Zwischenbilanz zum Glockengeläut und Uhrschlag

Die evangelische Kirchgemeinde Diessenhofen informiert zur im November beginnenden Umfrage

Ein halbes Jahr Probezeit liegt hinter uns: Ein halbes Jahr ohne nächtlichen stadtkirchlichen Uhrschlag. Für die einen war es eine angenehme Verbesserung. Für die anderen ein Verlust an Vertrautheit. Jede der beiden Gruppen hat Anspruch auf Lebensqualität, die unterschiedlich erfahren wird.

Jetzt Ende Oktober 2022 wird laut Beschluss des Kirchenvorstandes wieder die ursprüngliche Variante des Geläuts und Uhrschlags der Stadtkirche eingeschaltet, um der Einwohnerschaft den direkten Vergleich beider Optionen zu verschaffen: Sei es die bisher bewährte Läuteordnung (allerdings mit Verkürzung des Frühgeläuts von fünf auf drei Minuten), sei es eine reduzierte Läuteordnung, wie sie jetzt ein halbes Jahr probehalber aufgeschaltet war (einschliesslich Verkürzung des Frühgeläuts und Verzicht auf viertelstündige Uhrschläge des Nachts). Diese beiden Lösungsvorschläge wurden im vergangenen Herbst am Runden Tisch erarbeitet. Diese beiden Möglichkeiten hatten sich herauskristallisiert aufgrund der Resultate der Umfrage, die infolge der Petition gestartet worden war.

Verfassungsgemäss hat die Kirchgemeindeversammlung im März 2023 das letzte Wort. Sie entscheidet, welche der beiden Varianten in Zukunft unser klangliches Gesamtbild im Städtli bestimmt. Wir hoffen, dass die Mehrheit aller Mitbewohner mit dem Resultat leben können, das die Kirchgemeindeversammlung nächstes Frühjahr beschliesst. Frieden und Wohlbefinden, die wir erhoffen, betrifft die gesamte Einwohnerschaft: Zum einen diejenigen, die es bevorzugen, wenn die Dinge sich gerne so weiterentwickeln dürfen, wie es sich aus dem bisherigen Verlauf der Geschichte unseres Städtli und seiner Stadtkirche ergeben hat. Und diejenigen, die eine Veränderung des Bestehenden erstreben, weil sie der Meinung sind, dass nun auch im Diessenhofer Stadtkern klanglich eine Anpassung an die Trends grösserer Ballungsgebiete erfolgen sollte. Bewahrung des Überlieferten und Neuorientierung stehen sich bei dieser Entscheidung gegenüber und sind doch aufeinander bezogen. Ihnen, liebe Kirchbürgerinnen und Kirchbürger, wünschen wir eine gute Meinungsbildung und Entscheidung.

Alle Einwohnerinnen und Einwohner Diessenhofens sind gebeten, an der ab November aufliegenden Umfrage teilzunehmen. Es ist uns ein grosses Anliegen zu erfahren, welche Läuteordnung Ihnen mehrheitlich zusagt. Die Umfragebögen liegen in der Stadtkirche aus oder können von der Homepage der evangelischen Kirchgemeinde heruntergeladen werden.

Alltagsgedanken mit Tiefen- und Höhensinn

Eine prominente Dichterlesung fand am vergangenen Dienstag 18.10. im Evangelischen Kirchgemeindehaus Diessenhofen statt. Im Rahmen von „Kultur am Nachmittag“ präsentierte Doris Widler – bekannt unter ihrem Künstlernamen Doris Host – eine Fülle sinnstiftendender Alltagsgedanken. Diese entnahm sie jenen sechs Gedichtbänden, die im Laufe dreier Jahrzehnte aus ihrer Feder entstanden sind. Zu Gehör kamen Anekdoten aus der bunten Bandbreite des Daseins. Geschildert wurde das Leben in seiner persönlichen, gemeinschaftlichen und naturgegebenen Vielfalt. Damit traf die Autorin die Erwartungen und den Geschmack des Publikums. Mit humorvoll bewegter, ausdrucksstarker Stimme trug sie ihre dichterisch geformten Gedanken vor, die Heiterkeit, Nachdenklichkeit und kräftigen Beifall auslösten.

