Junge Menschen in der Passionszeit

Dramatische Szenen

Diessenhofen und die umliegenden Gemeinden erlebten am Dienstag einen Jugendgottesdienst zu dem Thema „Passion – unterwegs mit Jesus“. Schülerinnen und Schüler aus Basadingen, Schlattingen und Willisdorf hatten diesen Anlass vorbereitet. In ein geheimnisvolles blaues Licht getaucht, erstrahlte die Stadtkirche im abendlichen Halbdunkel. Moderation und Lieder waren auf diesen nachdenklichen Anlass eingestellt. Worte, Klänge und Melodien versetzten die jungen Leute mitsamt Eltern, Verwandten und Freunden in eine erwartungsvolle Stimmung.

Das Schülertheater spielte tragische Szenen aus den letzten Stunden, die Jesus Christus auf seinem irdischen Lebensweg beschritt. Das dargestellte Drama war geprägt von einer heftigen Kontrastwirkung zwischen Jesus und Petrus: Dieser leugnet dreimal, seinen Herrn zu kennen, und wird durch das zweimalige Krähen des Hahns in tiefe innere Verzweiflung gestürzt.

Feigheit und Mut

In seiner Predigt versetzte sich Diakon zur Anstellung Andreas Schlegel (Schlatt) in Petrus hinein und erläuterte den inneren Zwiespalt zwischen Mut und Feig-heit. Aus dieser inneren Notlage habe er durch eine Sinnesänderung heraus-gefunden. In der Rolle des Petrus wandte er sich an die versammelten Jugend-lichen mit den Worten: „Habt ihr auch schon einen ähnlichen Konflikt erlebt? Wie mag der ausgegangen sein? Jedenfalls gibt es einen Weg zu Gott zurück.“ Die Predigt gipfelte in dem Hinweis auf die königliche Würde, die Jesus aus-zeichnet. Gerade in der Stunde tiefster Erniedrigung habe Christus an dieser Würde festgehalten, die durch die Auferstehung glanzvoll bestätigt worden sei.

Gemütliches Dekor

Ein liebevoll buntes Dekor erfreute das Auge der Besucherinnen und Besucher. Die Gesangssolisten sassen vorn auf der Bühne auf gemütlichen Sesseln und anderen Sitzgelegenheiten inmitten eines wohnlichen Interieurs. Von dieser Wohnzimmeratmosphäre aus liessen sie ihre Lieder in das weite und grosse Kirchenschiff hinein erschallen. Der Sound der Band unterstützte diese Stimmung und wechselte zwischen weichen und kräftigen Klangfarben.

Anstelle des krankheitshalber verhinderten Hans Maurer (Missionswerk „Licht im Osten“) wies Religionslehrerin Karin Schmid auf die Kriegssituation in Ost-europa hin und warb um eine herzhaft-grosszügige Kollekte zugunsten ukrainischer Flüchtlinge. Mit einem schmackhaften Hotdog und in frohgemuter Geselligkeit wurde dieser abendliche Anlass abgerundet.

Die Welt zu Gast im Städtli

Gottesdienst für Generationen

Am vergangenen Sonntag veranstaltete die Generation Church Diessenhofen den zweiten Anlass dieses neugegründeten Formats. Leitmotiv war Jesu Aufruf aus dem Markusevangelium Kapitel 15,16: „Gehet hin in alle Welt“. An diesem Abend war jedoch auch die umgekehrte Bewegungsrichtung spürbar und sichtbar: Die Welt war zu Gast in der Stadtkirche.

Eine phantasievolle Dekoration mit leuchtenden Farbenspiel tauchte das Innere des Gottes-hauses in ein geheimnisvolles Licht wie bei einem Märchen von „Tausend und einer Nacht“, passend untermalt von dem Lied „My Lighthouse“ (Mein Lichthaus). Die Melodien, vorgetragen von der glänzend aufspielenden Band, erwärmten das Herz der Hörerinnen und Hörer zur Ehre Gottes. Auf der Leinwand wurden Bilder aus verschiedensten Himmelsrichtungen gezeigt: Aus Europa und Asien, aus dem Westen und dem nahen, mittleren und fernen Osten. Helferinnen und Helfer begrüssten die Besucher und vermittelten eine gastfreund-liche Atmosphäre. Einer der Höhepunkte war die Feier des heiligen Abendmahls.

