Arche Noah im Städtli

Mit dem Motto: „Glaubensstark wie Noah“ rundete die Diessenhofer Jugendkirche das zu Ende gehende Schuljahr ab. Am Dienstagabend trafen sich die Schüler der Klassen 5 bis 9 aus dem Städtli und der umliegenden Region in zwei gottesdienstlichen Veranstaltungen. Sie erlebten Rhythmen, Bühnenbilder, Geselligkeit, Spielfreude und Segensgebete. Junge Leute aus Schlatt hatten beide Ereignisse vorbereitet. Die urwüchsige Gestalt des Schiffsbauers Noah, dessen Arche zur Lebensrettung für unzählige Lebewesen wurde, stand im Mittelpunkt beider abendlicher Anlässe in der Stadtkirche.

Faszinierende Schattenspiele

In einem Schatten-Theater wurde zunächst das chaotische, gewalttätige Treiben einer irregeleiteten Menschheit vor Augen geführt, worauf sintflutliche Wassermassen hereinbrachen und die damalige korrupte Zivilisation auslöschten. Messerscharf gezeichnete Schattenbilder bewegten sich, von kundigen Händen im Verborgenen geführt, mit scheinbar schwereloser Leichtigkeit über das hell erleuchtete Bühnenbild. Plastisch gezeigt wurde der Bau des mehrere Fussballfelder grossen Rettungsschiffes, das von jeder Tierart ein Pärchen aufnehmen konnte, sodann die Fahrt des gigantischen Wasserfahrzeugs über den Weltenozean und schliesslich die glückliche Landung auf dem Berg Ararat in Armenien. Eindrucksvoll wurde das Abfliessen der Wassermassen dargestellt, worauf sich Mensch und Tier aus dem tiefen Bauch des Schiffes erleichtert ins Freie begaben, während Noah mit Familie bereits schon die glückliche Rettung mit einem Dankgebet feierten, überwölbt von dem göttlichen Segenszeichen des Regenbogens.

Entscheidung mit Folgen

Das tatkräftige Glaubensleben dieses Mannes wurde als Vorbild vor Augen geführt. Religionslehrerin Karin Schmid stellte in ihrer Predigt den Bezug zur heutigen Lebenswirklichkeit her. Das Kirchgebäude als Ort der Ruhe, wo alt und jung zur Besinnung kommen, sei mit der Arche Noah vergleichbar. Jesus Christus sei der Schlüssel zu diesem Schutzraum, in dem Geborgenheit statt Streit, Harmonie statt Konflikt, Gelassenheit statt Hektik herrsche.

Für diesen Lösungsweg des Friedens müsse man sich jedoch bewusst einsetzen. Das Problem sei, dass zweifelhafte Stimmen sich auf irrlichternde Weise breitmachen. Jeder und jede stehe vor der Frage, so Frau Schmid, ob man sich für Gewalt oder Versöhnung entscheide. „Haltet beharrlich den guten Kurs durch! Gebt nicht auf, selbst wenn andere Leute euch davon abhalten wollen. Rechnet fest mit Gottes Treue!“ rief Frau Schmid den jugendlichen Zuhörern und ihren Eltern, Grosseltern und Freunden zu. Die göttliche Schutzmacht energisch im Blick zu haben, sei besonders nach den Ferien nötig, wenn die Schulabgänger ihre Lehre beginnen.

Frau Schmid beschloss ihre Ausführungen unter Berufung auf den Brief an die Hebräer Kapitel 11, Vers 7: „Durch den Glauben hat Noah Gott geehrt und die Arche gebaut zur Rettung seines Hauses, als er ein göttliches Wort empfing über das, was man noch nicht sah; durch den Glauben sprach er der Welt das Urteil und hat ererbt die Gerechtigkeit, die durch den Glauben kommt.“

Lied der Generationen

Die Jugendband unter Leitung von Dan Schmid brachte starke Melodien zu Gehör, die zu Gottes Ehre erklangen. Es war wie eine Mobilmachung von Lebenskräften. Warme, beruhigende Akkorde durchfluteten das Kirchenschiff und lösten ein inneres Wohlbefinden aus, verbunden mit Bewegung und Dynamik. Sogar der Kampf Gottes gegen chaotische Mächte der Finsternis wurde dabei zum Thema. „Gott ist Sieger in Ewigkeit, er ist grösser als Umstand und Angst, ich weiss: er hält alles in der Hand,“ lautete eine markante Liedzeile. Der mehrstimmige Gesang und die oftmalige rhythmische Wiederholung lösten beglückende Empfindungen aus, getragen von dem Wissen: „Gott ist für dich. Probiere es einfach aus! Vertraue, dass es gelingt. Lass es geschehen, dass Gott an dir wirkt.“

Besonders eindrücklich wirkte das „Generationenlied“, das sich fast schon zu einem Diessenhofer Schlager entwickelt hat und auch am Dienstagabend ausgiebig ertönte: „Gottes Gunst sei mit dir und bei deinen Kindern und den Kindern ihrer Kinder!“ Mit beiden Abendanlässen wurde das zu Ende gehende Schuljahr unter Gottes Segen beschlossen und der baldige Start in die Ferien gefeiert. Eine Vielfalt von Begabungen kam zum Einsatz und macht auch für das neue Schuljahr Mut zur beständigen Weiterentwicklung der jugendlichen Talente.

Konfirmation im Städli

Bilder der Konfirmation

Zehn junge Menschen aus Diessenhofen erlebten bei strahlenden Sonnenschein am letzten Sonntag im Monat Mai ihre Konfirmation. Der Jahrgang 2020-21 wurde dabei in zwei Gruppen unterteilt, um den Corona-Bedingungen gerecht zu werden. In grosser Freude veranstaltete die reformierte Kirchgemeinde nacheinander zwei festliche Morgenveranstaltungen in der Stadtkirche, in denen jeweils fünf Jugendliche eingesegnet wurden im Namen des dreieinigen Gottes.