Wie auf Erden so im Himmel

Inhaltlich kreisten die Gedichte um ganz normale Vorgänge, aus denen Doris Widler einen tieferen oder höheren Sinn ableitete. Eingangs beschrieb sie den Flug eines Ballons, der zuvor am Boden gelegen hatte und erst in einem langwierigen Vorgang aufgeblasen werden musste. Mit liebevoll aufmerksamem Blick fürs Detail schilderte die Autorin, wie aus einem kümmerlichen Häuflein Stoff über die Zwischenstufe einer rundlichen Schlange sich allmählich jener riesengross prächtige Ball aufgewölbt habe, der dann zu einem herrlichen Rundflug startete – mit ungeahnten Aussichten.

Nach diesem Höhenflug schwenkte die Autorin wieder auf organisatorische Welten um, ohne freilich die höheren Welten aus dem Auge zu verlieren. Sie tat das nach dem Motto: Wie auf Erden so im Himmel. So beschrieb sie terminliche Vereinbarungen im Familien- und Kollegenkreis, die sich steigern bis hinauf zu höchstgestellten Persönlichkeiten wie dem Apostel Petrus: Selbst mit ihm sei ein Termin zu vereinbaren, und zwar deshalb, um den Eingang in den Himmel bewilligt zu bekommen.

Tägliches Wechselspiel im Horizont der Dankbarkeit

Sogar von diesem paradiesischen Höhenflug – so schön er war – ging es wieder hinab, dieses Mal ausgerechnet in die Niederungen moderner Technik. Diese habe beim Gebrauch von Natel und WhatsApp ihre besonderen Tücken, die jedoch mit Humor und tatkräftiger Mithilfe kundiger Familienangehöriger gut und gerne überwunden werden, wie Frau Widler schmunzelnd ausführte. Von einer gestohlenen Minute war alsdann die Rede, die sich erstaunlicherweise zu einer gewonnenen Zeit umwandelt, und von einem Traum, der bei näherem Hinsehen verblüffend genau die eigene Lebenswirklichkeit abspiegelt.

Den Abschluss bildeten jahreszeitliche Betrachtungen über den derzeit goldenen Herbst in seiner Strahlkraft zur Ehre Gottes. Damit wurde der Erzähl-Bogen abgerundet im Dank an den Schöpfer, in dessen Gedanken und Handlungen unser alltägliches Dasein eingebettet ist.

Feinfühliger Einblick und hintersinniger Ausblick

Im hingebungsvollen Hinschauen, meditativen Zuhören und schreibenden Gestalten liegt die Begabung der Autorin. Was sie sinnlich aufnimmt und gedanklich in grosser Zuversicht bewegt, spiegelt sich in dem, was sie niederschreibt und in Buchform veröffentlicht. „Fasziniert und inspiriert vom tieferen Sinn, welcher hinter all den täglichen Kleinigkeiten zu finden ist, versuche ich meinen Gedanken in Gedichten und Prosa eine (be)sinnliche Form zu geben“, sagt sie über sich und ihr Werk. Es seien Nachttisch-Bücher, immer zur Hand, wenn Bedarf bestehe nach einem versöhnlich-tröstlichen Einblick in unsere Welt, wie sie nun einmal ist – und wie sie dann auf höherer Ebene immer wieder neu erfahrbar werden kann.

Natur und Kultur

In Düsseldorf geboren, verbrachte Doris Widler in Büsingen ihre Kindheit und Jugend, um als Erwachsene den Schwerpunkt nach Schaffhausen zu verlegen. Im Hauptberuf war sie als Kauffrau und Katechetin tätig. Seit einigen Jahren ist die Mutter dreier erwachsener Kinder im Städtli beheimatet. Die harmonische Umgebung der Idylle des Hochrheins prägt ihr dichterisches Schaffen – wovon die nachmittägliche Veranstaltung ein beredtes Zeugnis ablegte.