Wanderer zwischen unterschiedlichen Lebenswelten

Hauptredner war Eno Demiral, Gründer und Leiter der Schaffhauser Missionsgesellschaft „Globale Nomads“ (Weltweite Wanderer). Dieses Hilfswerk arbeitet entlang der historischen Seidenstrasse, die den Balkan, die Türkei und den Iran mit Zentralasien und China verbindet.

Demiral gab einen Erfahrungsbericht. Bereits als Jugendlicher sei er, ermutigt durch einen unangepassten Klassenkameraden, aus seiner muslimischen Tradition aufgebrochen zu einer christlichen Existenz, ohne den kulturellen Zusammenhang mit seiner Familie zu verlieren.

Wichtig war dem Prediger ein niederschwelliger, gefühlsmässig leichtgängiger Zugang zu Gott und Christus. Meist stelle man sich die Hürden zu hoch vor, da der christliche Glaube oft mit einer ganz einseitig bestimmten europäischen Kultur verwechselt werde, gab Demiral zu bedenken. Dadurch werde der Zugang zum Glauben unnötig erschwert. Es gebe einen breit und lang angelegten Übergangsbereich von einer nichtchristlichen zu einer christlichen Lebensweise. Er selbst habe sich drei Jahre gegönnt, um – ausgehend von zarten Anfängen und bescheidenen Informationen – schliesslich den vollgültigen Kontakt zu Gottes Sohn zu finden.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Religionen

Geholfen habe ihm, dass Jesus auch im Koran eine ziemlich grosse Rolle spiele. Christus geniesse auch in der islamischen Religionsgemeinschaft einen hohen Stellenwert – wenn-gleich man zugeben müsse, dass das biblische Verständnis weit über muslimische Vorstellungen hinausreiche. Es gebe zwischen Islam und Christentum gewichtige Unterschiede neben allen vorhandenen Gemeinsamkeiten, betonte der Redner. Er selbst habe keine klassische „Bekehrung“ im Sinne eines Religionswechsels vollzogen. Vielmehr habe sich seine Beziehung zu Jesus sachte und langsam, dafür umso nachhaltiger entwickelt. Nach einer dreijährigen Übergangsphase habe er sich zur Taufe entschlossen und damit ein öffentliches Bekenntnis abgelegt.

Kraft der Gnade

Es sei im Grunde genommen einerlei, ob jemand aus einem europäischen, nahöstlichen oder asiatischen Hintergrund komme, gab der Prediger zu bedenken: Der Weg zu Christus sei für jeden Menschen machbar, gleichgültig, aus welcher kulturellen oder religiösen Prägung er stammt. Der Übergang zu Jesus gelinge dank der Gnade Gottes. Die persönliche Entwicklung des Glaubens gedeihe unter dem Einfluss der göttlichen Gnade.

Nach Fürbitte und Unser Vater erteilte Pfarrer Gottfried Spieth den Segen des dreieinigen Gottes an die Versammlung. Hernach kam der gemütliche Teil. Jael Mascherin, Präsidentin der Kirchgemeinde, war humorvolle Moderatorin und tatkräftige Organisatorin des reichhaltigen Aperó auf dem Vorplatz der Kirche. Mit einem ausgiebigen geselligen Beisammensein klang der fröhliche Frühlingsabend in und um die Stadtkirche aus.

Ökumenischer Suppensonntag im Städtli

Buntes Programm

Am vergangenen Sonntag erlebte der Bezirk Diessenhofen nach zweijähriger Corona-Pause endlich wieder den traditionell ökumenischen Suppensonntag. Dies geschah in der Stadtkirche in abwechslungsreicher Mischung aus festlicher Orgelmusik, einer Mundart-Lesung aus den Psalmen und zwei Wortbeiträgen über die urwüchsige Prophetengestalt des Elia, der von aufkommenden Frühlingsdüften überrascht wird. Es folgten solidarische Gebete für nahe und ferne Notleidende und alsdann in der Rhyhalle eine schmackhafte Suppe in glaubensfroher Gemeinschaft. Die Kollekte des Tages kam sozialmissionarischen Hilfsprojekten in der demokratischen Republik Kongo zugute, verantwortet von „Fastenopfer“ und „Brot für alle“.