Zehn Gebote

Das Thema beider Gottesdienste, die jeweils parallel ins Kirchgemeindehaus übertragen wurde, lautete: „Lebensregeln für den Weg in die Zukunft.“ Die zehn jungen Leute trugen die zehn Gebote des alten Testaments mit Erläuterungen Martin Luthers vor, zusammengefasst im Prinzip der Nächstenliebe und anschaulich dargestellt in Form eines Theaterstücks, welches das Gleichnis vom barmherzigen Samariter eindrucksvoll in Szene setzte. Gekonnt führten die Konfirmanden das Drama jenes ausgeplünderten und schwerverletzten Reisenden vor Augen, der zwischen Jericho und Jerusalem unter die Räuber fiel. Tragischer Tiefpunkt war dabei das mitleidlose Vorbei-Gehen zweier Scheinheiliger. Kraftvoller Höhepunkt hingegen war der verantwortungsbewusste Einsatz des Samariters, der alles tat, was in seiner Macht stand, um möglichst praktisch und unkompliziert die Not zu lindern.

Himmlischer Helfer

An diese szenische Vorführung knüpfte Pfarrer Gottfried Spieth in seiner Predigt an. Er schilderte den Übergang vom kindlichen Spiel zum Ernst des Lebens. Dabei verschwieg er die Gefahren nicht, die auf die jungen Freunde zukommen könnten. Krisenerfahrungen seien Teil der vollen Lebenswirklichkeit, in die sie nun einträten. Zugleich betonte Spieth die Hilfe von oben, die durch ein Stoßgebet von unten herbeigerufen werde: „Je schwieriger deine Lage ist, desto näher ist dir jener wirklich heilige Samariter, der zum grossen Freund deines Lebens wird und Jesus Christus heisst.“

Befestigung im Glauben

Jael Mascherin, Präsidentin der Kirchgemeinde, begrüsste die zehn neuen Kirchbürgerinnen und Kirchbürger herzlich und lud zur praktischen Mitarbeit in der Gemeinde ein. Sie verwies auf die geistliche Tragweite der Konfirmationshandlung und umschrieb diese – getreu der lateinischen Ursprungsbedeutung – mit den Worten: „Befestigung und Stärkung im Glauben“.
Zusammen mit Doris Greim, die die junge Mannschaft gemeinsam mit Pfarrer Spieth im vergangenen Oktober auf dem Lager in Meersburg begleitet hatte, überreichte Frau Mascherin den zehn jungen Menschen eine Rose als Zeichen der Wertschätzung. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden antworteten mit einem herzlichen Dank an Eltern, Grosseltern und Paten für die hilfreiche bisherige Wegbegleitung.

Glaubensfrohe Stimmung

Musikalisch wurden beide Gottesdienste durchflutet von klassischen Orgeltönen. Sie wurden dynamisch dargeboten von Annedore Neufeld und vermittelten eine feierliche Atmosphäre im Gotteshaus. Zeitgenössische Lieder mit geistlichem Tiefgang, gesungen und gespielt von der Jugendband unter Leitung von Dan Schmid, sorgten für eine ebenso gelöste wie glaubensfrohe Stimmung. Mit segensreichen Empfindungen klangen die beiden denkwürdigen Gottesdienste aus.

Glaubensstark wie Hanna

Beterinnen und Propheten in der Diessenhofer Stadtkirche

Die Schönheit und Würde des alten Testaments leuchtete in den beiden Jugendgottesdiensten auf, die sich vergangenen Freitagabend in der Diessenhofer Stadtkirche ereigneten. Die Gestalt der Hanna stand im Mittelpunkt – also jene volkstümliche Segensträgerin aus der Frühzeit Israels, die zur Mutter des später weltberühmten Propheten Samuel wurde. Die Moderatoren sowie die Sängerinnen und Sänger der Band waren auf dieses geheimnisvolle Szenario eingestellt. Das Dekorationsteam hatte Erstaunliches geleistet und ein Bühnenbild geschaffen, das die Welt des alten Testaments stimmungs- und gefühlsmäßig mitten hinein in die Diessenhofer Stadtkirche projizierte.

Kleine Anfänge und große Wirkungen

Das Schülertheater führte vor Augen, wie Hanna in der Stiftshütte – dem Vorgängerbau des salomonischen Tempels – auftaucht und dort eindringliche Gebete verrichtet. Vor der farbenprächtigen Kulisse des Zeltheiligtums wurde gezeigt, wie diese einfache Frau aus dem Volk zu einer Gebetskämpferin wird, die mit unerhörter Energie ihr Anliegen an höchster Stelle formuliert. Anschaulich wurde ihr zunächst noch rein privates Problem szenisch vor Augen geführt, dessen Lösung durch Gottes Eingriff weitreichende Folgen für die Weltgeschichte mit sich bringt.
Gekonnt spielten die jugendlichen Darsteller, wie sehr die kinderlose Hanna unter den Demütigungen ihrer gebärfreudigen Konkurrentin Pennina leidet. In einem umso freundlicheren Licht beleuchtete das Schülertheater die dankbare Gesinnung Hannas: Nachdem sie tatsächlich einen Sohn namens Samuel bekommen hat, weiht sie ihn dem geistlichen Dienst und übergibt ihn der Obhut des Hohenpriesters Eli.
Geheimnisvolle Stimme in der Nacht
Die jugendlichen Darsteller präsentierten sodann ein nächtliches Erlebnis des jungen Samuel während seiner Ausbildung zum Priesterberuf: Wie die Öllampe noch brennt, als der Junge sich an seinem Schlafplatz im Zentralheiligtum niedergelegt hat, während hoch droben am Himmel die Sterne funkeln. Wie Samuel dreimal eine geheimnisvolle Stimme hört und diese zunächst für den Anruf seines Lehrmeisters Eli hält, bis er erkennt, dass Gott selber mit ihm spricht.

