Festlicher Taufgottesdienst in der Stadtkirche Diessenhofen

Primarschülerinnen und -schüler gestalten den Gottesdienst mit Liedern und sorgen für bewegende musikalische Momente

Ein besonders feierlicher und zugleich familiärer Gottesdienst fand am Sonntagmorgen, 15. März, in der evangelischen Stadtkirche Diessenhofen statt. Mehr als siebzig Besucherinnen und Besucher füllten das Mittelschiff der Kirche und erlebten gemeinsam einen bewegenden Taufgottesdienst, in dessen Mittelpunkt die Geschwister Melina und Lio Gürtler standen. Schon zu Beginn wurde deutlich, dass dieser Gottesdienst von Gemeinschaft und Generationenverbundenheit geprägt sein würde. Zwei Drittklässlerinnen durften das Taufwasser feierlich in das Taufbecken giessen – ein symbolischer Moment, der die ganze Gemeinde sichtbar in die Feier einbezog. Anschliessend versammelte sich die Tauffamilie um den Taufstein, während Melina und Lio getauft wurden. Als Zeichen des Glaubensweges erhielten beide Kinder eine Kinderbibel. Auch weitere Familienmitglieder gestalteten die Feier mit. Cousinen der Täuflinge trugen liebevoll formulierte Gebete vor, in denen sie Gott um Schutz, Begleitung und Segen für Melina und Lio baten. Die persönlichen Worte verliehen dem Gottesdienst eine besonders herzliche und berührende Note.

Für die musikalische Gestaltung sorgte die hervorragende Musikerin Annedore Neufeld. Sie spielte an der Orgel und begleitete am Flügel den Chor der ReligionsschülerInnen. Bereits zu Beginn des Gottesdienstes beeindruckten die Kinder mit ihrem Gesang des Kirchenliedes „Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen“. Ihre Stimmen erfüllten die Kirche und sorgten für einen feierlichen Auftakt. Am Ende des Gottesdienstes wurden die Schülerinnen und Schüler für ihren Einsatz mit grossem Applaus bedacht.

In ihrer Familienpredigt griff Pfarrverweserin Karin Schmid-Müller die biblische Geschichte von Hanna und ihrem Sohn Samuel auf. Sie erzählte, wie Hanna lange um ein Kind gebetet hatte und Samuel schliesslich als Geschenk Gottes empfing. Der junge Samuel lernte schon als Kind, auf Gottes Stimme zu hören. Diese Geschichte verband die Pfarrverweserin mit der Taufe der beiden Kinder: Auch Melina und Lio seien Geschenke Gottes, begleitet von seinem Licht und seiner Liebe. In drei kurzen Gedanken erinnerte sie die Gemeinde daran, dass Gott Gebete hört, dass Menschen lernen dürfen, auf Gottes Stimme zu hören, und dass Kinder ein kostbares Geschenk sind – verbunden mit einer Aufgabe für Familien und Gemeinde. Besonders anschaulich wurde die Botschaft durch eine kleine Geste: Die Kinder formten ihre Hände wie eine Schale, öffneten sie nach vorne und legten schliesslich eine Hand aufs Herz. Gemeinsam sprachen sie: „Gottes Licht leuchtet für uns.“

Ein weiterer Höhepunkt des Gottesdienstes war die Übergabe der Kolibri-Liederbücher an die Erstklässler. Kirchenvorsteherin Tanja Schum überreichte jedem Kind persönlich ein Exemplar und richtete dabei ein ermutigendes Wort an die Schülerinnen und Schüler. Damit unterstrich sie die Bedeutung der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit. Der Gottesdienst verband festliche Liturgie mit einer lockeren, familiennahen Atmosphäre und blieb zugleich in der guten kirchlichen Tradition verwurzelt. Nach dem Segen blieben viele Besucherinnen und Besucher noch zum Apéro beisammen. Bei Wein, Süssmost und frischem Zopf entstanden lebhafte Gespräche, und die Gemeinschaft mit der Tauffamilie wurde sichtbar genossen.

So wurde dieser Sonntagmorgen in der Stadtkirche Diessenhofen zu einem fröhlichen Fest des Glaubens – getragen von Musik, Gebet und der spürbaren Verbundenheit zwischen Jung und Alt.

 

Barmherzigkeit, die konkret wird

Gut besuchte Generation Church in der Stadtkirche Diessenhofen
Diessenhofen. Ein Gottesdienst, der nicht bei schönen Worten stehen blieb, sondern herausforderte und ermutigte: In der Stadtkirche Diessenhofen versammelte sich die Generation Church zu einem Abend unter dem Leitgedanken, Glauben in tätige Liebe zu übersetzen.
Pfarrverweserin Karin Schmid-Müller leitete die Feier mit klarer evangelischer Prägung. Sie führte die Gemeinde liturgisch durch die Feier und stellte den Gottesdienst unter den Namen des dreieinigen Gottes. In ruhiger, zugewandter Weise schuf sie einen Rahmen, in dem Verkündigung und gemeinsames Singen ihren Platz fanden. Die Generation Church Band unter der Leitung von Daniel Peyer gestaltete die musikalischen Teile stimmungsvoll und zugleich kraftvoll. Modernere Lieder wechselten mit nachdenklichen Tönen und unterstützten die inhaltliche Tiefe des Abends.
Im Zentrum stand die Predigt von Beno Kehl. „Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben …“ – diese Worte Jesu stellte Kehl nicht als moralischen Appell, sondern als Offenbarung des Herzens Gottes in die Mitte. Christus identifiziere sich mit den Geringsten. Wer dem Bedürftigen begegne, begegne Christus selbst. Anschaulich führte Kehl durch die sieben Werke der Barmherzigkeit: Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke und Gefangene besuchen sowie Tote bestatten. Dabei wurde deutlich: Barmherzigkeit ist kein frommes Zusatzprogramm, sondern Wesensmerkmal christlicher Existenz. Der Glaube, so Kehl, bewähre sich im Alltag – dort, wo Not nicht abstrakt, sondern konkret ist.
Ebenso fürsorglich sprach er über die geistigen Werke der Barmherzigkeit: Unwissende lehren, Zweifelnde beraten, Trauernde trösten, Sünder zurechtweisen – in einem Geist der Sanftmut –, Beleidigern verzeihen, Lästige geduldig ertragen und für Menschen beten. Gerade diese „unsichtbaren“ Werke seien im kirchlichen Alltag von grosser Bedeutung. Sie verlangten innere Reife, geistliche Klarheit und die Bereitschaft, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Kehl scheute sich nicht, auch herausfordernde Töne anzuschlagen. Christliche Barmherzigkeit bedeute mehr als spontane Mildtätigkeit. „Sei ein Geber, und man nennt dich einen lieben Wohltäter. Doch lehre den Weg zur Unabhängigkeit, und du wirst zum unbequemen Zeitgenossen“, zitierte er. Anhand seiner grossen Erfahrungen in sozialen Projekten zeigte er, wie Glaube strukturelle Not in den Blick nimmt und Perspektiven eröffnet.
Die Predigt war geprägt von Fröhlichkeit, persönlicher Authentizität und einem grossen Herzen voller Barmherzigkeit. Kehl sprach nicht belehrend, sondern einladend. Immer wieder wurde spürbar: Wer von Gottes Erbarmen lebt, kann selbst barmherzig handeln. Theologie und Praxis gehören zusammen – nicht als Gegensatz, sondern als Einheit. In den Fürbitten und im gemeinsamen Vaterunser nahm die Gemeinde die Impulse der Predigt auf. Der Gottesdienst mündete in Begegnung und Gespräch beim anschliessenden Beisammensein. So wurde deutlich: Der Glaube wurzelt im Vertrauen auf Gottes Gnade – und trägt Frucht in der Liebe zum Nächsten. Barmherzigkeit wagen heisst, Gottes Spuren im eigenen Leben sichtbar werden zu lassen. Der nächste Gottesdienst der Generation Church findet am 29. März 2026 um 19.00 Uhr in der Stadtkirche Diessenhofen statt.