Pfarrpersonen und kirchliche Mitarbeiter aus Diessenhofen, Schlatt und Basadingen-Schlattingen-Willisdorf führten diesen familiären Anlass in Zusammenarbeit mit Organistin Annedore Neufeld durch, die in ihren Improvisationen die Elias-Vertonung von Felix Mendelssohn-Bartholdy in berührender Weise anklingen ließ. Pfarrer Johannes Mathew war krankheitsbedingt verhindert und ließ herzliche Grüsse an die Festversammlung übermitteln. Pfarrer Rolf Röder und Pfarrerin Sabine Aschmann gestalteten Lesungen, Gebete und ein konfessionsübergreifendes gemeinsames Sprechen des apostolischen Glaubensbekenntnisses.

Harte Schicksalsschläge

Praktikant Martin Wieland stellte in bildgestützter Erzählung die Tragik des Propheten Elia vor Augen, der aus einem überwältigenden, freilich zugleich zwiespältigen Erfolg in tiefste Depression verfallen sei. Auch eine lange Pilgerreise zum Gottesberg Sinai habe seine Sinnkrise nicht überwinden können. Schliesslich sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als sich in eine Gebirgshöhle zu verkriechen. Dieses Prophetenschicksal bezog Wieland auf die bekannte Situation unter jung und alt, die entsteht, wenn beklemmende Zweifel übermächtig werden: „Vor wem oder von was laufen wir davon? Vielleicht vor einem strafenden Gott? Welches falsche Bild von Gott treibt uns an?“ Dann verwies Wieland auf das stille sanfte Säuseln, worin dem Propheten zu guter Letzt doch noch gezeigt worden sei, wie liebevoll nahe Gott den glaubenden Menschen ist, um sie mit neuer Kraft auszurüsten. „Gott überrascht uns mit dieser ungewöhnlichen Begegnung“, lautete die Schlussfolgerung.

Frühlingshafter Lufthauch

Diesen samtweichen Lufthauch nannte Pfarrer Gottfried Spieth in seiner anschliessenden Predigt einen „Kuss der göttlichen Liebe“ und verglich ihn mit dem Frühlingswehen, das uns umgibt. Dabei zitierte er ein Gedicht von Eduard Mörike: „Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.“ Offenbar habe es der Schöpfer Himmels und der Erde darauf angelegt, seine unendliche Allmacht ausgerechnet in weichen, sanften Formen zur Entfaltung zu bringen. Dies sei ein überraschender göttlicher Schachzug und Umschaltvorgang. „Wenn Gott kein reinigendes Sturmgewitter über diese Welt losbrechen lässt, wenn er weder in Blitz noch Donner zu finden ist, begegnet er uns aber umso eindringlicher in einem täglichen fünfminütigen Schweigen für den Frieden“, betonte Spieth.

Es folgte der Ratschlag, sich täglich einer solchen kurzen Gebetspause auszusetzen. Denn das ziehe Kreise. Erst täten dies einzelne Personen, dann Gruppen und Gemeinden und hernach womöglich die ganze Welt – mit ungeahnten Segensfolgen. „In der Stille begegnen dir stärkste Gotteskräfte auf langsame, geduldige, nachhaltige Art und Weise“, lautete der Predigtschluss mit Bezug auf ähnlich gelagerte Gedanken von Pastor Dave Jäggi anlässlich der Premiere der Diessenhofer Generation Church vor drei Wochen.

Gemeinschaftsfördernde Mahlzeit

An den Gottesdienst schloss sich das Suppen-Essen in der Rhyhalle an, das die katholischen und reformierten Besucherinnen und Besucher zu einem frühlingshaft-fröhlichen Miteinander vereinte. Eine schmackhafte Gemüsesuppe war von Mitgliedern der reformierten Diessenhofer Kirchenvorsteherschaft unter Leitung von Präsidentin Jael Mascherin zubereitet worden. Die diesjährigen Konfirmandinnen und Konfirmanden servierten diese köstliche Fastenspeise mit jugendlicher Freundlichkeit. Bei Kaffee und Kuchen, von fleissigen Gemeindegliedern gebacken und dargeboten, klang der lebensdienliche und hoffnungsfrohe Anlass in den sonntäglichen Nachmittagsstunden aus.

«Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben»

Weltgebetstag vom Freitag 4. März in Schlattingen

Rund dreissig Personen aus der Region feierten in der «Very British» geschmückten Kirche zeitgleich mit den sieben Regionen der Erde einen eindrücklichen Weltgebetstags-Gottesdienst. Die Verfasserinnen der Liturgie kamen dieses Jahr aus England, Wales und Nordirland. Ihnen war es wichtig, die Aufmerksamkeit auf ein umfassendes Gottesbild zu lenken, ein Gottesverständnis jenseits des Geschlechts. Darum wurde stets die Anrede «Gott, unsere Mutter und unser Vater» verwendet.

Die stimmungsvollen Lieder teils in Englisch, teils in Deutsch, untermalten die Thematik des Abends, einerseits beschrieben von Jeremia, das Volk Israel im Exil in Babylon und andererseits die aktuellen Probleme unserer Zeit. Zentral blieben dabei stets die kraft- und segensreichen Worte Gottes «Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben». Eine tröstende und stärkende Zusage, welche gerade in unserer krisengeprägten Zeit Mut macht aktiv zu sein, zu handeln, zusammen zu stehen und einander gegenseitig zu unterstützen.

Désirée Eicher-Uehlinger

Premiere der Generation Church

Erstaunliche Premiere im Städtli

Projekt „Generation Church“

Vergangenen Sonntag feierte Diessenhofen eine eindrucksvolle Premiere. Um 18.oo startete in der Stadtkirche ein zeitgenössischer Gottesdienst mit modernen Liedern zum Lobpreis Gottes, mit phantasievoller Dekoration und einer Kreativ-Predigt zu dem Thema: „Warum ist Gott nicht lauter?“ Dies war der Start des Projekts „Generation Church“ .

Mitreissende Atmosphäre

Schon die Vorbereitung am Nachmittag löste eine heitere Stimmung aus. 14 ehrenamtlich Mitwirkende in den Bereichen Band, Lied, Gebet, Licht- und Tontechnik, Dekoration, Verpflegung, Moderation, Segnung und Abendmahl arbeiteten Hand in Hand. Die gespannte Erwartung setzte sich nahtlos fort, als die Veranstaltung begann.

Jael Mascherin, Präsidentin der Kirchgemeinde, begrüsste die rund 50 Besucherinnen und Besucher, die aus Diessenhofen und umliegenden Gemeinden den Weg in die Stadtkirche gefunden hatten. Sie wurden in einer warmen Atmosphäre willkommen geheissen mit Songs, musikalischen Zwischenspielen und Wortbeiträgen, untermalt von einer himmelblauen Beleuchtung, die die Säulen des Kirchengewölbes in ein geheimnisvolles Licht tauchten. Mensch und Technik verbündeten sich im harmonischen Zusammenwirken. Dieses Programm rührte alle Sinne an.

Die extra für „Generation Church“ gegründete Diessenhofer Kirchenband unter Leitung von Daniel Peyer präsentierte lockere Melodien im Oldie-Stil ebenso wie schmissige Soft-Rock-Rhythmen. Zugleich war eine nachdenkliche und festliche Stimmung spürbar bei der Feier des Heiligen Abendmahls unter Leitung von Pfr. Gottfried Spieth. Die Austeilung von Brot und Wein wurde von einem persönlichen Segenszuspruch an die Teilnehmenden begleitet.

Kraft der Stille

Der Prediger des Abends Dave Jäggi, Pastor der Evangelisch-Methodistischen Kirche, stellte die Frage: „Warum versucht Gott den Lärmpegel unserer modernen Welt nicht zu übertreffen, obwohl ihm das bestimmt ein Leichtes wäre?“ Über humorvolle Zwischenschritte hinweg entfaltete Jäggi meditative Gedanken anhand einer Schilderung des alttestamentarischen Propheten Elia. Dessen Wendung nach innen in einer Situation äusserster Anspannung sei beispielgebend in der aktuellen osteuropäischen Konfliktlage. Der Prophet habe intuitiv gespürt: „Der flüsternde Windhauch, das verschwebende Schweigen – da ist Gott.“ Wenn Gott sich auf diese Weise persönlich zeige, werde es zuvor ganz still. „Wahre Stille ist der Schlüssel zum gewaltigen und brennenden Herzen Gottes.»