Hören und Handeln

Während Gott damals direkt mit dem jungen Samuel geredet habe, spreche er zu uns heutigen Leuten eher indirekt, aber nicht weniger wirksam, unterstrich Religionslehrerin Karin Schmid in ihrer Predigt. Gott tue das durch Bibel und Predigt, aber auch durch Gedanken, die wir in unserem Herzen bewegen. Oder durch die Natur, die wir beobachten. Aus dem Hören folge die Bereitwilligkeit, den göttlichen Vorschlägen zu folgen. Beispielgebend sei der junge Samuel mit seiner Antwort an Gott: „Rede, HERR, ich höre. Ich will tun, was du sagst.“

Gebet als nachhaltige Schlüsselerfahrung

Ausdauerndes Beten könne mit der Zeit einen Segensstrom auslösen, fuhr Karin Schmid fort, das Beispiel der Beterin Hanna aufgreifend. „Gib niemals auf, wenn du für etwas betest. Jedes Gebet ist wie ein Same, den wir in den Boden pflanzen, und irgendwann geht es auf.“ Gott registriere aufmerksam die Stimme einer jeden Beterin und eines jeden Beters. Das gehe so weit, dass Gott jede einzelne Träne zählt, die auf Erden geweint wird. „Gott sammelt sie alle auf. Er hat alles gesehen in deinem Leben. Er weiss, was dich traurig macht.“ Laut Karin Schmid kommt darin die Wertschätzung zum Ausdruck, die Gott jedem einzelnen Menschen erweist, der seine Not an höchster Stelle ausbreitet.
Frau Schmid legte Wert auf die Bereitschaft, eine gesteigerte Aufmerksamkeit für Gottes Stimme zu entwickeln. Entscheidend sei, sich die überwältigende göttliche Kraft vor Augen zu halten, wurde betont unter Verweis auf 1. Chronik Kapitel 29, Vers 11: „Du, HERR, besitzt Grösse, Kraft, Ruhm, Glanz und Majestät. Alles, was im Himmel und auf der Erde lebt, ist dein. Du bist König, der höchste Herrscher über alles.“

Spielerischer Zugang zur Wahrheit

Auch das gesellige Spiel kam in beiden Veranstaltungen nicht zu kurz. Ein kleiner Wettbewerb regte die Zuhörer zum Training des Hörvermögens an. Von klanglicher Seite untermalte die Jugendband unter Leitung von Dan Schmid, verstärkt durch Bassgitarrist und Impulsgeber Daniel Peyer, die Anregungen des Abends. Der nächste Anlass in dieser Reihe ist am 06. Juli. Dann wird das Thema „Noah“ von der Jugendgruppe der evangelischen Kirchgemeinde Schlatt präsentiert.

Jugendtreff mit Vater Abraham

Landverheissung und Kindersegen

Zwei Diessenhofer Jugendgottesdienste am Dienstagabend mit Ausstrahlung in die gesamte Region waren dem Thema „Abraham“ gewidmet. In beiden Veranstaltungen spielten junge Leute aus Basadingen-Schlattingen-Willisdorf ein Theaterstück aus alttestamentarischer Frühzeit – mit einem Nomadenzelt, farbenfrohen Kostümen und einer souveränen Stimme aus dem Hintergrund, die den Ruf von ganz oben symbolisierte. Eindrucksvoll führten die Darsteller vor Augen, wie der bereits betagte Viehzüchter Abraham aus dem Morgenland mit seiner ebenso in die Jahre gekommenen Gattin Sara zu einem überlangen Fußmarsch ins Land der Verheissung aufbricht, durch führungsstarke Befehle des Herrn bewegt. Aufwendig setzten die Schüler in Szene, wie der Wanderer, endlich am Ziel angekommen, zwei steinerne Altäre aufschichtet, um dem göttlichen Weltenlenker für die erfolgreiche Reiseleitung zu danken – worauf er in sternenklarer Nachtvision aufgeklärt wird über die grosse Zukunft seiner Familie.

Sodann präsentierten die Darsteller einen allerhöchsten Besuch in Gestalt dreier geheimnisvoller Männer, die urplötzlich vor Abrahams Zelt auftauchen. Gekonnt vermittelten die jungen Akteure diesen wuchtigen Auftritt, aber gleichzeitig den humorvollen Zwischenton, mit dem die göttlichen Besucher Sara in ein ebenso ernstes wie unterhaltsames Gespräch verwickeln. Und zwar worüber? Über den zu erwartenden männlichen Nachwuchs. Dieser kommt binnen Jahresfrist tatsächlich zur Welt.

Ertrag des Glaubens  

Diese Szenen aus dem alten Testament bahnten Religionslehrerin Karin Schmid den Weg zu ihrer Predigt. Thema war das genaue Hinhören und vertrauensvolle Handeln. „In Bibel und Naturereignissen, aber auch durch menschliche Worte und Lieder vernehmen wir Gottes Stimme“, betonte Frau Schmid. Abraham habe dem göttlichen Anruf den Vorrang gegeben vor anderen Einflüssen. Im Gebet habe er seiner Überzeugung Ausdruck verliehen, dass bei Gott „kein Ding unmöglich“ ist (1. Mose Kapitel 18, Vers 14). Überzeugt von der fehlerlosen Zielstrebigkeit, mit der Gott die beschlossenen Pläne durchzieht, habe sich Abraham dieser optimalen oberen Führungskraft anvertraut.

„Wer sich für einen solchen Glaubensweg entscheidet, muss allerdings auch Wagnisse eingehen“, räumte Frau Schmid ein. Ein solches Wagnis geschehe jedoch nicht ins Blaue hinein, sondern habe seine guten Gründe. Das sei ähnlich wie bei einem Fallschirmspringer, der beim Absprung auf die Zuverlässigkeit seines Materials setzt. Frau Schmid bat die jugendlichen Zuhörer eindringlich, den zuverlässigsten Autoritäten des Universums – nämlich Gott und seinem Sohn Jesus – jenen obersten Platz in unserem Leben zu geben, der ihnen gebührt. „Wer diesen Schritt tut, darf mit grosser Belohnung rechnen“, versicherte sie. Gott überlade und überschütte glaubende Menschen mit guten Dingen und Erfolg – auch wenn er ihnen Schwierigkeiten auf dem Weg nicht erspare. Das Vertrauenslied „Der Herr segne dich“, von der Band in die Herzen des Publikums hineingesungen, vertiefte die freundliche Einladung, auf Gottes Stimme aufmerksam zu lauschen und entsprechend zu antworten.