Basel als Lernort des Glaubens

Konfirmandenlager verbindet Gemeinschaft und Nächstenliebe

Vom 5. bis 8. Oktober 2025 fand das diesjährige Konfirmandenlager 2025/26 in der Jugendherberge Basel am Maja Acher-Platz statt. Unter der Leitung von Pfarrverweserin Karin Schmid – Müller und begleitet von Kirchenpräsidentin Jael Mascherin sowie Kirchenvorstand Daniel Peyer erlebten die Konfirmandinnen und Konfirmanden vier erfüllte Tage voller Gemeinschaft, Glaubensvertiefung und spannender Erlebnisse. Als Leitvers begleitete die Jugendlichen das biblische Wort aus Lukas 10,27: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Dieser Vers zog sich wie ein roter Faden durch das gesamte Lagerprogramm – von der Selbstliebe über die Gottesliebe bis hin zur Liebe zum Nächsten.

Selbstliebe – Gott liebt dich so, wie du bist

Am Sonntag, 5. Oktober, startete die Gruppe frühmorgens am Bahnhof Diessenhofen. Nach der Ankunft in Basel stand ein feierlicher Gottesdienst im Basler Münster auf dem Programm. Anschliessend erhielten die Jugendlichen eine äusserst interessante und kompetent geführte Führung durch das Münster. Besonders die zahlreichen Figuren an der Aussenwand faszinierten die Konfirmandinnen und Konfirmanden: Die detailreichen Darstellungen und ihre symbolische Bedeutung lösten lebhafte Gespräche aus. Der Rundgang gipfelte in der Besteigung des Münsterturms, von wo aus sich ein eindrucksvoller Blick über die Dächer Basels bot.

Am Nachmittag folgte die erste Unterrichtslektion zum Thema „Gott und DU“: Die Jugendlichen beschäftigten sich mit der Frage, was es bedeutet, sich selbst anzunehmen und zu lieben – als von Gott gewollte und geliebte Menschen. In der Folge blieb noch Zeit für Spiel und Spass, bevor der Tag mit einem Besuch des Abendgottesdienstes in der Gellertkirche ausklang.

Ein Tag voller Action – Gemeinschaft im Europapark

Der Montag stand ganz im Zeichen von Freude und Teamgeist: Die Gruppe reiste gemeinsam in den Europapark Rust. In kleinen, selbst organisierten Gruppen erkundeten die Jugendlichen den Park, genossen die Achterbahnen und stärkten die Gemeinschaft. Die Rückkehr am Abend war geprägt von strahlenden Gesichtern – alle waren sich einig: Dieser Tag schweisste zusammen.

Gottesliebe und Lebensgeschichten, die bewegen

Am Dienstag widmeten sich die Konfirmandinnen und Konfirmanden der Frage, wie man Gott lieben und ihm im Alltag begegnen kann. In einer stillen Arbeitsphase schrieben sie eigene Gebete – Texte, die unter die Haut gingen und tief aus dem Herzen sprachen. Ein besonderes Highlight war der Besuch im Basler Buchdruckmuseum: Dort durften die Jugendlichen selbst Papier schöpfen und auf historische Weise drucken – eine eindrückliche Verbindung zwischen Glauben, Geschichte und Handwerk. Am Nachmittag folgte eine bewegende Führung mit einem ehemaligen Obdachlosen, organisiert durch das Sozialprojekt „Surprise“. Die Begegnung mit Herrn B.F., der offen von seinem früheren Leben auf der Strasse erzählte, hinterliess tiefe Spuren. Die Jugendlichen hörten aufmerksam zu und erkannten, wie schnell Lebenssituationen kippen können – und wie wichtig Mitgefühl und Solidarität sind.

Am Abend rundeten ein gemeinsamer Kinoabend und eine stille Reflexionszeit den Tag ab.

Liebe deinen Nächsten – gelebte Verantwortung

Am Mittwoch, dem Abschlusstag, stand das Thema „Liebe deinen Nächsten“ im Zentrum. In einer Unterrichtslektion zum Thema Gerechtigkeit in der Welt setzten sich die Jugendlichen mit der Arbeit der Basler Mission „Hebammen im Südsudan“ auseinander. Sie diskutierten in Gruppen, wie Bildung und Glaube zu einer gerechteren Welt beitragen können. Ein Besuch im Missionshaus Basel und ein Rundgang auf den Spuren von Friedrich Spittler, dem Gründer der Basler Mission (heute Mission 21), rundeten das Lernprogramm ab. Nach einem gemeinsamen Mittagessen entschieden sich alle für einen Stadtbummel durch Basel, bevor es am Nachmittag wieder zurück nach Diessenhofen ging.

Ein Lager, das Spuren hinterlässt

Das Konfirmandenlager 2025/26 war mehr als nur eine Reise – es war eine spannende Erfahrung des Glaubens, der Gemeinschaft und der Verantwortung füreinander. Die Jugendlichen kehrten erfüllt und nachdenklich, aber auch dankbar und gestärkt zurück.

Ein herzlicher Dank gilt allen, die dieses unvergessliche Lager ermöglicht haben – insbesondere Kirchenpräsidentin Jael Mascherin und Kirchenvorstand Daniel Peyer für ihre engagierte Begleitung.

Ein festlicher Beginn des Schuljahres in der Stadtkirche Diessenhofen

Diessenhofen – Mit einem stimmungsvollen Gottesdienst hat die Evangelische Kirchgemeinde Diessenhofen am Sonntag, 17. August, den Beginn des neuen Schuljahres gefeiert. Unter der Leitung von Diakonin Karin Schmid fanden sich zahlreiche Familien mit Kindern, Großeltern, Gemeindemitglieder sowie Gäste in der Stadtkirche ein. Die Kirche war gut belegt, und eine erwartungsvolle, zugleich festliche Atmosphäre erfüllte den Raum.

Musik, Kinder und Predigt

Schon der musikalische Auftakt verlieh der Feier eine besondere Note: Brigitta Lampert an der Flöte und Tina Strube an der Orgel eröffneten den Gottesdienst mit Werken von Benedetto Marcello. Im Verlauf der Feier standen die Kinder immer wieder im Mittelpunkt. Schülerinnen und Schüler lasen Psalmen, sprachen Fürbitten und brachten ihre Stimmen in die Liturgie ein. Die biblische Geschichte von Jakob wurde von Tanja Schum aus dem Familiengottesdienst-Team erzählt und mit Bildern über den Beamer veranschaulicht – ein Beitrag, der besonders die jüngeren Besucherinnen und Besucher ansprach.

In ihrer Predigt knüpfte Karin Schmid an diese Erzählung an. Seifenblasen, die währenddessen durch die Kirche schwebten, wurden zum Sinnbild für die Schönheit, aber auch die Zerbrechlichkeit von Träumen. Manche zerplatzten schnell, so Schmid, andere aber öffneten den Blick nach oben – hin zu Gott. Ihre Botschaft an Klein und Groß war klar: Gott ist da, er begleitet durch die Höhen und Tiefen des Lebens und schenkt einen Frieden, der trägt.

Segnung und Ausklang

Besonders bewegend war die Segnung der neuen Erstklässlerinnen und Erstklässler. Jedes Kind durfte nach vorn treten, empfing von der Diakonin einen persönlichen Segen und erhielt eine bunte, reich gefüllte Schultüte aus den Händen der Kirchenpräsidentin Jael Mascherin. Auf diese Weise wurde den Jüngsten der Gemeinde spürbar vermittelt: Ihr seid willkommen, ihr gehört dazu.

Auch die musikalischen Zwischenspiele, darunter eine Sonate von Christoph Pepusch, trugen zur festlichen Stimmung bei. Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse sprachen gemeinsam den 23. Psalm auswendig – ein eindrücklicher Moment, der die Verbundenheit von Glauben und Schule sichtbar machte. Anschließend betete die Gemeinde gemeinsam das Vaterunser.

Zum Abschluss erhielten alle Kinder beim Hinausgehen eine Dose Seifenblasen – ein Geschenk, das spielerisch an die Predigt anknüpfte. Beim anschließenden Apéro vor der Kirche kamen Jung und Alt bei Kaffee, Süssmost und Guetzli miteinander ins Gespräch. Eine Seifenblasenmaschine zog die Blicke auf sich und sorgte für heitere Gesichter – ein Bild, das den festlichen Charakter dieses Schulanfangs-Gottesdienstes wunderbar abrundete.