Brigitta Lampert und Edith Lüdi begleiteten den Anlass mit Klavier zu vier Händen und gaben dem Ganzen eine festliche Ausprägung. Bei einem anschließenden Zvieri und angeregten Gesprächen klang diese kulturbewusste Zusammenkunft aus, die von Tanja Schum bestens vorbereitet worden war. Das nächste derartige Treffen ist am 15. November im Evangelischen Gemeindehaus Diessenhofen, und zwar wiederum mit Gedichten und Kurzgeschichten, die dann von Lilo Kottmann vorgetragen werden.

Inspirierender Jugendgottesdienst zum Thema «Dating»

Am vergangenen Dienstagabend 27. September fand in Diessenhofen der Jugendgottesdienst statt. Die Stadtkirche war durch die Schülerinnen und Schüler des Dekorationsteams kreativ geschmückt worden: Unzählige rote Herzen zierten die Wände und hüllten den Raum in die passende Stimmung zum Thema Dating. Nach der sympathischen Begrüssung durch das Moderationsteam übernahm die Jugendband und holte die Besucherinnen und Besucher mit ihren kraftvollen Songs ab.

Standfestigkeit durch die Beziehung mit Gott

Gastredner war der 20-jährige Lukas Gerber aus Tägerwilen. Der junge Thurgauer hat diesen Sommer die Matura erlangt und beabsichtigt, nach seinem Zivildienst den Weg des Theologiestudiums einzuschlagen. Dass er damit auf dem richtigen Weg ist, bewies er an diesem Abend: Gekonnt führte er in das vielschichtige Thema ein und richtete passende Worte an die Besucher aus allen Generationen. Beziehungen seien wie ein Kartenhaus, dem es auch an Stabilität mangeln könne, führte er aus. Wer sein Glück auf eine Beziehung aufbaue und seinen Wert in anderen Personen suche, werde keine Erfüllung finden. Vielmehr gehe es darum zu erkennen, welchen Wert jeder einzelne Mensch in Gottes Augen hat. Entziehe man sich der Abhängigkeit von anderen Menschen und mache man sich seinem Wert in Jesus Christus bewusst, würden sich nicht nur Wege für eine gesunde Beziehung zu sich selbst eröffnen, sondern auch für Beziehungen mit anderen. Diesen Schlüsselpunkt umrahmte Gerber mit passenden Bibelstellen, die seine Worte tiefgehend untermauerten.

Abgestimmte Elemente

Die Theatergruppe studierte ein thematisch passendes Theater ein. Darin sucht eine junge Frau nach ihrem Herzblatt, das sie am Ende des Stückes in feierlichem Ambiente aus drei Männern aussucht. Die Jugendband gab daraufhin den Song «Just the way you are» von Bruno Mars zum Besten und sorgte für die passende Stimmung. Auch der anschliessende Apéro war perfekt auf das Thema abgestimmt: Nebst dem traditionellen Hotdog und leckerem Kuchen wurden allen Besucherinnen und Besuchern Lebkuchenherzen offeriert, die liebevoll mit Zuckerguss in allen Farben verziert waren. Beim Geniessen des Apéros ergaben sich wertvolle Gespräche und Begegnungen, bei welchen man den Abend stimmungsvoll ausklingen liess.