Preiswürdiger Einsatz für die Jugend

Die Band unter Leitung von Dan Schmid erfüllte den Abend mit mitreissenden Liedern, Begleitmelodien und ausgereiften Klangbildern zur Ehre Gottes. Schülergruppen für Spiel, Theater, Dekoration, Moderation und Werbung waren verantwortlich für das rundum gute Gelingen.

Präsidentin Jael Mascherin berichtete in einem Grusswort von einem Wettbewerb, den die Evangelische Landeskirche Thurgau seit 2020 für engagierte Jugendarbeit ausschreibt. Dieses Jahr habe die reformierte Kirchgemeinde Diessenhofen mit ihrem Projekt „Youth Church“ unter dem Motto „Junge Talente fördern und fordern“ den zweiten Preis mit einem Preisgeld von 1000.- Franken gewonnen. Sie dankte Projektleiterin Karin Schmid mit Blumen für den geleisteten Einsatz.

Die zwei Abendgottesdienste für die 5. bis 7. sowie für die 8. und 9. Klasse wurden von Pfarrer Rolf Roeder (Basadingen-Schlattingen-Willisdorf) mit dem Unser Vater und Segen beschlossen. Die nächsten beiden Veranstaltungen dieser Reihe sind am Freitag 28. Mai zu dem Thema „Hanna“.

Junge Talente fördern und fordern

Thomas Alder, Fachstelle Jugendarbeit, Evangelische Landeskirche des Kantons Thurgau

Zum zweiten Mal nach 2020 verleiht die Evangelische Landeskirche Thurgau dieses Jahr einen Impulspreis für engagierte Jugendarbeit in den Kirchgemeinden. Der kreative Jugendgottesdienst «Youth Church» der Region Diessenhofen holt sich den zweiten Platz.

Was als wenig motivierender Jugendgottesdienst im Stuhlkreis begann, ist heute ein generationenübergreifender Anlass in der Stadtkirche Diessenhofen, der von rund 100 Personen besucht wird. «Wegen der Beschränkung der Anzahl Personen finden aktuell zwei Jugendgottesdienste hintereinander statt», sagt Jael Mascherin, Präsidentin der Evangelischen Kirchgemeinde Diessenhofen und Ressortleiterin von Kirche, Kind und Jugend. Und die Anzahl der Besucherinnen und Besucher werde im Moment voll ausgereizt, fügt Mascherin zufrieden an.

Auch bei Auswärtigen beliebt

Dass die acht Mal im Jahr stattfindenden Jugendgottesdienste sogar bei Auswärtigen sehr beliebt seien, habe mit der Vielfalt des Anlasses zu tun. Nebst den liturgischen Elementen wie Gebet oder Predigt gibt es etwa Musik von einer Band, Tanz und Theater. Möglich machen dies die verschiedenen Arbeitsfelder, für die sich die Siebt-, Acht- und Neuntklässler engagieren können. Dabei können sich die Jugendlichen entsprechend ihren Talenten für Dekoration, Technik, Moderation, Theater, Band, Verpflegung und Werbung einbringen. Einzig das Arbeitsfeld Chor konnte laut Mascherin bisher leider nicht umgesetzt werden.

Mut zur Selbstpräsentation

Die Gesamtleiterin und Jugendarbeiterin Karin Schmid schreibt für jeden der acht Jugendgottesdienste ein neues, schülergerechtes Theaterstück, das von den Jugendlichen vorbereitet und geprobt wird. «Die grosse Herausforderung dabei ist, dass sich die Jugendlichen getrauen, sich im öffentlichen Raum zu präsentieren», sagt Mascherin. Entsprechend schön sei es zu sehen, wie die Jugendlichen sich in dieser Zeit entwickeln und Selbstvertrauen gewinnen. Ein weiteres Ziel sei es, die Jugendlichen aus Diessenhofen und Basadingen-Schlattingen-Willisdorf sowie Schlatt dazu zu ermuntern, sich nach der Konfirmation als Gruppenleiter zur Verfügung zu stellen. Mascherin sagt dazu: «Wir wollen die Jugendlichen fördern und fordern.» Dass die Evangelische Kirchgemeinde Diessenhofen mit diesem Projekt nicht nur Jugendliche, sondern auch deren Eltern und Grosseltern begeistern kann, freut Mascherin umso mehr. Es sei eine ermutigende und kreative Art für die Jugendlichen, Gemeinschaft zu erleben, Gott zu feiern und eigene Talente zu entdecken.

Weitere Informationen unter: www.evang-tg.ch/impulspreis

Jugendgottesdienst – Stark wie Lydia

Die Kraft der Umkehr: vom Glauben zum Leben

Am vergangenen Dienstag erlebte die Diessenhofer Stadtkirche einen abendlichen Höhepunkt: Die Nachricht von Jesus Christus wurde mit voller Präsenz vor Augen geführt. Dies geschah in zwei Jugendgottesdiensten für die 5. bis 7. sowie für die 8. und 9. Klasse. Zur prächtigen Stimmung trug die Band bei, die unter Leitung von Dan Schmid schwungvolle Klänge erschallen liess. Einzelne professionelle Sängerinnen traten solistisch auf. Bassgitarrist Daniel Peyer und Roger Benz, Jugendbeauftragter im Vorstand der Kirchgemeinde Schlatt, schilderten den Nutzen des Glaubens: Der sei so praktisch, dass ihn jeder testen könne. Es gebe nichts Grösseres und Besseres. Dieser Glaube sei jederzeit verfügbar und überall anwendbar im tagtäglichen Dasein.

Farbenfrohes Schülertheater

Ein Schülertheater in herrlich bunten Kostümen zeigte die Apostel Paulus und Silas: Wie sie Lydia, eine aus dem Morgenland stammende und in Griechenland reich gewordene Purpurhändlerin, zur Taufe bewegen. Eindrucksvoll wurde Lydias Schlüsselerlebnis dargestellt: Wie Paulus sie am Ufer eines Flusses über die unwahrscheinlichen Chancen informiert, die Christsein mit sich bringt.