Nachklang eines besonderen Abends der „Generation Church“

Am Abend des 25. Mai wurde die ehrwürdige Stadtkirche Diessenhofen zum Schauplatz eines atmosphärisch dichten, geistlich bewegenden Gottesdienstes der „Generation Church“. Unter dem Titel „Ein Leben voller Facetten“ versammelten sich zahlreiche Besucher aus dem Städtli und den umliegenden Gemeinden, um einen Abend zu erleben, der Musik, Licht, Lebenszeugnis und Glauben auf eindrucksvolle Weise verband.

Schon beim Betreten des Kirchenschiffs fiel das kunstvolle Farbenspiel ins Auge: Die steinernen Wände waren in sanftes Licht getaucht, das dem Raum eine moderne und zugleich sakrale Anmutung verlieh. Diese optische Gestaltung öffnete Herz und Sinne und ergab einen idealen Rahmen für das, was folgte. Das Musikteam unter der Leitung von Daniel Peyer verstand es meisterhaft, mit berührend geistlichen Liedern und locker-beschwingten Rhythmen eine Atmosphäre der Offenheit und Freiheit zu schaffen. Die Musik war nicht nur klangliche Untermalung, sondern ein tragendes Element des Abends, das viele in der Tiefe berührte.

Im Zentrum stand die feurig-inspirierende Predigt von Abdel Ibrahimi, einem gebürtigen Marokkaner mit Stationen in Holland, England und Deutschland, beruflich wie geistlich in Wirtschaft und Kirche beheimatet und in Altdorf bei Stuttgart wohnhaft. In erstaunlicher Offenheit erzählte er seinen Lebensweg: Wie er in der mondänen Metropole Casablanca  wohlbehütet einem liberal-islamischen Elternhaus entstammte. Wie er in jungen Jahren in eine existenzielle Krise geriet. Wie er während seines Auslandsstudiums in den Niederlanden zum Christentum fand. Die persönliche Verbindung zu Jesus als seinem Herrn und Meister sowie das Eintauchen in ein liebevolles christliches Netzwerk seien die entscheidenden Grundlagen seines Lebens geworden, führte der Redner aus.

Leben voller Facetten

Ibrahimi sprach nicht in Gegensätzen, sondern in Entwicklungen voll farbenprächtiger Facetten: Der christliche Glaube sei für ihn keine Ablehnung seiner muslimischen Vergangenheit, sondern eine erfüllende Weiterführung, eine neue Erkenntnisstufe, ja „die Krone und der Gipfel meines Lebens“. In seiner leidenschaftlichen und zugleich sanften Art lud er die Anwesenden ein, sich diesem Vertrauen auf Jesus Christus zu öffnen: „Gott hat einen Plan für dein Leben“, lautete die Kernbotschaft des Abends, die in den Worten gipfelte: „Wie ein Stern begleitet dich Gottes Fürsorge, schenkt Mut, Selbstvertrauen und Hoffnung täglich neu.“

Im Anschluss an die Predigt wurde zur Feier des Heiligen Abendmahls eingeladen, begleitet von der Möglichkeit zur persönlichen Segnung. Der Abend klang bei einem reichhaltigen Apéro aus. Dies schuf einen Raum für Begegnung, Austausch und vertiefende Gespräche.

„Generation Church“ hat sich in der Region Diessenhofen einmal mehr als lebendiges und inspirierendes Format erwiesen, das Glauben erfahrbar macht – generationenübergreifend, persönlich und einladend. Der nächste Gottesdienst dieser Reihe findet am 29. Juni statt. Dann predigt Sozialdiakon Andreas Schlegel (Schlatt) zum Thema „Der ungerechte Knecht“. Schon jetzt darf man gespannt sein, welche neuen Facetten des Glaubens dort zum Leuchten kommen.

 

Lange Nacht der Kirchen in Diessenhofen

Ein Abend voller Licht, Klang und lebendiger Geschichten

Am Freitag 23. Mai öffnete die Stadtkirche ihre Türen zur diesjährigen „Langen Nacht der Kirchen“, die an diesem Datum an sehr vielen Orten in der Schweiz, Österreich und Deutschland stattfand. Es war ein Diessenhofer Abend, der über Stunden hinweg ein tief bewegendes Zusammenspiel aus Theater, Kunst und Musik mit geistlichen Anregungen bot. Ab 20.30 Uhr verwandelte sich das ehrwürdige Gotteshaus in einen Raum voller Licht, Leben und Begegnung.

Im Zentrum des ersten Programmpunkts stand der Apostel Petrus – dargestellt in einem eindrucksvollen Schüler-Theater, das unter der Leitung von Diakonin Karin Schmid-Müller erarbeitet worden war. Die Darbietung griff die Lebensgeschichte und Berufung des Petrus auf und wurde durch lebendige Sprache und starke Rollen geprägt, die die Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 und 6 mit grosser Ausdruckskraft auf die Bühne brachten.

In besonderem Bezug stand das Theater zum leuchtend blauen Altarfenster im Chorraum der Stadtkirche. Es stammt von dem Bündner Künstler Gian Casty (1914 – 1979) und stellt den Apostel Petrus mit einem Netz dar – sinnbildlich für seine Berufung, Menschen für den Glauben an Jesus Christus zu gewinnen. Hansueli Ruch machte in einem begleitenden Vortrag auf diese Darstellung aufmerksam. Er schuf damit eine lebendige Brücke zwischen Kunstwerk, Geschichte und gelebtem Glauben.

Kunstwerke der Schülerinnen und Schüler

Alsdann traten die Kinder der 1. bis 6. Klasse als Künstlerinnen und Künstler in Erscheinung: Im Religionsunterricht hatten sie eigene Kirchenfenster gemalt und gestaltet – bunte Bilder, die in Form und Farbe erstrahlten, eingebettet in schwarzes Pergamentpapier in Fensterform. Eine fachkundige Jury unter Leitung von Tanja Schum prämierte die gelungensten Werke: aus jeder Klasse wurde ein Sieger oder eine Siegerin mit einem Kinogutschein ausgezeichnet. Aber auch alle anderen, die mitgemacht hatten, erhielten ein kleines Umhängekreuz aus Olivenbaum-Holz als Anerkennung für ihre Kreativität und ihren Einsatz.

Die leuchtenden Fensterbilder der Schüler waren in zwei langen Reihen an einem filigranen Holzgestell befestigt, das in sorgfältiger Handarbeit von Thomas Lüders und Jael Mascherin gebaut worden war. Ein feines Hintergrundlicht liess diese Kunstwerke in geheimnisvollem Glanz erstrahlen. Nach diesem bewegenden ersten Teil der Veranstaltung wurden die zahlreichen Gäste – darunter viele Eltern und Grosseltern – auf dem Vorplatz der Kirche mit einem kräftigen Apéro mit Wurst und Brot empfangen. In geradezu sommerlicher Atmosphäre entwickelten sich gute Gespräche.

Meditativer Klangraum

Um 22.00 Uhr öffnete sich erneut das Kirchenschiff für den zweiten Teil, der ganz im Zeichen von Musik und Wort stand. Annedore Neufeld verzauberte das Publikum mit meditativen Klängen auf Orgel und Klavier – leise, virtuos und einfühlsam. Pfarrer Gottfried Spieth las dazu Weisheitstexte aus dem Alten und Neuen Testament sowie ausgewählte Frühlingsgedichte von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich von Hardenberg (genannt Novalis), Eduard Mörike und Ludwig Uhland. So entstand ein Klangraum der Besinnung, der die Gäste bis gegen 23.00 Uhr in eine tiefe, friedliche Atmosphäre eintauchen liess.

Die „Lange Nacht der Kirchen“ in Diessenhofen war ein rundum gelungener Abend, der Glaube, Kunst und Gemeinschaft auf eindrucksvolle Weise miteinander verband – getragen von der Begeisterung vieler Beteiligter und dem offenen Geist eines besonderen Ortes.

Fest der Menschheit

Wir feiern bald. Für viele von uns ist das der Geburtstag des wichtigsten Menschen der Geschichte. In ihm verehren wir den Welterlöser. Für ebenso viele von uns ist es das Fest der Familie. Kerzen, Lieder, Lichterketten, Tannenbäume schmücken unser Miteinander. Sie unterfüttern den Zusammenhalt, den wir geniessen am Untersee und Rhein. In dieses Lebensgefühl passt Weihnachten wie der Schlüssel zum Schloss.