Erntedank in familienfreundlicher Stimmung

Stadtkirche im Glanz der Erntegaben

Vergangenes Wochenende feierte die evangelische Kirchgemeinde Diessenhofen das Erntedankfest. Aus diesem Anlass wurde der Chor- und Altarraum der Stadtkirche am Samstag von fleissigen Helferinnen prächtig geschmückt mit gespendeten Feld- und Gartenfrüchten, die später der Gassenküche Schaffhausen zugute kommen. In einem solch naturnahen, farbenfrohen Gotteshaus startete am Sonntag ein familienfreundlicher Gottesdienst mit einem packenden Schülertheater, das Religionslehrerin Karin Schmid mit den Fünftklässlern eingeübt hatte. Sie wurden unterstützt von Helferinnen und Helfern, die mit grossem Engagement dafür Sorge trugen, dass der Anlass ein gelungenes Ereignis wurde zur Ehre Gottes und zur Freude der ganzen Gemeinde, die aus vollen Kehlen das Danklied anstimmte: „Wir pflügen und wir streuen.“

Schicksalsgestalt Elia

Thema war die Geschichte des Propheten Elia in der grössten Krise seines Lebens, als eine mehrjährige Hungersnot das Land erbarmungslos plagte. Anschaulich zeigten die theaterspielenden Schülerinnen und Schüler, wie der Prophet durch verschiedene Gotteswunder vor dem Zugriff des gewalttätigen Königs Ahab und dem drohenden Hungertod bewahrt wurde.

Besonders urwüchsig und humorvoll wurde jene Szene an einem Nebenfluss des Jordan präsentiert, da Elia von Raben, die ihn an seinem Geheimversteck umfliegen, mit Brot und Fleisch versorgt wird. Die Raben wurden von Schülerinnen und Schülern in schwarzen Kostümen und aufmontierten Schnäbeln dargestellt, die den auf dem Boden hockenden und Trübsal blasenden Propheten mehrfach umkreisen und aufmuntern mit ihren Essensgaben, die sie direkt vor ihm in seinen Teller fallen lassen – worauf er in grosser Erleichterung ein Dankgebet anstimmt. Die Orgel, gespielt von Annedore Neufeld, trug zur gelungenen Darbietung bei, indem sie die Szene mit lautmalerischen Melodien begleitete.

Nicht jammern, sondern beten

In ihrer Predigt nahm Karin Schmid Bezug auf Gottes Wunderkraft, die auch heutigen Tages erlebbar sei – besonders in jetzigen Krisenzeiten. Der Mensch sei berufen, aktiv und selbstbestimmt auf Gottes Hilfsangebote zu antworten. Anstatt nutzlos herumzulungern und passiv sein Schicksal über sich ergehen zu lassen, solle man sich lieber direkt und ohne Scheu an Gott wenden, den Geber aller guten Gaben. Wichtig sei es, ihm anschliessend für seine geleisteten Hilfsmassnahmen zu danken. Und wenn nach anfänglichen Rettungsaktionen ein abermaliger Einbruch und Absturz droht? Dann solle man sich ein Beispiel am Propheten Elia nehmen, der in der Dauerkrise nicht anfing zu jammern, sondern frank und frei erneut den Dialog nach oben suchte. Derjenige werde gesegnet, der am Ball bleibt und entschlossen den Kontakt mit Gott beibehält, ja diesen Kontakt nachhaltig ausbaut allen widrigen Umständen zum Trotz.

Dank mit Wort und Tat

Im weiteren Verlauf der Predigt nahm Frau Schmid Stellung zu Elias Aufenthalt bei einer heidnischen Frau im phönizischen Nachbarland – also bei jener Witwe, die trotz eigener Notlage dem Propheten mehrere Freundlichkeiten erweist, bevor sie mit dem Wunder eines nie versiegenden Ölkrugs und eines nie leer werdenden Mehltopfs belohnt wird. „Gott sucht Menschen, die an ihn denken, ihm vertrauen und dankbar sind. Er belohnt unsere Freigiebigkeit mit seinen Gaben, die er uns in Hülle und Fülle zukommen lässt, darum lasst uns damit anfangen, in seinem Namen Gutes zu tun“, fasst Karin Schmid ihre Ausführungen zusammen.