Auch der Gefängnischef der nordgriechischen Stadt Philippi spielte eine Rolle im Schauspiel der Schüler: Gerade noch wegen Verletzung seiner beruflichen Wächterpflicht dem Selbstmord nahe, leuchtet ihm jetzt ein helles Licht, und heilsames Wasser fliesst. Seine überraschende Taufe folgt auf eine Nacht voller Erschütterungen und geborstener Gefängnismauern. Die Apostel, zu Unrecht gefangen gesetzt, hatten ein mitternächtliches Lobgebet an Gott gerichtet – wodurch dieses Wunder ausgelöst wurde.

Längsbalken des Kreuzes

Im Mittelpunkt der Predigt von Religionslehrerin Karin Schmid stand – passend zur Passionszeit – das Kreuz. Das Dekorationsteam hatte zwischen den Säulen des Kirchenschiffs eine Girlande aus Dutzenden von Wimpeln mit aufgemalten Kreuzen ausgespannt. Frau Schmid betonte unsere Längsverbindung nach oben, symbolisiert durch den senkrechten Kreuzesbalken: „Hierdurch wird Gott als Freund und Helfer der Menschen sichtbar. Diese Botschaft hat Paulus als erster in Europa verbreitet. Modebewusste Frauen wie Lydia und praktisch veranlagte Männer wie der Sicherheitsbeamte aus Philippi sind zur Überzeugung gelangt, dass die Taufe zu einem neuen Anfang verhilft.“

Bei uns sei die Kindertaufe üblich, die durch die Konfirmation bekräftigt wird. Frau Schmid verglich dies mit einem Reinigungs­bad, bei dem ein tiefschwarz verschmutztes T-Shirt schneeweiss gewaschen wird: „Lydia wollte mit ihrer Taufe dieses Zeichen setzen: Ja, ich glaube, dass Jesus mich rettet von meinen Fehlern und mir ein ewiges Leben bei Gott schenkt. Wer diesen Glauben annimmt, gehört zur Familie von Gott. Der ist ein Kind Gottes und darf eine ewige Verbindung mit Gott haben. Dies kann jeder und jede von uns am heutigen Abend durch ein Gebet erfahren.“

Querbalken des Kreuzes

Das Kreuz hat auch einen Querbalken, wie die Religionspädagogin weiter ausführte: „Der Glaube an Jesus ist eine Beziehung in den Himmel, aber auch eine Bezie­hung zu unseren Mitmenschen.“ Die waagerechte Richtung werde verwirklicht in Energien, die der Glaube freisetzt zur Verstärkung der jungen Gemeinschaft. Dadurch fliesse ein vielfältiger Segensstrom in das Gesamtleben der drei Kirchgemeinden Diessen­hofen, Basadingen-Schlattingen-Willisdorf und Schlatt.

Was sich in beiden Jugendgottesdiensten ereignete, war Religion zum Anfassen und Glaube zum Leben. In froher Atmo­sphäre verliessen die Schülerinnen und Schüler am Dienstagabend die Stadtkirche. Sie nahmen zielführende Impulse mit nach Hause und in die kommenden Wochen.

 

Vorweihnachtliche Jugendstimmung in Diessenhofen

von Pfarrer Gottfried Spieth

Das Städtli erlebte am Dienstagabend gleich zwei Jugend­gottes­dienste. Zunächst gross geplant, wurden sie unter Corona-Bedingungen in viel bescheidenerem Umfang verwirklicht. Dennoch zogen sie eine ganze Reihe von Interessenten an. 50 Personen waren für jede der beiden Veranstaltungen um 19.oo (5. bis 7. Klasse) und 20.oo (8. und 9. Klasse) zugelassen. Die jungen Besucher kamen aus den Kirchgemeinden Diessenhofen, Schlatt und Basadingen-Schlattingen-Willisdorf in die Stadtkirche.

Drei kluge Köpfe

Auf dem Vorplatz waren – wie im Vorjahr – ein lebendiges Kamel zum Aufsitzen sowie echte Esel und Schafe in einem aufgebauten Holzstall vorgesehen. Diese Attraktion muss auf die Adventszeit 2021 verschoben werden, kündigten die beiden Moderatoren an, die sachkundig durchs abendliche Programm führten.

Thematisch ging es um drei kluge Männer von fürstlichem Rang, die – wie Dan Schmid, der Leiter der Band, ausführte – aus dem Zweistromland kamen und 1200 km auf einem mühseligen Karawanenzug zurücklegten. „Sie wollten in Bethlehem den neugeborenen König des Friedens besuchen“, so Dan. „Sie liessen es sich ordentlich etwas kosten, dieses Anliegen zu verwirklichen, denn sie wussten: Darauf kommt es an – und auf nichts anderes.“

Vorrang des Friedens

Schauspieler aus der 7. bis 9. Klasse führten humorvoll die Geschichte der lobpreisenden Engel, Hirten auf dem Felde und Weisen aus dem Morgenland vor Augen, umrahmt von Lichtern, Sternen und Kerzen, vom Dekorationsteam geschmackvoll im Kirchenraum ausgebreitet. Im Mittelpunkt des Theaters stand die Kernbotschaft des Engels: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“

Mit viel Schwung trugen zwei Solistinnen altvertraute wie zeitgemässe Weisen vor, darunter „Engel bringen frohe Kunde“ und „O du fröhliche“. Schlagzeug, Bassgitarre, Klavier und E-Gitarre lieferten die passende Begleitung. Die Mischung aus verschiedenen Stilrichtungen traf gefühlsmässig die vorweihnachtliche Erwartung der jungen Gemeinde. Ein fröhlicher, rhythmisch bewegter Akzent wurde gesetzt. Der Abend verlief in einer angenehmen Leichtigkeit des Daseins und formte einen Kontrast zu der verhaltenen Stimmung, die sonst derzeit herrscht.