Schlüsselmacher

Obwohl dieses Fest zunehmend bürgerlich und weltlich wird, hat es einen religiösen Ursprung. Es geht um den Schlüsselmacher. An Weihnachten schliesst er Tore auf. Jetzt ist der Durchgang frei: Der Himmel ist ebenso offen für die Erde, wie die Erde offen für den Himmel ist. An diesem Tag schafft Gott die eine ungeteilte Welt.

Warum macht er das? Geht es ihm ähnlich wie uns? Geselligkeit und Familiensinn suchen wir. Über unseren Schatten springen wir. Das tun wir, um schwierige Beziehungen zu retten. Gott macht es noch besser. Das geht so weit, dass er um des lieben Friedens willen seinen Wohnort wechselt. Und zu uns zügelt. Aus seiner unendlichen Höhe eilt er herab. In unserer Mitte schlägt er sein Zelt auf. Nicht nur in Bethlehem wohnt er. Sondern auch am Untersee und Rhein, in den Städten und Dörfern dieser wunderschönen Kulturlandschaft.

Körperwelten

Was ist der tiefere Grund, warum er das macht? Freien Zugang will er. Menschlich und weltlich will er sein. Mitsamt allen Höhen und Tiefen. Die schönen Dinge des irdischen Daseins erfährt er am eigenen Leibe, aber auch unsere normalen Sachen bis hin zu den schwierigsten Problemen: Alles teilt er mit uns. Unsere Art und Weise des Denkens, Fühlens, Sprechens und Hörens macht er sich zu eigen. Unser Körpergefühl geniesst er in vollen Zügen. „Das Wort ward Fleisch“, sagt die Bibel dazu in ihrer drastischen Sprache. Oder um es krass auf den Punkt zu bringen: Gott wird ein menschlicher Körper.

Das läuft über vier adventliche Stufen und gipfelt im 25. Dezember. Das ist der Tag aller Tage. Das ist die menschliche Geburt des göttlichen Sohnes. Wo? In der Nachbarschaft von Ochsen, Eseln, Schafen, Engeln, Königen, Hirten. In der Nachbarschaft von Konstanz, Kreuzlingen, Ermatingen, Arenenberg, Steckborn, Eschenz, Stein am Rhein, Diessenhofen, Schaffhausen. Gottes Sohn gehört der Bodensee mit Untersee und Rhein. Sein ist die ganze Welt.

Fortschritt

Am 25. Dezember wird weltweit der Heiland in der Futterkrippe gefeiert. Was für ein Fanal der Völkerfreundschaft ist das! Das göttliche Kind, unter bescheidensten Umständen geboren, löst eine Neubewertung aller Dinge aus. Weihnachten ist der Startschuss für die Befreiung gemobbter Leute. Das zielt auf eine gerechte Verteilung der Rechte und Pflichten nach dem Motto: Jeder nach seinen Bedürfnissen, jeder nach seiner Leistung. Dieser Festtag ist der Anfang einer schwierigen, von Rückschlägen geplagten, aber zielführenden Weltentwicklung.

Dieses Fest hat vielfach mitgeholfen, Streit zu verringern. Aber bringt es auch unser aller Gleichheit und Freiheit zur Geltung? Kann es Schwachstellen unserer Zivilgesellschaft heilen? Schrägstellen ausbalancieren? Ungerechtigkeit ausgleichen? Ja, Tore werden geöffnet und steinige Strassen geebnet. Das Eis schmilzt. Emotional sind wir nicht mehr so weit auseinander, wie wir es auch schon waren. Achtsam fühlen wir uns in Gott und sein Wort ein. In Solidarität treffen wir uns mit unseren lieben – oder auch nicht so lieben – Mitmenschen. Das ist der Segen dieses Festes.

Türöffner

Gott und sein Sohn schaffen diesen Segen. Sie sind Meister der Kommunikation. Nichts tun sie lieber, als gute Dialoge zu führen. Gott und sein Sohn haben ein inniges Bedürfnis nach Geselligkeit. Und das übertragen sie auf uns. Wer auch immer den neugeborenen Jesus besucht, taucht in das Bad seiner liebenswürdigen Gemeinschaft ein. An seiner Krippe sind wir miteinander vereint im Denken, Fühlen, Handeln. Unser übertriebener Individualismus wird leise aufgelöst. Langsam, aber sicher. Das Ich-Gefängnis der Angst bricht entzwei. Das Schneckenhaus, das das wir flüchteten, platzt.

So viel freie Luft zum Atmen hatten wir nie. Jetzt ist er da, der Duft der schönen neuen Welt, die das Christkind schafft. Sein Geburtstag bringt die Wende. Grenzen werden aufgemacht, Barrieren gesprengt, Schlagbäume sind nicht mehr nötig, denn Himmel und Erde werden eins. Diese Entwicklung ist seit Jesu Geburt unumkehrbar. Deshalb gibt es bald keine trennenden und störenden Elemente mehr auf Erden.

Was für eine Verheissung ist das! Sie wird eingelöst, sobald es an der Zeit ist. Gott ist der Schlüsselmacher dieser neuen Zeit. Sein Sohn ist Türöffner und Bahnbrecher der Freiheit. Sein Geburtstag ist das Schlüsselereignis. Oder wie es im Lied heisst: „Heut schliesst er wieder auf die Tür zum schönen Paradies; der Kerub steht nicht mehr dafür, Gott sei Lob, Ehr und Preis.“

In diesem Sinne wünscht Ihnen ein segensreiches Christfest

Ihr Gottfried Spieth, evangelisches Pfarramt Diessenhofen

 

Erinnerungen an Dorothee Sölle

Friedensbewegte Mystikerin

Am vergangenen Dienstag ereignete sich im Städtli etwas Besonderes: Brigitta Lampert erinnerte an die weltbekannte Theologin und Dichterin Dorothee Sölle (1929-2003), deren Todestag sich in wenigen Wochen zum 21. Mal jährt. Diese aussergewöhnliche Frau kam im Diessenhofer Evangelischen Kirchgemeindehaus in ganzer Vielfalt und Ausdruckskraft zur Geltung. Mit grossem Einfühlungsvermögen schilderte Brigitta Lampert eine Begegnung mit Frau Sölle in der Kartause Ittingen kurz nach der Jahrtausendwende. Im Rückblick wurde jetzt im Rahmen von «Kultur am Nachmittag» ein leuchtkräftiges Lebensbild jener Weisheitslehrerin aus Hamburg gezeichnet, die auch im bibelbewussten Thurgau nachhaltige Spuren hinterlassen hat. Wie die Referentin ausführte, pflegte Sölle gerade in ihrer friedensbewegten Tatkraft ein reichhaltiges Innenleben, geprägt durch Mystiker wie Teresa von Avila (1515-1582) und Meister Eckhart (1260-1328).

 

Sprachmeisterin

In lebendiger Anschaulichkeit schilderte Brigitta Lampert, welchen Eindruck Sölles Bücher wie etwa „Mystik und Widerstand“ auf sie bis zum heutigen Tag machen. «Zum einen tauche ich beim Lesen in eine wunderbar gestaltete, genaue und sehr bewegende Sprache ein, die das ausdrückt, was mir eigentlich im Innersten bekannt ist, wofür mir aber manchmal die richtigen Worte fehlten». Zum anderen werde sie bei Sölle immer wieder überrascht «mit Gedanken, die ich selber noch nie gedacht habe, die aber doch so klar und nötig sind.» Dadurch werde ihr eigenes Bibelverständnis neu ausgerichtet. Sölle habe sie zu einem «tieferen und ganzheitlicheren Glauben» geführt. Die Hamburger Theologin habe durch ihre ebenso geistreiche wie herzerfrischende Art «das verstaubte Bild von Kirche gründlich ausgemistet».