Jäggi verglich dies mit der Neuausrichtung eines Computers: Das Innere des Menschen werde gleich einer Festplatte dauernd mit lauten Alltagssignalen beschrieben. Doch in gewissen Abständen werde das bisher Aufgezeichnete gelöscht. Das geschehe in der Stille. Da werde unsere „innere Festplatte“ auf die Standard-Einstellung zurückgefahren und anschliessend neu formatiert. „Kratzspuren vom lauten Alltag werden gelöscht, worauf Gott dann seine neuen Anregungen in mein Herz hineinschreibt“, betonte der Redner unter Verweis auf Psalm 62: «Sei nur still, meine Seele, denn Gott tut dir Gutes.» Jäggi gelangte zu dem Resümee: „Gott redet leiser, als wir denken, und je leiser er redet, desto eindrucksvoller ist seine Wirkung.“

Das Ganze wurde abgerundet mit einem feinen Apéro zum Ausklang. Dieser Anlass ist künftig immer am letzten Sonntag des Monats (ausgenommen Juli und Dezember) um 18.00 Uhr mit wechselnden Predigerinnen und Predigern aus nah und fern.

Jugendgottesdienst „Wunder“ – Aus der Dunkelheit ins Licht

Jugendgottesdienst sendet Signale der Hoffnung

Am vergangenen Dienstagabend versammelten sich junge Menschen aus Diessenhofen und angrenzenden Gemeinden in der Stadtkirche. Das Thema des Jugendgottesdienstes lautete „Bartimäus“. Behandelt wurde diese biblische Gestalt, von der bereits der Evangelist Markus berichtet (Kapitel 10, 46-52).

In einem bemerkenswerten Schülertheater unter Leitung von Jasiel Jäggi wurde der plötzliche Wechsel von der Dunkelheit zum Licht gezeigt: Wie der blinde Bartimäus in seiner finsteren Innenwelt sitzt und bettelt – und dann die einzigartige Chance seines Lebens bekommt. Dieses Überraschungsmoment wurde mit dramatischen Effekten umgesetzt: Auf der einen Seite befindet sich die murmelnde, lärmende, törichte Volksmenge, auf der anderen Seite taucht wie aus dem Nichts eine überragende Helfergestalt auf: Jesus Christus. Er übergeht die störende Umgebung und sucht den Direktkontakt zu dem blinden Mann. In einem herausfordernden Dialog provoziert er Bartimäus und heilt ihn komplett – was einen unbändigen Freudenjubel aller Beteiligten auslöst.

Farbliche Kontraste und markante Predigt

Dieser Gegensatz zwischen dem Gefängnis der Umnachtung und der strahlend hellen Erlösung wurde markant unterstrichen durch die farbliche Beleuchtung der Mauern und Säulen des Kirchenschiffs: Das Farbenspiel schillerte in rot und blau und symbolisierte den Weg aus der Finsternis in die Freiheit. Das Dekorations- und Technikteam verstärkte auf diese kreative Weise die Botschaft des Abends.

Religionslehrerin Karin Schmid knüpfte mit ihrer Predigt an diese Signale an: Jesus handle völlig anders, als es den üblichen Gewohnheiten entspreche. Während die Leute auf Bartimäus schimpfen oder achtlos an ihm vorbeigehen, bleibe Jesus stehen. Dort, wo Ärzte an das Ende ihrer medizinischen Fähigkeiten kommen, fange die heilende Kraft Jesu erst richtig an. Dort, wo Menschen einander überfallen mit Krieg und Blutvergiessen, erscheine Jesus mit seiner Friedensmission. Dort, wo unsere Sinnesorgane versagen, öffne Jesus unsere Augen und Ohren mit seiner guten Nachricht. Seine Ausstrahlung sei so gross, dass sie uns in Begeisterung und Faszination versetze, betonte Karin Schmid: „Er geht voran – und wir folgen ihm nach.“

Die Jugendband unter Leitung von Julia Schmid interpretierte diese Ausführungen auf musikalische Art. In den Liedtexten wurde der herrliche und kraftvolle Name Jesu gepriesen. Die Melodien klangen wie ein gesungenes Gebet: „Aus Angst vor morgen, aus Furcht und Sorgen rufst du mich heraus; wenn Glaube schwindet und Hoffnung endet, bleibst du mein Zuhaus.“ Mit einem schmackhaften Apéro und vielen spannenden Gesprächen wurde diese Abendveranstaltung in der Diessenhofer Stadtkirche harmonisch abgerundet.

