Leinwand wurden Bilder aus verschiedensten Himmelsrichtungen gezeigt: Aus Europa und Asien, aus dem Westen und dem nahen, mittleren und fernen Osten. Helferinnen und Helfer begrüssten die Besucher und vermittelten eine gastfreund-liche Atmosphäre. Einer der Höhepunkte war die Feier des heiligen Abendmahls.

Wanderer zwischen unterschiedlichen Lebenswelten

Hauptredner war Eno Demiral, Gründer und Leiter der Schaffhauser Missionsgesellschaft „Globale Nomads“ (Weltweite Wanderer). Dieses Hilfswerk arbeitet entlang der historischen Seidenstrasse, die den Balkan, die Türkei und den Iran mit Zentralasien und China verbindet.

Demiral gab einen Erfahrungsbericht. Bereits als Jugendlicher sei er, ermutigt durch einen unangepassten Klassenkameraden, aus seiner muslimischen Tradition aufgebrochen zu einer christlichen Existenz, ohne den kulturellen Zusammenhang mit seiner Familie zu verlieren.

Wichtig war dem Prediger ein niederschwelliger, gefühlsmässig leichtgängiger Zugang zu Gott und Christus. Meist stelle man sich die Hürden zu hoch vor, da der christliche Glaube oft mit einer ganz einseitig bestimmten europäischen Kultur verwechselt werde, gab Demiral zu bedenken. Dadurch werde der Zugang zum Glauben unnötig erschwert. Es gebe einen breit und lang angelegten Übergangsbereich von einer nichtchristlichen zu einer christlichen Lebensweise. Er selbst habe sich drei Jahre gegönnt, um – ausgehend von zarten Anfängen und bescheidenen Informationen – schliesslich den vollgültigen Kontakt zu Gottes Sohn zu finden.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Religionen

Geholfen habe ihm, dass Jesus auch im Koran eine ziemlich grosse Rolle spiele. Christus geniesse auch in der islamischen Religionsgemeinschaft einen hohen Stellenwert – wenn-gleich man zugeben müsse, dass das biblische Verständnis weit über muslimische Vorstellungen hinausreiche. Es gebe zwischen Islam und Christentum gewichtige Unterschiede neben allen vorhandenen Gemeinsamkeiten, betonte der Redner. Er selbst habe keine klassische „Bekehrung“ im Sinne eines Religionswechsels vollzogen. Vielmehr habe sich seine Beziehung zu Jesus sachte und langsam, dafür umso nachhaltiger entwickelt. Nach einer dreijährigen Übergangsphase habe er sich zur Taufe entschlossen und damit ein öffentliches Bekenntnis abgelegt.

Kraft der Gnade

Es sei im Grunde genommen einerlei, ob jemand aus einem europäischen, nahöstlichen oder asiatischen Hintergrund komme, gab der Prediger zu bedenken: Der Weg zu Christus sei für jeden Menschen machbar, gleichgültig, aus welcher kulturellen oder religiösen Prägung er stammt. Der Übergang zu Jesus gelinge dank der Gnade Gottes. Die persönliche Entwicklung des Glaubens gedeihe unter dem Einfluss der göttlichen Gnade.

Nach Fürbitte und Unser Vater erteilte Pfarrer Gottfried Spieth den Segen des dreieinigen Gottes an die Versammlung. Hernach kam der gemütliche Teil. Jael Mascherin, Präsidentin der Kirchgemeinde, war humorvolle Moderatorin und tatkräftige Organisatorin des reichhaltigen Aperó auf dem Vorplatz der Kirche. Mit einem ausgiebigen geselligen Beisammensein klang der fröhliche Frühlingsabend in und um die Stadtkirche aus.

Premiere der Generation Church

Erstaunliche Premiere im Städtli

Projekt „Generation Church“

Vergangenen Sonntag feierte Diessenhofen eine eindrucksvolle Premiere. Um 18.oo startete in der Stadtkirche ein zeitgenössischer Gottesdienst mit modernen Liedern zum Lobpreis Gottes, mit phantasievoller Dekoration und einer Kreativ-Predigt zu dem Thema: „Warum ist Gott nicht lauter?“ Dies war der Start des Projekts „Generation Church“ .