Gegen Ende der Veranstaltung bekamen alle jungen, mittleren und älteren Besucherinnen und Besucher ein Kärtchen überreicht mit dem aufgedruckten Tischgebet: „O Gott, von dem wir alles haben, wir preisen dich für deine Gaben. Du speisest uns, weil du uns liebst, nun segne auch, was du uns gibst.“ Bei einem feinen Apero klang dieser anschauliche und erlebnisreiche Gottesdienst aus. Ein herzlicher Dank gilt dem gesamten Team, das mit Präsentation der Erntegaben, Bild- und Tontechnik, Dekoration, Ausstattung und Kostümen, Schriftlesungen und Gebeten zum gemeinschaftlichen Gelingen beitrug.

Junge Menschen in der Passionszeit

Dramatische Szenen

Diessenhofen und die umliegenden Gemeinden erlebten am Dienstag einen Jugendgottesdienst zu dem Thema „Passion – unterwegs mit Jesus“. Schülerinnen und Schüler aus Basadingen, Schlattingen und Willisdorf hatten diesen Anlass vorbereitet. In ein geheimnisvolles blaues Licht getaucht, erstrahlte die Stadtkirche im abendlichen Halbdunkel. Moderation und Lieder waren auf diesen nachdenklichen Anlass eingestellt. Worte, Klänge und Melodien versetzten die jungen Leute mitsamt Eltern, Verwandten und Freunden in eine erwartungsvolle Stimmung.

Das Schülertheater spielte tragische Szenen aus den letzten Stunden, die Jesus Christus auf seinem irdischen Lebensweg beschritt. Das dargestellte Drama war geprägt von einer heftigen Kontrastwirkung zwischen Jesus und Petrus: Dieser leugnet dreimal, seinen Herrn zu kennen, und wird durch das zweimalige Krähen des Hahns in tiefe innere Verzweiflung gestürzt.

Feigheit und Mut

In seiner Predigt versetzte sich Diakon zur Anstellung Andreas Schlegel (Schlatt) in Petrus hinein und erläuterte den inneren Zwiespalt zwischen Mut und Feig-heit. Aus dieser inneren Notlage habe er durch eine Sinnesänderung heraus-gefunden. In der Rolle des Petrus wandte er sich an die versammelten Jugend-lichen mit den Worten: „Habt ihr auch schon einen ähnlichen Konflikt erlebt? Wie mag der ausgegangen sein? Jedenfalls gibt es einen Weg zu Gott zurück.“ Die Predigt gipfelte in dem Hinweis auf die königliche Würde, die Jesus aus-zeichnet. Gerade in der Stunde tiefster Erniedrigung habe Christus an dieser Würde festgehalten, die durch die Auferstehung glanzvoll bestätigt worden sei.

Gemütliches Dekor

Ein liebevoll buntes Dekor erfreute das Auge der Besucherinnen und Besucher. Die Gesangssolisten sassen vorn auf der Bühne auf gemütlichen Sesseln und anderen Sitzgelegenheiten inmitten eines wohnlichen Interieurs. Von dieser Wohnzimmeratmosphäre aus liessen sie ihre Lieder in das weite und grosse Kirchenschiff hinein erschallen. Der Sound der Band unterstützte diese Stimmung und wechselte zwischen weichen und kräftigen Klangfarben.

Anstelle des krankheitshalber verhinderten Hans Maurer (Missionswerk „Licht im Osten“) wies Religionslehrerin Karin Schmid auf die Kriegssituation in Ost-europa hin und warb um eine herzhaft-grosszügige Kollekte zugunsten ukrainischer Flüchtlinge. Mit einem schmackhaften Hotdog und in frohgemuter Geselligkeit wurde dieser abendliche Anlass abgerundet.

Die Welt zu Gast im Städtli

Gottesdienst für Generationen

Am vergangenen Sonntag veranstaltete die Generation Church Diessenhofen den zweiten Anlass dieses neugegründeten Formats. Leitmotiv war Jesu Aufruf aus dem Markusevangelium Kapitel 15,16: „Gehet hin in alle Welt“. An diesem Abend war jedoch auch die umgekehrte Bewegungsrichtung spürbar und sichtbar: Die Welt war zu Gast in der Stadtkirche.