Prediger des Abends war Dan Schmid in Vertretung seiner Frau, der erkrankten Religionslehrerin Karin Schmid. Ohne viel Umschweife kam er auf Christus zu sprechen. Er redete die jungen Leute persönlich an und trat in einen Dialog mit ihnen ein. Er bot ihnen jenen Frieden an, der von Jesus stammt. „Gerade dann, wenn wir meinen, cool und lässig daher zu kommen, geraten wir aus dem Gleichgewicht. Unsere Lebensängste schreien förmlich nach der Person, die das Chaos in Frieden wandeln kann.“

Ruhe im Sturm

Schmid forderte die Zuhörer heraus, nachzuden­ken über ihre Lage: „Wollt ihr Ordnung oder Chaos, Frieden oder Streit? Hast du diesen Gegensatz erlebt, oder ist dir das alles gleichgültig?“ fragte er. Als Beispiel für Chaos erwähnte er Hurricans, die in den USA oft eine Schneise der Verwüstung anrichten und Autos und Hausdächer in die Luft schleudern. Über den Wolken aber sehe das „Auge des Sturms“ fast friedlich aus. Dieser Blickwechsel sei enorm wichtig, betonte der Redner. Er bat die Hörer, sich gedanklich in die obere Position zu versetzen: „Dann kannst du die Dinge ruhiger angehen.“

Unsere seltsame Zeit voll ungewohnter Einschränkungen sei erfüllt von Sehnsucht nach Frieden, der aber erkämpft sein will, betonte Schmid unter Berufung auf einen Mann, der noch stärkere Krisen besiegen musste als wir, um Frieden zu erringen. „Das war König David, der tausend Jahre vor Jesus lebte. Er kämpfte mit Löwen und Bären und dem Riesen Goliath. Im Namen Gottes erzielte er Frieden und Gerechtigkeit.“ Zum Schluss bat Dan Schmid seine jungen Hörer, mit ihm das Friedensgebet des Franz von Assisi zu beten: „Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens …“

Jael Mascherin, Präsidentin der reformierten Kirchgemeinde Diessenhofen, organisierte sodann den geordneten Auszug aus der Kirche. Beschenkt mit einem kleinen Präsent, verliessen die Schüler klassenweise den Kirchenraum. Sie hielten sich nicht auf dem Vorhof auf, sondern gingen ruhig nach Hause. Vertraute Lieder, Bibelworte und Bilder prägten diesen Abend, achtsam dargeboten in Einstimmung auf eine schwierige und doch mach­bare Zeit, die vor uns liegt. Mit dem gemeinschaftlichen Gefühl des Vertrauens darauf, dass Jesus mit seinem Frieden mitten unter uns ist, endeten diese beiden denkwürdigen Jugendgottesdienste.

Konfirmation 2020 – Startschuss für eine neue Lebensphase

Mit ihrer Konfirmation in der Stadtkirche erlebten vier junge Diessenhofer den Start in einen neuen, anspruchsvollen Lebensabschnitt. Der Ersatztermin am letzten Septembersonntag war nötig geworden, weil die Anfang Juni geplante Feier coronabedingt ausfallen musste. Umso herzlicher begrüsste nun Jael Mascherin, Präsidentin der Kirchgemeinde, die jungen Freundinnen und Freunde: Mit der Konfirmation komme der Weg, der in der Taufe angefangen und im Religionsunterricht seine Fortsetzung gefunden habe, an sein Ziel. Wie Frau Mascherin weiter ausführte, markiert dieses Fest zugleich den Einstieg und Übergang in das Leben als Erwachsene, verbunden mit der vollwertigen Mitgliedschaft in der reformierten Kirchgemeinde.

Taufsprüche

Pfarrer Gottfried Spieth zog in seiner Predigt ebenfalls eine Linie von der Konfirmation zurück zur Taufe. Der damalige Tauftag sei ein besonderer, ja heiliger Tag gewesen, herausgehoben aus der Masse der sonstigen Tage und Jahre. Dem aussergewöhnlichen Anspruch der Taufe trage der sinnstiftende Taufspruch Rechnung. Pfarrer Spieth rief die Themen jener vier Verse in Erinnerung, die die Eltern vor rund 15 Jahren für ihre Sprösslinge ausgesucht hatten: Gotteskraft und Engelschutz auf dem Weg in eine neue Zeit (Psalm 91,11 und 121,8), Klarheit der Augen und heile Erscheinung der Person (Matthäus 6,22), „himmelweite“ Güte und „wolkenweite“ Wahrheit (Psalm 36,6).

Konfirmandenverse

Die inhaltliche Linie der Taufverse hat sich laut Pfarrer Spieth weiterentwickelt in den Konfirmandensprüchen. Diese hatten die jungen Leute im Vorfeld selber ausgesucht. Sie erläuterten sie nun mit Hilfe von Bildbetrachtungen. Dabei ging es um Ängste und ihre Überwindung (Römer 12,21). Sodann um Mauern, die mit Gottes Hilfe übersprungen werden können (Psalm 18,30). Und schliesslich ging es um eine grenzenlose Liebe. Sie helfe uns, allfällige Schwächen und Zweifel zu überwinden durch ein gemeinsames Handeln (1. Korinther 16,14 und 2. Timotheus 1,7).

Die vier jungen Menschen kommentierten ihre Konfirmandenverse folgendermassen: „In meinen Augen ist wie das Universum auch die Liebe und Gott endlos,“ führte Leonie Lüders aus. Gott bestrahle uns mit seiner Liebe „genauso wie die Sonne den Mond mit Licht bestrahlt, an hellen wie auch an dunklen Tagen.“ Alessia Brütsch legte besonderen Wert auf die Gemeinschaft in Familie und Freundeskreis, mit deren Hilfe man praktisch „alles erreichen“ könne. Natürlich sei auch jeder einzelne gefragt: „Wenn ich meine Stärken nutze und nicht wegen meinen Schwächen zweifle, wird mir alles viel leichter fallen,“ betonte sie. Manuel Rütimann verstärkte diesen Gedanken auf mutmachende und motivierende Weise. Er forderte dazu auf, „dass man nicht vor seinen Ängsten wegrennen, sondern sie überwinden soll, auch wenn es schwierig ist.“ Timo Reutimann ging näher auf diese Hindernisse ein, die urplötzlich auftauchen. Er gab den Rat: „Die Mauer kann noch so hoch sein, aber Gott bringt mich meistens rüber.“ Das gelte auch dann, wenn die Mauer Löcher hat. Dann könne man sich „gleich noch kurz durchschleichen“ oder „Abkürzungen nehmen“, um das Ziel schneller zu erreichen.