Mitreissende Atmosphäre

Schon die Vorbereitung am Nachmittag löste eine heitere Stimmung aus. 14 ehrenamtlich Mitwirkende in den Bereichen Band, Lied, Gebet, Licht- und Tontechnik, Dekoration, Verpflegung, Moderation, Segnung und Abendmahl arbeiteten Hand in Hand. Die gespannte Erwartung setzte sich nahtlos fort, als die Veranstaltung begann.

Jael Mascherin, Präsidentin der Kirchgemeinde, begrüsste die rund 50 Besucherinnen und Besucher, die aus Diessenhofen und umliegenden Gemeinden den Weg in die Stadtkirche gefunden hatten. Sie wurden in einer warmen Atmosphäre willkommen geheissen mit Songs, musikalischen Zwischenspielen und Wortbeiträgen, untermalt von einer himmelblauen Beleuchtung, die die Säulen des Kirchengewölbes in ein geheimnisvolles Licht tauchten. Mensch und Technik verbündeten sich im harmonischen Zusammenwirken. Dieses Programm rührte alle Sinne an.

Die extra für „Generation Church“ gegründete Diessenhofer Kirchenband unter Leitung von Daniel Peyer präsentierte lockere Melodien im Oldie-Stil ebenso wie schmissige Soft-Rock-Rhythmen. Zugleich war eine nachdenkliche und festliche Stimmung spürbar bei der Feier des Heiligen Abendmahls unter Leitung von Pfr. Gottfried Spieth. Die Austeilung von Brot und Wein wurde von einem persönlichen Segenszuspruch an die Teilnehmenden begleitet.

Kraft der Stille

Der Prediger des Abends Dave Jäggi, Pastor der Evangelisch-Methodistischen Kirche, stellte die Frage: „Warum versucht Gott den Lärmpegel unserer modernen Welt nicht zu übertreffen, obwohl ihm das bestimmt ein Leichtes wäre?“ Über humorvolle Zwischenschritte hinweg entfaltete Jäggi meditative Gedanken anhand einer Schilderung des alttestamentarischen Propheten Elia. Dessen Wendung nach innen in einer Situation äusserster Anspannung sei beispielgebend in der aktuellen osteuropäischen Konfliktlage. Der Prophet habe intuitiv gespürt: „Der flüsternde Windhauch, das verschwebende Schweigen – da ist Gott.“ Wenn Gott sich auf diese Weise persönlich zeige, werde es zuvor ganz still. „Wahre Stille ist der Schlüssel zum gewaltigen und brennenden Herzen Gottes.»

Jäggi verglich dies mit der Neuausrichtung eines Computers: Das Innere des Menschen werde gleich einer Festplatte dauernd mit lauten Alltagssignalen beschrieben. Doch in gewissen Abständen werde das bisher Aufgezeichnete gelöscht. Das geschehe in der Stille. Da werde unsere „innere Festplatte“ auf die Standard-Einstellung zurückgefahren und anschliessend neu formatiert. „Kratzspuren vom lauten Alltag werden gelöscht, worauf Gott dann seine neuen Anregungen in mein Herz hineinschreibt“, betonte der Redner unter Verweis auf Psalm 62: «Sei nur still, meine Seele, denn Gott tut dir Gutes.» Jäggi gelangte zu dem Resümee: „Gott redet leiser, als wir denken, und je leiser er redet, desto eindrucksvoller ist seine Wirkung.“

Das Ganze wurde abgerundet mit einem feinen Apéro zum Ausklang. Dieser Anlass ist künftig immer am letzten Sonntag des Monats (ausgenommen Juli und Dezember) um 18.00 Uhr mit wechselnden Predigerinnen und Predigern aus nah und fern.