Eine phantasievolle Dekoration mit leuchtenden Farbenspiel tauchte das Innere des Gottes-hauses in ein geheimnisvolles Licht wie bei einem Märchen von „Tausend und einer Nacht“, passend untermalt von dem Lied „My Lighthouse“ (Mein Lichthaus). Die Melodien, vorgetragen von der glänzend aufspielenden Band, erwärmten das Herz der Hörerinnen und Hörer zur Ehre Gottes. Auf der Leinwand wurden Bilder aus verschiedensten Himmelsrichtungen gezeigt: Aus Europa und Asien, aus dem Westen und dem nahen, mittleren und fernen Osten. Helferinnen und Helfer begrüssten die Besucher und vermittelten eine gastfreund-liche Atmosphäre. Einer der Höhepunkte war die Feier des heiligen Abendmahls.

Wanderer zwischen unterschiedlichen Lebenswelten

Hauptredner war Eno Demiral, Gründer und Leiter der Schaffhauser Missionsgesellschaft „Globale Nomads“ (Weltweite Wanderer). Dieses Hilfswerk arbeitet entlang der historischen Seidenstrasse, die den Balkan, die Türkei und den Iran mit Zentralasien und China verbindet.

Demiral gab einen Erfahrungsbericht. Bereits als Jugendlicher sei er, ermutigt durch einen unangepassten Klassenkameraden, aus seiner muslimischen Tradition aufgebrochen zu einer christlichen Existenz, ohne den kulturellen Zusammenhang mit seiner Familie zu verlieren.

Wichtig war dem Prediger ein niederschwelliger, gefühlsmässig leichtgängiger Zugang zu Gott und Christus. Meist stelle man sich die Hürden zu hoch vor, da der christliche Glaube oft mit einer ganz einseitig bestimmten europäischen Kultur verwechselt werde, gab Demiral zu bedenken. Dadurch werde der Zugang zum Glauben unnötig erschwert. Es gebe einen breit und lang angelegten Übergangsbereich von einer nichtchristlichen zu einer christlichen Lebensweise. Er selbst habe sich drei Jahre gegönnt, um – ausgehend von zarten Anfängen und bescheidenen Informationen – schliesslich den vollgültigen Kontakt zu Gottes Sohn zu finden.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Religionen

Geholfen habe ihm, dass Jesus auch im Koran eine ziemlich grosse Rolle spiele. Christus geniesse auch in der islamischen Religionsgemeinschaft einen hohen Stellenwert – wenn-gleich man zugeben müsse, dass das biblische Verständnis weit über muslimische Vorstellungen hinausreiche. Es gebe zwischen Islam und Christentum gewichtige Unterschiede neben allen vorhandenen Gemeinsamkeiten, betonte der Redner. Er selbst habe keine klassische „Bekehrung“ im Sinne eines Religionswechsels vollzogen. Vielmehr habe sich seine Beziehung zu Jesus sachte und langsam, dafür umso nachhaltiger entwickelt. Nach einer dreijährigen Übergangsphase habe er sich zur Taufe entschlossen und damit ein öffentliches Bekenntnis abgelegt.

Kraft der Gnade

Es sei im Grunde genommen einerlei, ob jemand aus einem europäischen, nahöstlichen oder asiatischen Hintergrund komme, gab der Prediger zu bedenken: Der Weg zu Christus sei für jeden Menschen machbar, gleichgültig, aus welcher kulturellen oder religiösen Prägung er stammt. Der Übergang zu Jesus gelinge dank der Gnade Gottes. Die persönliche Entwicklung des Glaubens gedeihe unter dem Einfluss der göttlichen Gnade.