Am 29. März 2022 ist die Youth Church wieder On-Stage.

Natürlich OHNE Zertifikat.

Erster Diessenhofer Jugendgottesdienst im neuen Jahr

Der vergangene Dienstagabend stand ganz im Zeichen des ersten Jugendgottesdienstes im neuen Jahr. Die Stadtkirche zeigte sich von ihrer schönsten Seite, als Schülerinnen und Schüler aus Schlatt ein Erlebnisprogramm starteten, gerichtet an Jugendliche aus dem gesamten Diessenhofer Bezirk samt Eltern und Grosseltern. Licht- und Tontechniker, Sänger und Musiker liefen zu Hochform auf, aufgelockert durch eine humorvolle Moderation. Hinzu kam ein Schülertheater vom Feinsten. Die jungen Darsteller präsentierten in zwei Teilen eine bemerkenswerte Geschichte aus der Zeit des Neuen Testaments, aufgeschrieben im Evangelium nach Johannes Kapitel 2 und 3: Wie Jesus Christus Wasser in Wein wandelt und einem überaus klugen Mann eine noch klügere Antwort liefert auf dessen Fragen.

Nikodemus findet seinen Meister

An diesem Abend stand also Nikodemus im Mittelpunkt – jener berühmte Theologieprofessor, der anlässlich eines nächtlichen Zwiegesprächs in Jesus seinen Meister fand. Die Gegensätze, die diesem Dialog vorausgingen, hätten nicht farbiger und kontrastreicher gestaltet werden können: Das Schülertheater demonstrierte ausgelassene Freude anlässlich einer orientalischen Hochzeit, den urplötzlichen Mangel an Wein, die Verzweiflung des Bräutigams, der sich vor der Festgesellschaft als organisatorischer Looser blossgestellt vorkommt, dann aber die verblüffende Wunderkraft, die in den Worten und Anweisungen des Herrn steckt. In den Handlungsablauf eingebettet waren liebenswürdige Dialoge, etwa als Jesus mit seiner Mutter Maria diskutiert, was nun Priorität haben solle, um die eingebrochene Feststimmung doch noch zu retten. Die Mangelprobleme lösen sich dann durch das Wunder, vollbracht durch Gottes Sohn, der sich als liebevoller Meister der Kommunikation erweist und ebenso meisterlich über den Naturgesetzen steht.

Vertrauen ersetzt Leistung

Die Spannung verdichtete sich noch einmal, als Religionslehrerin Karin Schmid zu ihrer Predigt ansetzte. Sie erläuterte das Prinzip von Leistung und Gegenleistung, wie es heutzutage in Schule und Beruf gefordert wird, aber auch damals schon den klugen Nikodemus voll und ganz erfüllte. Dieses Leistungsprinzip gelte nicht in der christlichen Religion, erläuterte Frau Schmid: Hier seien andere Werte bestimmend, die auf eine vertrauensvolle Verständigung zwischen Gott und Mensch hinauslaufen, ohne dass die Regel „eine Hand wäscht die andere“ zur Anwendung gelange. Denn im Verhältnis zu Gott und Christus komme es ausschliesslich auf den Glauben an, und zwar persönlich und direkt: „Jesus ist meinungsstark, mitfühlend und weckt unser Vertrauen, ohne dass wir extra Vorleistungen erbringen müssen.“

Probe aufs Exempel

Das Gesehene und Gehörte verfehlte den Eindruck auf die jugendlichen Zuhörer nicht. An diesem Abend gewöhnten sie sich an einen etwas anderen Blickwinkel, der in wohltuendem Kontrast steht zum landläufigen Wechselspiel aus Geben und Nehmen. Der Grundsatz des leistungsbezogenen Umgangs werde bei Jesus durchkreuzt durch lebendige Kommunikation und freundliches Einvernehmen, fasste Karin Schmid die Botschaft des Abends zusammen. Die neu erfahrene Vertrauensbeziehung wurde auch gleich ausprobiert, indem die jungen Besucherinnen und Besucher nacheinander an den Taufstein traten und beim Anzünden einer Kerze ein persönlich formuliertes Gebet sprachen, direkt an Gottes Sohn gerichtet.