 

Ehrfurcht vor Mensch und Natur

Lamperts Vortrag im Rahmen von «Kultur am Nachmittag» behandelte jenen Aufbruch in Glaube, Religion und auch Politik, für den Dorothee Sölle mitverantwortlich sei. Sie habe grundsätzlich Partei ergriffen für Leute «im Schatten der westlichen Konsumkultur». Dabei habe sie sich nicht gescheut, den westlichen Neoliberalismus, der die Armen des globalen Ostens und Südens mit Brosamen abspeise, an den Pranger zu stellen. Solche kümmerlichen Almosen würden wie zum Hohn unter dem irreführenden Titel «global fairness» vermarktet, so Sölle in eingespielten Interview-Sequenzen des Schweizer Fernsehens vom 26.10.1997 («Sternstunde Philosophie»). Statt auf den Kapitalismus berufe sie sich auf keinen Geringeren als Jesus Christus. Dieser sei nicht nur innerhalb der Kirche zu finden: «Er lebt auch unter anderem Namen in der Welt, handelt unter anderem Namen in der Welt» – nämlich überall dort, wo Menschen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

 

Liebevolle Aufmerksamkeit

Ihr Mitgefühl für Mensch und Natur habe Frau Sölle achtsam in die Tat umgesetzt, wie Brigitta Lampert zu berichten wusste. Während jener Zusammenkunft der «Kommission für Frauenanliegen der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau» in der Kartause Ittingen 2001 habe sich die streitbare Friedenskämpferin – selbst vierfache Mutter – höchst sensibel um das Baby einer mitwirkenden Musikerin gekümmert. «Ich vergesse niemals, wie Frau Sölle, klein und zart in ihrer Statur, sich über das kleine Menschenkind beugte und mit einem so liebevollen und zärtlichen Blick zu diesem Wesen geredet hat.»

Das Gehörte und Erlebte war Mittelpunkt anschliessender Gespräche bei Kaffee und Kuchen. Als Leiterin von «Kultur am Nachmittag» dankte Tanja Schum der Referentin mit einem Präsent. Mit einer Fülle nachdenklicher Anregungen klang diese Veranstaltung in froher Geselligkeit aus.

Der nächste Anlass in dieser Reihe ist am 20. Februar bei einem «Volkstümlichen Nachmittag mit den Alpstein-Nixen».

Das Morgenrot wecken

Die Stadt und Region Diessenhofen erlebte in der zweiten Kalenderwoche des neuen Jahres etwas Aussergewöhnliches: Unter dem Titel „Das Morgenrot wecken – Hoffen in kritischen Zeiten“ traten in der Stadtkirche sowie in benachbarten Kirchgebäuden und Sälen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auf: Stadtpräsident Markus Birk, Schulpräsident Hans-Rudolf Stör, der frühere Gailinger Bürgermeister Heinz Brennenstuhl, die Diessenhofer Kulturbeauftrage Lucia Angela Cavegn, der ehemalige Thurgauer Kirchenratspräsident Wilfried Bührer, Diakonin Karin Schmid, Diakon in Ausbildung Andreas Schlegel sowie Peter Hartmeier, vormals Chefredaktor des Tagesanzeigers. Sie alle taten das zusammen mit Pfarrer Fredy Staub, dem schweizweit bekannten Redner und humorvollen Ratgeber. Aus Jegenstorf BE war er ins Städtli und den umliegenden Bezirk gekommen.

Gott und die Welt

In Podiumsdiskussionen und Reden wurde ein breitgefächerter Ablauf gestaltet; die Themen handelten von Fortschritt und Tradition, Kunst und Kultur, Staat und Kirche, Politik und Gesellschaft, Bildung und Schule, Medien und Musik. Zusammen mit Musikgruppen aus der näheren und weiteren Umgebung wurde in Diessenhofen, Schlatt und Schlattingen ein abwechslungsreiches Abendprogramm präsentiert, das vor lauter Schwung und Freude vibrierte, reichhaltige Spannung und Entspannung lieferte, den Ernst des Lebens nicht verschwieg – und in alledem Gott und die Welt harmonisch miteinander in Beziehung setzte.

Heiterkeit des Daseins

Das von den Vorrednern und in den Podiumsdiskussionen Gesagte nahm Pfarrer Staub in seine Hauptvorträge auf, die er an jedem der sechs Abende an das zahlreich versammelte Publikum richtete. Sein Ziel war es, die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes in ganzer Leuchtkraft vorzustellen. Mit Beispielen, mitten aus dem Alltag gegriffen, erzählte er die volle Bandbreite dessen, was ein Menschenleben ausmachen kann. Vor tragischen Tiefen, die mit dazu gehören, versteckte er sich nicht. Vor allem aber stellte er die Leichtigkeit und Heiterkeit des Daseins in den Mittelpunkt, die durch Gottes helle Gnade erfahrbar wird für alle, die offen sich für diesen wohltuenden Einfluss. Dabei wurde die grossartige Persönlichkeit des Heilandes Jesus Christus ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Ein kräftiger Aufruf erging an die Zuhörerinnen und Zuhörer, sich seinem segensreichen Einfluss nicht zu verschliessen.

Vertiefung durch Alphalive-Abende

Stets gegen Ende seiner Vorträge lud Fredy Staub ein, in meditativer Stille das Gehörte innerlich zu bewegen im eigenen Herzen. Im Anschluss bestand dann die Möglichkeit, sich gruppenweise oder individuell für den weiteren Lebensweg segnen zu lassen. Ein geschmackvoller Apero lud zu Gemeinschaft und Austausch ein und rundete das Ganze im geselligen Miteinander ab. Ein „Alphalive-Kurs“ zur Erwachsenenbildung, der an zehn Donnerstagabenden im Diessenhofer evangelischen Kirchgemeindehaus stattfindet, wird das Erlebte weiter vertiefen.

Krippenspiel 2023

Am Sonntag, 24. Dezember fand das Krippenspiel der evangelischen Kirchgemeinde in der Stadtkirche zu Diessenhofen statt.

Alle Bilder sind unter diesem LINK zu finden.

Adventsfenster am 18. mit Friedenslicht

Diessenhofen war am vergangen Montag Abend Schauplatz des Adventsfensters der reformierten Kirchgemeinde. Zugleich fand ein ökumenisches Ereignis statt, das Licht und Klang, Feuer und Lieder, Kerzenflammen und menschliche Stimmen zu einem Gesamterlebnis vereinigte. Auf dem Vorplatz der Stadtkirche hatte sich eine grosse Schar an Besuchern eingefunden, um mitgebrachte Kerzen am Friedenslicht zu entzünden. Dieses war von einer munteren Schülergruppe von der katholischen Kirche Bruder Klaus zum Vorplatz der evangelischen Stadtkirche gebracht worden, wo die die jungen Freundinnen und Freunde weihnachtliche Friedensgedichte vortrugen.

„So lass mich doch dein Kripplein sein“

Drinnen wurden alsdann Advents- und Weihnachtsweisen unter Leitung von Annedore Neufeld angestimmt. Festlicher Glanz erfüllte das Kirchenschiff, das aus dem Chorraum durch Adventskranz und Christbaum erleuchtet wurde. Eine besinnliche und zugleich nachdenkliche Stimmung erfasste die Teilnehmer dieses aussergewöhnlichen Anlasses. Die Sehnsucht nach Frieden war handgreiflich spürbar. Der Trost der alten und neuen Gesänge, die aus voller Brust erklangen und wunderschön am Flügel begleitet wurden, war hautnah zu erleben. Mit sensiblen Anmerkungen erschloss Frau Neufeld den Sinn der Texte und Melodien für das gegenwärtige und persönliche Leben. Ein besonderes Augenmerk legte sie auf Paul Gerhardts Choral „Ich steh an deiner Krippe hier“, vertont von Johann Sebastian Bach, mit dem innerlich tief berührenden 6. Vers: „So lass mich doch dein Kripplein sein; komm, komm und lege bei mir ein dich und all deine Freuden.“

Das Licht und der Friede des Heilandes

Eine tief zu Herzen gehende Liebe zu Jesus Christus verband sich an diesem Abend mit einem betenden Gedenken an Frieden und Versöhnung. Dieser Trost des Glaubens erfüllte die versammelte Singgemeinde und gab Anlass zu begründeter Hoffnung für die leidgeprüfte Welt. Bereits zu Beginn der Veranstaltung hatte Robert Weinbuch, katholischer Gemeindeleiter des Pastoralraums See und Rhein, über Geschichte und Bedeutung des Friedenslichts berichtet, das dieses Jahr von einer palästinensischen Christin in Bethlehem entzündet und über Wien und Zürich seinen ökumenischen Lauf bis nach Diessenhofen zum Adventsfenster der Stadtkirche fand.

Die Veranstaltung klang mit einem währschaften Apero bei Punsch, Glühwein und Kürbissuppe und in lebendigem geselligem Miteinander aus. Am Heiligen Abend wird diese frohgemute Stimmung in der Stadtkirche fortgesetzt mit dem Krippenspiel um 17.oo und am 25. Dezember um 9.45 mit einem festlichen Abendmahlsgottesdienst, den Saskia Quené mit Sologesängen bereichert.