Festklänge und Glaubensbeziehung

Die Jugendband unter Leitung von Dan Schmid eroberte die Herzen wie im Flug. Die warm und einfühlsam vorgetragenen Lieder schilderten die Glaubensbeziehung zu Jesus als das natürlichste von der Welt. Die Liedtexte mit ihrer tiefreligiösen Ausstrahlung regten zu einem verinnerlichten Nachdenken an. Die Stadtmusik unter Leitung von Pavel Marcinak hingegen begeisterte mit schmissiger Marschmusik, beschwingten Rhythmen und flotten Melodien. Organistin Annedore steuerte festliche Orgelklänge und eine feinfühlige Klavierbegleitung bei. Damit hob sie den klassischen Charakter des Tages hervor. Messmer Andreas Birrer leistete eine ausgezeichnete Organisationsarbeit bei der Vorbereitung und Durchführung. Und die Konfirmanden richteten abschliessend an ihre Eltern, Paten und Grosseltern einen herzlichen Dank für die treue Wegbegleitung.

Im Anschluss an den Gottesdienst verblieb die Festgemeinde im Kirchenschiff. Weil es im Freien recht kalt war, wurden der auf dem Kirchhof geplante Apero sowie das Platzkonzert der Stadtmusik in das Innere verlegt. Hier klangen die Töne noch brillanter und der Apéro schmeckte womöglich noch besser als sonst. In gelöster Stimmung klang die Konfirmationsfeier in der Stadtkirche aus.

Youth Church wächst

Diessenhofer Jugendkirche wird ausgeweitet

Neue Chancen der Sinnvermittlung

Die Youth Church Diessenhofen ist ein attraktiver Ort: Junge Menschen aus dem Städtli und der Region treffen sich, um Gott zu loben. Ab dem neuen Schuljahr wird das Projekt auf den ganzen Bezirk ausgedehnt.

Wie sind die Ursprünge? Bis nach der Jahrtausendwende war es Brauch, dass sich Jugendliche nach dem Gemeindegottesdienst versammeln. Im Stuhlkreis nahm man Platz, hörte die biblische Unterweisung und sang Lieder, von der Gitarre begleitet. Doch die Zeiten ändern sich. Dank der neuen Medien wird alles vielfältiger und bunter, und die Besucher wollen tatkräftig einbezogen werden. Dies ist eine neue Aufgabe für alle, die Sinn stiften und den Horizont des Lebens erweitern – so auch für die Landeskirchen.

Die Evangelische Kirchgemeinde Diessenhofen stellt sich dieser Herausforderung. Seit vier Jahren investiert sie in einen schöpferisch anspruchsvollen Jugendgottesdienst. Die jungen Leute werden einzeln gefördert, setzen ihre Talente selbstbestimmt ein und feiern Gott auf ihre Art. Und die Arbeit ist gewachsen. Die Fünft- bis Neuntklässler, oft mit Grosseltern, Eltern und interessierten Gemeindemitgliedern, nehmen begeistert an den Jugendanlässen teil. Bis zu hundert und mehr Besucher werden gezählt.

Regionales Gemeinschaftsgefühl

Seit rund zwei Jahren beteiligt sich auch die evangelische Kirchgemeinde Basadingen-Schlattingen-Willisdorf und hat sich sehr gut integriert. Und jetzt kommt die Kirchgemeinde Schlatt dazu. Die Ausweitung bietet enorme Vorteile: Ressourcen werden geteilt, der Glaube wird auf breiterer Grundlage erfahren, die Gemeinschaft der ganzen Region wird erlebt. Denn Jugendliche bewegen sich gern im grösseren Rahmen. Das stärkt ihr Lebensgefühl, zusammen unterwegs zu sein. Genau dafür bietet die Diessenhofer Stadtkirche einen hervorragenden Treffpunkt, zumal sie entsprechende technische Einrichtungen hat.

Pfarrer Gottfried Spieth fördert diese Arbeit. Er will, dass zahlreiche Jugendliche die Botschaft Jesu mit allen Sinnen wahrnehmen und konsequent in ihr Leben umsetzen. Deshalb gibt er dem Team viel Gestaltungsfreiheit. Er unterstützt den Jugendgottesdienst jeweils mit einem Gruss- und Segenswort sowie durch Gespräche mit Eltern und Grosseltern beim anschliessenden Apéro. In derselben Weise ist Pfarrer Rolf Roeder (Basadingen-Schlattingen-Willisdorf) seit zwei Jahren dabei, ab dem neuen Schuljahr auch Pfarrerin Sabine Aschmann (Schlatt).

Gott jugendgemäss erfahren

Das Geschehen rund um die Diessenhofer Jugendkirche hat längst eine Eigendynamik entwickelt. Es geht ja nicht „nur“ um den Gottesdienst. Vielmehr ist eine breit aufgestellte Jugendarbeit erwachsen. Gezielt werden Begabungen in folgenden Vorbereitungsgruppen gefördert: Theater, Band, Tanz, Technik, Werbung, Dekoration, Moderation, Verpflegung. Karin Schmid und Jael Mascherin leiten diese Gruppen. Beim computergestützten Schreiben des Drehbuchs, bei Fotografie, Bildmontage und Flyer-Gestaltung, beim Filmen, Malen, Werken, Basteln, Rollenspiel und Musizieren ergeben sich zahlreiche Kontakte. Die Jugendlichen haben erfahrene Ansprechpersonen, mit denen sie über ihre Alltagserlebnisse ins Gespräch kommen. Immer wieder folgt daraus eine vertiefte Debatte über Glaubensfragen.

Die neugewählte Diessenhofer Kirchenpräsidentin Jael Mascherin möchte, dass Jugendliche „ihren“ Ort haben, an dem sie Gott kennenlernen und miteinander Gemeinschaft pflegen. Karin Schmid legt Wert darauf, die biblische Botschaft kreativ und ansprechend zu übermitteln. „Gott ist kein alter Mann mit Bart“, betont sie, „sondern auch für die heutigen Menschen ein guter Vater, der uns in Liebe begegnet.“

Schülerchor und Konfirmation

Der musikalische Teil liegt in Händen von Dan Schmid. Er leitet die Youth Church Band, seit neuem verbunden mit einem Gospelchor. Im Hinblick auf das Christfest wird ein Schülerchor auf die Beine gestellt. „Weihnachten erleben“ wird wie letztes Jahr rund um die Stadtkirche in Szene gesetzt. Der Termin ist am 08.12.2020.