Die Schlatter Gruppe im Zusammenwirken mit Licht- und Tontechnik, Dekoration, Moderation, Theater und Predigt hat es geschafft, das schöne und tiefsinnige Glaubensbündnis zwischen Gott und Mensch in den Vordergrund zu rücken. Die Band präsentierte neue Lieder, die das Thema des Abends unter Beweis stellten und in den Worten an den Herrn gipfelten: „Aus Angst vor morgen, aus Furcht und Sorgen rufst du mich heraus. Wenn ich denk: ich bin nicht gut genug, bist du genug für mich.“ Innerlich bereichert durch diese zielführenden Gedanken und gestärkt durch einen abschliessenden Apéro, klang dieser Gottesdienst mit einem Segensgebet von Diakon in Ausbildung Andreas Schlegel (Schlatt) aus.

Mit Wort und Klang ins neue Jahr

Kulturelles Leuchtfeuer

Mit berührender musikalischer Schönheit und einem aussergewöhnlichen Hörerlebnis läutete Diessenhofen das neue Jahr ein. Eine erwartungsfrohe Gemeinschaft hatte sich am Abend des Neujahrstages in der Stadtkirche versammelt, um klangliche Höhenflüge und hoffnungsstarke Bibelimpulse zu erfahren. Es musizierten Janine Allenspach (Querflöte) und Annedore Neufeld (Orgel und Klavier). Sie brachten barocke Töne und romantische Klangfarben zu Gehör – sanft schwingend, temperamentvoll ausgreifend und in ein harmonisches Gesamtkunstwerk ausmündend.

Optimismus des Glaubens

Die Predigt, gestaltet von Pfarrer Gottfried Spieth, verkündete einen kräftigen Vertrauensvorschuss, den wir uns gegenseitig von Herzen gönnen sollten. Und zwar unter dem Leitspruch: „Jesus Christus gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit“ (Hebräer 13,8). Das Zentrum der Geschichte und der Anker in der Zeit sei kein geringerer als Jesus von Nazareth. Er sei der Heiland aller Welt. Nach ihm würden Jahrhunderte und Jahrtausende gezählt. Er sei das Fundament unserer geschichtlichen Vergangenheit, woraus sich die heutige Welt entwickelt habe. Deshalb sei Jesus gerade in der jetzigen Gegenwart ein überaus sensibler Zeitgenosse und Wegbegleiter, der mit uns durch dick und dünn gehe. Er verschaffe uns Vergebung und innere Heilung – und sei damit Schlüsselmacher, Türöffner und Taktgeber für die Zukunft. Diese münde in eine neue Zeit, eingebettet in den Horizont der Ewigkeit. „Befreit von Altlasten, erwarten wir getrost, was kommen mag“, wurde als Parole für 2022 ausgegeben.

Barocke Fülle und romantische Schönheit

Eingebaut in die Liturgie des Gottesdienstes, wurden folgende musikalische Stücke dargeboten: „Ankunft der Königin von Saba“ aus dem Oratorium „Salomo“ von Georg Friedrich Händel (1685-1759), Sonate h-Moll von Johann Sebastian Bach (1685-1750), „Tambourin“ von François-Joseph Gossec (1734-1829) und „Suite de Trois Morceaux pour flûte et piano“ von Benjamin Godard (1849-1895). Während die barocken Werke von Bach und Händel mit hell strahlendem Jubel aufleuchteten, beeindruckten die Kompositionen von Gossec und Godard durch ihr geniales Wechselspiel aus idyllischer Romantik, tänzerisch-beschwingter Wendigkeit und virtuoser Schnelligkeit. Farbige Tonmalereien und Rhythmen mischten sich mit Bibellesungen und Gebeten zu einem Mosaik – fein, vielfältig, glaubensstark.

Gemeinschaftsgefühl

Diese festliche Versammlung bewegte Herz und Sinne und motivierte zu neuer Zuversicht. Die Segensgrüsse und Glückwünsche der Kirchenvorsteherschaft brachte Präsidentin Jael Mascherin zum Ausdruck. Im Anschluss fand auf dem Vorplatz der Kirche der traditionelle Neujahrs-Aperó der Kirchgemeinde in gemütvoll angenehmer Atmosphäre statt. Somit verband der Abend ein herausragendes kulturelles Leuchtfeuer mit einem lebendigem Gemeinschaftsgefühl. Daraus konnten die Besucherinnen und Besucher innere Ruhe und Kraft schöpfen für 2022.