Weihnachten erleben der Youth Church

Der baldige Geburtstag von Jesus Christus stand im Mittelpunkt des Diessenhofer Jugendgottesdienstes vom vergangenen Dienstag. Zu abendlicher Stunde waren leibhaftige Gäste aus dem Morgenland – nämlich Kamele und Esel – sowie ein nachgebauter Stall von Bethlehem rund um die Stadtkirche präsent. Dieser Streichelzoo bot den jüngsten Besuchern Gelegenheit für Fotos mit bleibendem Erinnerungswert. Alle Generationen aus Diessenhofen und umliegenden Gemeinden hatten sich eingefunden.

Erlebnis mit allen Sinnen

Das gesamte Kirchenschiff einschliesslich der beiden Seitenreihen war vollbesetzt. Die Roudabaout-Mädchengruppe aus Schlatt eröffnete den Reigen mit einer schwungvollen Tanz-Einlage. Die Jugendband begeisterte durch Lieder zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen. Der «Reli-Chor» der Primarstufe erfreute jung und alt mit Weihnachtsweisen, die aus voller Kehle herzhaft erklangen. Besonders eindrucksvoll war die Licht- und Tontechnik: Sie liess den Chorraum in einem geheimnisvollen Violett erstrahlen und lockerte mit zauberhaft schönen und triumphal eingespielten Musikstücken den Ablauf des Schülertheaters auf.

Engel und Menschen

Das Schauspiel wurde von Diessenhofer Sekundarschülern unter dem Titel «Engel unterwegs» vorgeführt. Im Mittelpunkt stand der Erzengel Gabriel, wie er die Geburt Johannes des Täufers und Jesu Christi einleitet und umrahmt. Die Handlung wurde von jugendlichen Darstellern ebenso respekt- wie humorvoll übertragen in das 21. Jahrhundert. Elisabeth und Zacharias, Maria und Josef, Hirten und Könige bewegten sich in majestätischer Ruhe und Gelassenheit, zugleich leichtfüssiger Bewegtheit über das Podium. In erhabenem Glanz erstrahlte jene Szene, wo der jüdische Priester Zacharias inmitten einer Schar andächtig kniender Beter seinen Tempeldienst vollzieht – während plötzlich der Erzengel zu ihm tritt mit der feierlichen Nachricht, ihm und seiner Frau werde bald noch das späte Glück der Elternschaft zuteil. Das Dekorationsteam hatte alle Register gezogen, um mitten in der Stadtkirche das Innere des Jerusalemer Tempels nachzuempfinden und mit romantisch verklärten, gleichsam heiligen Farben zu schmücken.

Weihnachtliches Mitgefühl

So prangte etwa vor der Kanzel der siebenarmige Leuchter, auf den Diakonin Karin Schmid in ihrer Kurzpredigt einging. Jede dieser sieben Kerzen stehe für «Frieden und innere Ruhe, die wir bei Gott finden». Das sei auch die Botschaft der Engel, die den Hirten auf den Feldern Bethlehems begegneten mit dem Lied: «Ehre sei Gott im Himmel. Denn er bringt der Welt Frieden und wendet sich den Menschen in Liebe zu» (Lukas 2,14). Die Rednerin lud jede Schülerin und jeden Schüler aus Diessenhofen, Basadingen-Schlattingen-Willisdorf und Schlatt ein, am Taufstein eine Kerze zu entzünden mit stillem Gebet für einen Mitmenschen aus dem eigenen Umfeld, der es besonders nötig hat.

Unermüdlicher Einsatz

Eine währschafte Verpflegung mit Kürbissuppe, Glühwein und Punsch sorgte im Anschluss für das leibliche Wohl. Ein besonderer Dank gilt allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern der Kirchgemeinde an diesem Abend. Ebenso gilt der Dank den Sponsoren: Die Firma Light Systems (Dachsen SH) stellte professionelle Licht- und Tontechnik unentgeltlich zur Verfügung. Die Stadtgemeinde Diessenhofen trug zur Finanzierung der Kamele bei, die aus einer speziellen Farm ins Städtli kamen. Coralie Wenger-Weilenmann hatte die Esel auf dem Kirchplatz besorgt. Die Gebrüder Schmid (Markthäuschen Schlattingen) stifteten den Stall von Bethlehem an der Kirchenmauer. In dieser opulenten kirchlichen Veranstaltung hatte die Diessenhofer Adventszeit einen Höhepunkt, der in dankbarer Erinnerung bleibt.

Diessenhofer Adventsnachmittag

Am vergangenen Mittwochnachmittag öffnete die Diessenhofer Stadtkirche ihre Pforten für das Krippenspiel der Reformierten Kirchgemeinde. 13 Primarschüler, darunter auch Kindergartenkinder, führen das Theaterstück „Für einmal nöd z spaat“ (Für einmal nicht die letzten) von Andrew Bond auf.

Das isch en riesige Chrampf

Mit grossem Gedächtnis-Einsatz präsentierten die jungen Freundinnen und Freunde die Geschichte der Hirten von Bethlehem. Mit ausdrucksstarken Gesten und markanten Dialekt-Worten wurde den vielen Besuchern  – darunter zahlreiche Gäste aus Schaffhausen  – vor Augen und Ohren geführt, unter wie vielen alltäglichen Benachteiligungen, Streitereien, Zurücksetzungen bis hin zu Unfällen und Brandstiftungen die Hirten zu leiden haben  – und zwar gemäss dem Motto: „Das isch e riesige Chrampf“. Aufregend und bewegend war zu sehen und hören, wie sehr sie durch die Sorge um das tägliche Brot daran gehindert werden, überhaupt noch etwas Grosses im Leben zu erwarten  – oder wenn, können sie sich solche Wünsche nur in Form beissender Ironie vorstellen. Humorvoll-witzige Bemerkungen wurden eingeflochten, wodurch zum Ausdruck kam, wie man die Langeweile doch noch erträglich gestalten kann mittels mancherlei Ablenkung.

Die Letzten werden die Ersten sein

Die Wende im Theater brachte das Auftreten der Engel mit der ebenso freundlichen wie dringenden Einladung, das neugeborene Christuskind in seiner Krippe zu besichtigen. Zunächst zeigten sich die jungen Hirtinnen und Hirten wie gelähmt und blockiert. Immer noch schienen sie nicht in der Lage zu sein, ihr unfassbares Glück auch wirklich in Angriff zu nehmen: Ist es Traum oder Wirklichkeit? Schliesslich überwanden sie die Zweifel, machten sich auf den Weg und erfuhren im Stall zu Bethlehem die grösste Überraschung ihres Lebens: Durch das Lied der Engel wurden sie zum Glück des neugeborenen Kindes geführt, wodurch sie selber glücklich wurden. Sie, die früher immer an letzter Stelle stehen mussten, wurden nun gewürdigt, die Ersten zu sein, die dem neugeborenen Heiland die Ehre erwiesen.

Vorschau auf den Heiligen Abend

Ein herzlicher, lang anhaltender Applaus belohnte die Kinder für ihren Einsatz, den sie unter Leitung von Tanja Schum, Edith Widmer und Edith Falcone nach etlichen Wochen gründlicher Vorbereitung geleistet hatten. Im Anschluss lud Pfarrer Gottfried Spieth alle Besucherinnen und Besucher ins Kirchgemeindehaus ein. Ein gemütliches Beisammensein bei einem währschaften Zvieri vereinte alle miteinander in frohgemuter adventlicher Geselligkeit. Das Krippenspiel „Für einmal nöd z spaat“ wird am kommenden Sonntag 24.12., dem Heiligen Abend, um 17.00 erneut in der Diessenhofer Stadtkirche aufgeführt.