Die gottesdienstliche Mithilfe der Jugendlichen ist ein wesentlicher Baustein auf dem Weg zu ihrer Konfirmation. Darauf legen alle drei Kirchgemeinden besonderen Wert. Zudem sollen Konfirmanden als Jugendleiter herangebildet werden; ehemalige Konfirmanden helfen bereits jetzt im Bereich von Technik und Band. Der Startschuss für acht Jugendgottesdienste im Schuljahr 2020-2021 erfolgt am Dienstag 15. September 2020 zu dem Thema „König Salomo“.

Jugend-Gottesdienst „Queen Esther“

Königliches Gebet bewegt die Weltgeschichte

Packender Jugendgottesdienst in der vollbesetzten Stadtkirche Diessenhofen

Eine starke Stimmung herrschte in dem Jugendgottesdienst, der vergangenen Dienstagabend in der vollbesetzten Diessenhofer Stadtkirche ablief zu dem Thema «Queen Esther». Herz und Gefühle wurden in Wallung versetzt, denn es war grosses Kino, das hier stattfand. Mächtige Schlagzeugklänge mischten sich mit nachdenklichen Liedern. Auf geheimnisvolle, uralte Zeiten des persischen Weltreiches unter Grosskönig Xerxes I. richtete sich der Blick. Ein mitreissendes Theater und unterhaltsame Spiele, eine zielgerichtete Moderation und eindringliche Predigt, ein farbenfrohes Bühnenbild sowie prächtige Gewänder waren zu bestaunen. Die königliche Stimmung setzte sich anschliessend im Gemeindehaus fort bei einer dem Anlass entsprechenden Verköstigung.

Persien und Israel

Zunächst führten die jugendlichen Schauspieler jenen dramatischen Gegensatz zwischen Israel und dem Iran vor Augen, der sich bereits vor 2500 Jahren angebahnt hat: Wie der ranghöchste Beamte des persischen Königshofes einen Mordplan gegen das jüdische Volk ausheckt, aber buchstäblich in letzter Minute gestoppt wird – und zwar durch Esther, die jüdische Frau des Grosskönigs. Das Schülertheater stellte eindrücklich Esthers wagemutigen Einsatz dar: Wie sie an ihrem inneren Schmerz fast zerbricht, sich dann aber aufrafft und so lange betet und fastet, bis sie gegen alle damals gültigen Regeln es wagen darf, beim Herrn Gemahl vorzusprechen zugunsten ihres bedrohten Volkes. Ebenso treffend wurde von den jungen Darstellern die darauf folgende Umkehrung der Verhältnisse präsentiert: Wie der Hofbeamte zur Strafe für seine Machenschaften gehängt wird, während alle Juden im persischen Reich freigesprochen und in ihre vollen Rechte eingesetzt werden.

Der Hebel wird umgelegt

Sodann ging Religionslehrerin Karin Schmid auf die Frage ein, woher Esther unter grösstem Druck Mut gefunden habe, und gab zur Antwort: «Unsere Tränen haben Kraft. Gott tut etwas mit ihnen. Er sammelt unsere Tränen in seinem Krug und verwandelt sie in etwas Gutes». Ausgelöst durch unermüdliches Beten, habe Esther einen unwahrscheinlichen Energieschub gespürt. Dadurch habe sie es fertig gebracht, dieses enorme Risiko einzugehen und ihr Leben in die Waagschale zu werfen mit den Worten: «Komme ich um, so komme ich um» (Esther 4, 16). Die Predigerin schilderte darauf-hin die Widerstände, die sich bei jedem auftürmen können und an denen wir dann fast verzweifeln. Das Leben sei manchmal wie ein sperriger Rahmen, in den alles mögliche hineingepresst wird: Das Gefühl der Minderwertigkeit, innere Verletzungen, Einsamkeit, Zweifel. Die Angst stelle sich wie eine Blockade quer in den Raum. Doch gerade diese Angst sei es letztendlich, die uns dazu bringe, den einen entscheidenden Schritt zu tun: «Das Gebet ist der Schritt, der die Wende einläutet. In diesem Augenblick wird an höherer Stelle ein Hebel umgelegt. Der Durchbruch zum Besseren ist erzielt». Dazu er-zählte Karin Schmid eine eigene Erfahrung. Vor Jahren sei sie mit ihrer Tochter an der Jerusalemer Klagemauer gestanden. «In eine Ritze zwischen wuchtige Steinquader steckten wir einen Zettel mit aufnotierten Gebetsanliegen. Zentnerlasten fielen dabei von uns ab. Wir wussten: Unsere Sorgen sind jetzt platziert an der bestmöglichen Stelle, die es gibt im Himmel und auf Erden – bei Gott und seinem Sohn».

Zusammenarbeit mit Gott

Abschliessend arbeitete Karin Schmid heraus, wie wichtig es ist, dass möglichst jeder diesen Kontakt nach oben sucht: «Während wir beten, arbeiten wir eng mit Gott zusammen. Dabei erfahren wir seine ganze Wertschätzung». Diese Botschaft wurde musikalisch vertieft. Die Band unter Leitung von Dan Schmid sang und spielte allen Zuhörern ins Herz hinein, welch grossen Wert wir haben. Jeder konnte an diesem Abend auf irgend eine Weise spüren, wie wichtig er oder sie in Gottes Augen ist – und was es sich der Schöpfer kosten lässt, uns zu retten durch Jesus und sein Kreuz. Zur Bekräftigung dieser Tatsache trugen die Sängerinnen und Sänger ein Lied mit ungewohnt drastischen Worten vor: «Aus der Asche steigt die Hoffnung auf, der Tod ist besiegt, der König lebt. Du wartest im Himmel auf uns. Danke, Jesus».

Die Eindrücke des 11. Februar 2020 werden im Städtli in lebendiger Erinnerung bleiben.

Der nächste Jugendgottesdienst ist am 17. März und hat wiederum ein fürstliches Motto, nämlich «König Salomo».