Nach Fürbitte und Unser Vater erteilte Pfarrer Gottfried Spieth den Segen des dreieinigen Gottes an die Versammlung. Hernach kam der gemütliche Teil. Jael Mascherin, Präsidentin der Kirchgemeinde, war humorvolle Moderatorin und tatkräftige Organisatorin des reichhaltigen Aperó auf dem Vorplatz der Kirche. Mit einem ausgiebigen geselligen Beisammensein klang der fröhliche Frühlingsabend in und um die Stadtkirche aus.

«Von guten Mächten wunderbar geborgen»

So heisst es im berühmt gewordenen Gedicht des deutschen Theologen Dietrich Bonhoeffer. Er schrieb es 1944 während seiner Haft in Deutschland im zweiten Weltkrieg.  Als NS-Widerstandskämpfer wurde er ein Jahr später hingerichtet. Dieser Entstehungshintergrund lässt seine Zeilen nochmals viel tiefer zu Herzen gehen. Wer war dieser Mann und was trieb ihn an?

Dieser Frage gingen am letzten Freitagabend 15 Personen an einem interaktiv gestalteten Erwachsenenbildungsabend der evangelischen Kirchgemeinde Diessenhofen unter der Leitung von David Jäggi nach. Mit Text- und Filmausschnitten, Büchern, Bildern, Gedanken von David Jäggi und gemeinsamem Austausch wurden zahlreiche Schätze entdeckt. Was immer wieder deutlich wurde: Bonhoeffer konnte sein geistliches Leben mit seinem aktiven Wirken in der Welt aufs Engste verbinden. Eine ganzheitlich gelebte Gottesbeziehung, die in tiefsten Krisen trug und auch heute noch zur Nachahmung inspiriert.

Text Florian Aeberhardt. Bild Thomas Russenberger.

«Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben»

Weltgebetstag vom Freitag 4. März in Schlattingen

Rund dreissig Personen aus der Region feierten in der «Very British» geschmückten Kirche zeitgleich mit den sieben Regionen der Erde einen eindrücklichen Weltgebetstags-Gottesdienst. Die Verfasserinnen der Liturgie kamen dieses Jahr aus England, Wales und Nordirland. Ihnen war es wichtig, die Aufmerksamkeit auf ein umfassendes Gottesbild zu lenken, ein Gottesverständnis jenseits des Geschlechts. Darum wurde stets die Anrede «Gott, unsere Mutter und unser Vater» verwendet.

Die stimmungsvollen Lieder teils in Englisch, teils in Deutsch, untermalten die Thematik des Abends, einerseits beschrieben von Jeremia, das Volk Israel im Exil in Babylon und andererseits die aktuellen Probleme unserer Zeit. Zentral blieben dabei stets die kraft- und segensreichen Worte Gottes «Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben». Eine tröstende und stärkende Zusage, welche gerade in unserer krisengeprägten Zeit Mut macht aktiv zu sein, zu handeln, zusammen zu stehen und einander gegenseitig zu unterstützen.

Désirée Eicher-Uehlinger

Erster Diessenhofer Jugendgottesdienst im neuen Jahr

Der vergangene Dienstagabend stand ganz im Zeichen des ersten Jugendgottesdienstes im neuen Jahr. Die Stadtkirche zeigte sich von ihrer schönsten Seite, als Schülerinnen und Schüler aus Schlatt ein Erlebnisprogramm starteten, gerichtet an Jugendliche aus dem gesamten Diessenhofer Bezirk samt Eltern und Grosseltern. Licht- und Tontechniker, Sänger und Musiker liefen zu Hochform auf, aufgelockert durch eine humorvolle Moderation. Hinzu kam ein Schülertheater vom Feinsten. Die jungen Darsteller präsentierten in zwei Teilen eine bemerkenswerte Geschichte aus der Zeit des Neuen Testaments, aufgeschrieben im Evangelium nach Johannes Kapitel 2 und 3: Wie Jesus Christus Wasser in Wein wandelt und einem überaus klugen Mann eine noch klügere Antwort liefert auf dessen Fragen.