Aus dem Alltag eines Diessenhofer Glas-Fans

Im Rahmen von „Kultur am Nachmittag“ trat Monika Orsinger am vergangenen Dienstag Nachmittag im evangelischen Kirchgemeindehaus Diessenhofen auf. Über die Faszination, die Glas in der transparenten Brechung von Licht und Farbe verbreitet, machte sie spannende Ausführungen. Sie beleuchtete den geschichtlichen Hintergrund der Glasherstellung im historischen Raum der Schweiz und in den benachbarten Gebieten, etwa im Schwarzwald. Mit liebevoller Hingabe an das Detail erzählte sie, wie das Glas handwerklich gemacht, sorgfältig geblasen, kraftvoll gebrannt, stimmungsvoll gefärbt wird. Eindrucksvoll erläuterte sie jene speziellen Öfen, die zur Bearbeitung notwendig sind. Sie verwies auf die energietechnischen Variationen (natürliches Feuer oder Elektrizität), womit diese Öfen gespeist werden. Breit entfaltete sie die künstlerischen Möglichkeiten, die sich bei der schöpferischen Formgebung des Glases ergeben, und bei den Gravuren, die am Glas angebracht werden können. Anschaulich präsentierte sie eine originelle Sammlung kunstvoller Gläser, Schalen und Gefässe, die sie zum grossen Teil selbst in ihrem Atelier hergestellt hat, darunter farbige Exponate von besonderer Leucht- und Strahlkraft.

Kulturgeschichte des Glases

Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich in gemütlicher Kaffee-Runde ein fruchtbares Gespräch mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung. Hierbei wurde das Thema in kulturgeschichtlicher Weise erweitert. Dabei durften Hinweise auf das Vorkommen von Glas in den prophetischen Büchern der Heiligen Schrift nicht fehlen. In ihren eindringlichen, höchst lebendigen Ausführungen griff Monika Orsinger auf einen reichen Erfahrungsschatz zurück, den sie sich in über 20-jähriger Tätigkeit in ihrem „Moglas-Atelier“ an der Diessenhofer Rheinstrasse erarbeitet hat; dort bietet sie Fortbildungskurse für Kinder und Erwachsene an.

Tanja Schum danke der Referentin zum Beschluss mit ebenso launigen wie herzlichen Worten und überreichte ein Präsent der Kirchgemeinde. Der nächste Anlass im Format „Kultur am Nachmittag“ ist am 16. Januar 2024 mit Erinnerungen an die Theologin Dorothee Sölle (1929-2003), dargeboten von Brigitta Lampert; der eigentlich für das Januar-Datum geplante Film „Heidi“ wird zu einem späteren Zeitpunkt vorgeführt.

Erntedank im Städtli

Zum Thema „Dankbare Herzen“ versammelten sich am vergangenen Sonntag jung und alt zum Familiengottesdienst in der evangelischen Stadtkirche. Wunderbare Erntegaben schmückten den Chorraum. Mit Freude waren Primarschüler der ersten bis sechsten Klasse zusammengekommen. In der Formation des Diessenhofer „Schüler-Reli-Chores“ sangen sie kräftige Lieder, wodurch die versammelte Gemeinde in ein lockeres und erwartungsfrohes Miteinander eingetaucht wurde. An der Orgel und am Klavier brillierte Martin Schweingruber (Steckborn) mit sensiblen und festlichen Klängen. Ausdrucksstarke Psalmlesungen, Tischgebete und Fürbitten aus Schülermund verstärkten die geistliche Atmosphäre zur Ehre Gottes.

Ehre sei Gott in der Höhe und den Menschen ein Wohlgefallen

Eben diese Größe, Würde und Hilfsbereitschaft Gottes stand sodann im Mittelpunkt eines aufregen-den Schülertheaters, das den Streit zwischen dem Riesen Goliath und dem Hirtenknaben David plastisch vor Augen führte. Der glückliche Ausgang dieser Geschichte bot sodann Religionslehrerin und Diakonin Karin Schmid eine Plattform für ihre Auslegung von Psalm 27 und 84. Die Segenskräfte, die David zum Sieg verholfen hätten, würden wir auch im Wachstum der Natur und im persönlichen Leben spüren, erläuterte die Predigerin. Gott sei für uns „Sonne und Schild“. Genau wie er sich freue, wenn wir ihn loben und ehren, gönne er auch uns unseren Anteil an Lob und Ehre. Er schenke „den Herzschlag und Atem, den wir zum Leben brauchen und der die ganze Schöpfung durchpulst.“ Die vielfältigen, farbigen und feinen Gaben der Natur sollten allen Menschen zugutekommen, besonders denen, die auf der Schattenseite stehen, betonte Karin Schmid zum Beschluss ihrer Ausführungen. Diesem Anliegen wurde alsbald Rechnung getragen, indem sowohl die wunderbar präsentierten Erntegaben als auch die gottesdienstliche Kollekte der Gassenküche Schaffhausen zugutekamen zur Unterstützung Hilfsbedürftiger.

Mit Kirchenmaus Christopher auf dem Kirchturm

Im Anschluss gab es einen kräftigen Apero. Parallel dazu wurde gern die Gelegenheit wahrgenommen, den Kirchturm zu besteigen und einen prächtigen Rundblick über das Städtli zu geniessen. Ausserdem konnten die Erstklässler dort oben die „Kirchenmaus Christopher“ finden, die in ihrem Religionsunterricht eine grosse Rolle spielt und sich zwischen Glocken und Turmfenster in einer Kiste versteckt hatte. Der ganze Vormittag in der Stadtkirche bot eine lebendige Abwechslung und kurzweilige Erlebnisqualität im weit gefassten kirchlichen Horizont Diessenhofens – und wird bei allen, die daran teilgenommen haben, in dankbarer Erinnerung bleiben.

Wer bin ich?

Stimmungsvoller Jugendgottesdienst zum Thema «Identität» in der Diessenhofer Stadtkirche

Der vergangene Dienstagabend 24.01. stand ganz im Zeichen des ersten Jugendgottesdienstes im neuen Jahr. Religionsschülerinnen und -schüler aus Schlatt hatten die Planung für diesen Abend inne unter Gesamtleitung von Religionslehrerin Karin Schmid. Sie begeisterten die zahlreichen Besucher aus allen Generationen schon ab der ersten Minute. Eine sympathische Begrüssung durch das Moderationsteam machte den Anfang, ehe die Jugendband kraftvolle Lieder spielte, die sich wie ein Klangteppich ausbreiteten und eine andächtige Stimmung in der Diessenhofer Stadtkirche hervorriefen zur Ehre Gottes.

Selbstzweifel

Eine lustige Meinungsumfrage brachte an den Tag, wieviel Zeit die versammelten Schülerinnen und Schüler täglich für die Pflege ihres Äusseren verwenden. Ein massgeschneidertes Theater ging auf die damit verbundenen Chancen und Probleme mit folgender Geschichte ein: Eine junge Frau, von ihrem Freund verlassen, zweifelt an ihrem Selbstwert. Sie erlebt, wie die Frage nach ihrer Identität zu einer höchst zerbrechlichen Angelegenheit wird. Ihre beiden Geschwister nehmen ihre verletzten Bedürfnisse höchst sensibel wahr. Im Wohnzimmer diskutieren sie mit den Eltern über den Selbstzweifel. Der entstehe, wenn man sich zu sehr mit anderen Leuten vergleiche. Oder zu häufig in den Spiegel schaue, um herauszufinden, ob man auch wirklich attraktiv genug auf andere wirkt. Oder wenn man die eigene Identität davon abhängig mache, ob man in einer Beziehung lebt oder nicht. Diese Dialoge wurden vom Schlatter Schülertheater witzig und schlagfertig dargeboten. Die jungen Schauspieler zeigten eine eindrückliche Bühnenleistung, die vom Publikum mit warmem Applaus honoriert wurde.

Ebenbild  

Die im Schauspiel offen gelassenen Fragen wurden an Diakon in Ausbildung Andreas Schlegel weitergereicht, der sie in seiner Predigt beantwortete. Er bezog sich auf die ersten Blätter der Bibel, die beschreiben, wie Gott das erste Menschenpaar erschuf nach seinem Ebenbild. Daraus zog der Redner den Schluss: «Auf dem menschlichen Antlitz spiegelt sich die Schönheit und Würde Gottes ab». Dadurch werde unser Wert unermesslich und einzigartig. Dies sei ein grandioses Geschenk mit weitreichenden Folgen für das Zusammenleben. Wir bräuchten keine künstlichen Spiegel, um uns selbst zu erkennen, sondern erblickten in uns selbst und in unseren Mitmenschen, wie wir nach Gottes Willen sein sollen. «Im lächelnden Antlitz des Nächsten sehen wir etwas Göttliches», betonte der Diakon.

Einzigartigkeit

In Jesus Christus leuchte das Bildnis Gottes am besten und schönsten auf. Deshalb seien die Menschen berufen, dem Sohn Gottes zu folgen. «In der Nachfolge Jesu finden wir unsere gläubige Identität», lautete der Beschluss der Predigt. Anschliessend wurde der Einzigartigkeit jeder Besucherin und jedes Besuchers ein praktischer Ausdruck verliehen: Alle waren eingeladen, mit Farbe einen Fingerabdruck auf einem grossen Papierbogen zu hinterlassen. So entstand ein wunderbares Kunstwerk als Gemeinschaftsprojekt.

Fulminantes Gemeinschaftswerk

Das Team aus Schlatt hat es geschafft, im Zusammenwirken mit Licht- und Tontechnik, Dekoration, Moderation, Musik, Theater und Predigt das Thema «Identität» auf schöpferische Art mit sehr viel Tiefgang in den Vordergrund dieses Gottesdienstes zu rücken. Als krönender Abschluss waren alle Besucher eingeladen zu einem köstlichen Apéro, vom Verpflegungsteam perfekt vorbereitet, womit der Abend gemütlich ausklang. Der nächste Anlass dieser Art findet am Dienstag 28. Februar statt zu dem Thema «Walk of faith – Weg des Glaubens».

Religion ist nicht dasselbe wie Aufklärung

Orthodoxe Sichtweisen und ihre Einordnung aus westlicher Sicht

Zum Thema: „Die Kirche und der Krieg in der Ukraine“ fand vergangenen Donnerstag im Evangelischen Kirchgemeindehaus Diessenhofen eine Begegnung mit Pfarrerin Bettina Lichtler statt. Sie ist Ökumenebeauftragte der reformierten Landeskirche im Kanton Zürich. An diesem Abend führte sie in Geschichte und Prägekraft orthodoxer Kirchen ein, verknüpft mit einem Blick auf die religionspolitische Lage in Osteuropa.

Einleitend berichtete sie von guten Kontakten zu verschiedensten orthodoxen Gruppen in Zürich, darunter zu jener Gemeinde, die mit der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK) verbunden ist: Hier träfen sich nicht nur Exilrussen, sondern auch weissrussische Gläubige und ukrainische Flüchtlinge zu mehrstündigen liturgischen Feierlichkeiten. Man habe vereinbart: Innerhalb der Gemeinde keine Politik! Dieses Stillhalte-Abkommen ermögliche ein gutes Auskommen. Das zeige sich jedes Jahr bei der Prozession am 10./11. September zu Ehren der Zürcher Stadtheiligen Felix und Regula – woran orthodoxe Christen aller Schattierungen mit grosser Freude teilnehmen.

Geschichtliche Verzweigungen

Wie Lichtler geschichtlich ausführte, entstand infolge der West-Ost-Kirchenspaltung von 1054 die orthodoxe Kirche byzantinischer Tradition, aus der später verschiedene selbständige, autokephale Nationalkirchen hervorgingen, unter anderem die griechische, serbische, rumänische, bulgarische und russische. Freilich, eine ukrainische Landeskirche im kanonisch gültigen Sinn habe sich bis heute nicht entwickelt: Herkömmlicherweise stünden die ukrainischen Gläubigen unter dem Dach des Moskauer Patriarchats, das eine integrative Funktion im ostslawischen Kulturraum beanspruche. Moskau sei mit diesem Anspruch auf Vormachtstellung auch teilweise als „Drittes Rom“ (nach Rom und Konstantinopel) bezeichnet worden.

Trotzdem würden nicht wenige ukrainische Gemeinden auf ihrer Selbständigkeit („Autokephalie“) pochen, fuhr die Rednerin fort. Sie hätten sich als Orthodoxe Kirche der Ukraine (OKU) von Moskau ab- und dem Patriarchen von Konstantinopel (Istanbul) zugewandt, der als gemässigt gelte. Kritisch beäugt von der ukrainischen Staatsführung, unterstünden jedoch Gemeinden der anderen, sogenannten Ukrainisch-Orthodoxen Kirche (UOK) weiterhin der Moskauer geistlichen Leitung. Sie grenzten sich zwar vom russischen Patriarchen Kyrill ab, zumal dieser vermutlich seit Sowjetzeiten mit Wladimir Putin befreundet sei. Aber an ihrer streng konservativen Linie ändere das nichts. Genderthemen würden in der ganzen Orthodoxie als schädlich angesehen. So akzeptierten ukrainisch-orthodoxe Vertreter LGBTQ genausowenig, wie ihre russischen Glaubensgeschwister das tun.

Die Ukrainisch-orthodoxe Kirche (UOK) erstrebe eine eigenständige Position zwischen Ost und West, ohne alle Brücken nach Moskau abzubrechen. Und die russische Christenheit? Sie trete für die Wiedervereinigung der ostslawischen Weggemeinschaft ein. Diese Gemeinschaft sei 988 durch die Taufe des Kiewer Grossfürstenpaares Wladimir und Olga mit nachfolgender Christianisierung Osteuropas für alle künftigen Zeiten gesegnet und zu einer spirituell-politischen Einheit zusammengefügt worden. So jedenfalls die russische Sicht der Dinge. Vorübergehende Trennungen sollten zur Versöhnung führen – unter Moskauer Vorzeichen.

Faszinierende und erschreckende Tradition

Bettina Lichtler erläuterte das Grundprinzip der Orthodoxie, demzufolge die Liturgie, die mit ihrer Farbenpracht und den mehrstimmigen Gesängen beeindruckt, über Jahrtausende hinweg immer gleich ablaufen muss. Und zwar deshalb, weil der Gottesdienst auf Erden als mit dem himmlischen Gottesdienst (der neben den Engeln die Gläubigen aller Zeiten umfasst) verbunden verstanden wird. Darum sollten Gläubige aus dem 21. Jahrhundert mit denselben Worten singen und beten wie Christen aus dem 2. Jahrhundert. Die orthodoxe Liturgie müsse zeitlos sein. Sie könne nicht einfach an moderne Gegebenheiten angepasst werden. Weil orthodoxe Glaubensgemeinschaften sich meist auch als Hüter der traditionellen, aus ihrer Sicht immer gültigen Werte verstünden, lehnten viele den Westen ab, wo Werte als veränderbar gelten und neu interpretiert werden. Aus ihrer Sicht entwickelt sich der Westen in Richtung Versuchung und Sünde. Der russische Patriarch Kyrill gehe so weit, allen Soldaten, die in diesem Krieg gegen den „westlichen Satanismus“ ihr Leben opfern, die Vergebung ihrer Sünden zuzusprechen.

Ökumene und Frieden?

Nach dem Vortrag kam es zu einer nachdenklich machenden Diskussion. Fragen nach Ökumene, Frieden und Gerechtigkeit bewegten die etwa 30 Zuhörerinnen und Zuhörer. Die Rednerin warnte vor einer Verteufelung des Westens wie vor Russophobie. Die Friedensbewegung sei in der aktuellen Situation der Ukraine wenig erfolgreich, weil ein Grossteil des wehrhaften ukrainischen Volkes keinen Frieden mit status quo erstrebe, der ihre Verluste einfach ignoriert.

Bettina Lichtler äusserte sich skeptisch bezüglich einer Vereinigung aller Kirchen: Ebensowenig wie die östlichen könnten die westlichen Konfessionen ihre Prägungen einfach so beiseite legen. Immerhin erscheine eine „Einheit in Verschiedenheit“ als gangbarer Weg. Auf die Frage, welchen Stellenwert eine freiheitliche Zivilreligion in Russland und Osteuropa erringen könne, gab sie zu bedenken: „Religion ist nicht dasselbe wie Aufklärung. Religion ist Gefühl und Intuition – und nicht immer kritisch rational“.

Dieser Abend im Rahmen der „Etwas anderen Erwachsenenbildung“ bot erhellende Einblicke in die fremde und faszinierende Glaubenswelt des europäischen Ostens. Eine Fortsetzung erfolgt am 24. Februar – dem Jahrestag des Kriegsbeginns – mit einem Gedenk- und Gebetsgottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche um 18.oo Uhr.

Krippenspiel 2022

Alle Bilder des Krippenspiels finden Sie HIER

Adventsfenster 2022