Nikodemus findet seinen Meister

An diesem Abend stand also Nikodemus im Mittelpunkt – jener berühmte Theologieprofessor, der anlässlich eines nächtlichen Zwiegesprächs in Jesus seinen Meister fand. Die Gegensätze, die diesem Dialog vorausgingen, hätten nicht farbiger und kontrastreicher gestaltet werden können: Das Schülertheater demonstrierte ausgelassene Freude anlässlich einer orientalischen Hochzeit, den urplötzlichen Mangel an Wein, die Verzweiflung des Bräutigams, der sich vor der Festgesellschaft als organisatorischer Looser blossgestellt vorkommt, dann aber die verblüffende Wunderkraft, die in den Worten und Anweisungen des Herrn steckt. In den Handlungsablauf eingebettet waren liebenswürdige Dialoge, etwa als Jesus mit seiner Mutter Maria diskutiert, was nun Priorität haben solle, um die eingebrochene Feststimmung doch noch zu retten. Die Mangelprobleme lösen sich dann durch das Wunder, vollbracht durch Gottes Sohn, der sich als liebevoller Meister der Kommunikation erweist und ebenso meisterlich über den Naturgesetzen steht.

Vertrauen ersetzt Leistung

Die Spannung verdichtete sich noch einmal, als Religionslehrerin Karin Schmid zu ihrer Predigt ansetzte. Sie erläuterte das Prinzip von Leistung und Gegenleistung, wie es heutzutage in Schule und Beruf gefordert wird, aber auch damals schon den klugen Nikodemus voll und ganz erfüllte. Dieses Leistungsprinzip gelte nicht in der christlichen Religion, erläuterte Frau Schmid: Hier seien andere Werte bestimmend, die auf eine vertrauensvolle Verständigung zwischen Gott und Mensch hinauslaufen, ohne dass die Regel „eine Hand wäscht die andere“ zur Anwendung gelange. Denn im Verhältnis zu Gott und Christus komme es ausschliesslich auf den Glauben an, und zwar persönlich und direkt: „Jesus ist meinungsstark, mitfühlend und weckt unser Vertrauen, ohne dass wir extra Vorleistungen erbringen müssen.“

Probe aufs Exempel

Das Gesehene und Gehörte verfehlte den Eindruck auf die jugendlichen Zuhörer nicht. An diesem Abend gewöhnten sie sich an einen etwas anderen Blickwinkel, der in wohltuendem Kontrast steht zum landläufigen Wechselspiel aus Geben und Nehmen. Der Grundsatz des leistungsbezogenen Umgangs werde bei Jesus durchkreuzt durch lebendige Kommunikation und freundliches Einvernehmen, fasste Karin Schmid die Botschaft des Abends zusammen. Die neu erfahrene Vertrauensbeziehung wurde auch gleich ausprobiert, indem die jungen Besucherinnen und Besucher nacheinander an den Taufstein traten und beim Anzünden einer Kerze ein persönlich formuliertes Gebet sprachen, direkt an Gottes Sohn gerichtet.

Die Schlatter Gruppe im Zusammenwirken mit Licht- und Tontechnik, Dekoration, Moderation, Theater und Predigt hat es geschafft, das schöne und tiefsinnige Glaubensbündnis zwischen Gott und Mensch in den Vordergrund zu rücken. Die Band präsentierte neue Lieder, die das Thema des Abends unter Beweis stellten und in den Worten an den Herrn gipfelten: „Aus Angst vor morgen, aus Furcht und Sorgen rufst du mich heraus. Wenn ich denk: ich bin nicht gut genug, bist du genug für mich.“ Innerlich bereichert durch diese zielführenden Gedanken und gestärkt durch einen abschliessenden Apéro, klang dieser Gottesdienst mit einem Segensgebet von Diakon in Ausbildung Andreas Schlegel (Schlatt) aus.