Andacht zum Gebetssontag vom 17. Mai 2020

Besinnung zum Sonntag des Gebets

Liebe Gemeinde!
Liebe Leser in der Nähe und in der Ferne!

Was hat den höchsten Stellenwert in unserem Leben? Die Familie? Der Beruf? Der gute Ruf, den wir uns erarbeitet haben? Oder ist es die Religion? Die Bibel schlägt vier Grund¬sätze vor: „Dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung“ (1. Timotheus 2,1).

Diese goldenen Vier – entsprechen sie nicht den vier Hauptglocken¬ unserer Stadtkirche? Sie lenken mehrmals täglich unsere Gedanken nach oben. Dieser Bezug zu Gott war offenbar unse¬ren Vor¬fah¬ren sehr wichtig; das wird vor den Toren unserer Gemeinde sichtbar an den beiden Klö¬stern St. Katharinental und Para¬dies. Was waren das für Kraft¬orte, gesegnet mit einem enor¬men Gebets¬pro¬gramm und einem ebenso grossem Zulauf! Allerdings wurde in spä¬te¬rer Zeit der gesell¬schaft¬li¬che Nutzen der Klöster angezwei¬felt, und die Zahl der Non¬nen und Mönche nahm entsprechend ab. Die letzten Kloster¬frau¬en wurden 1869 aus St. Ka¬tha¬ri-nen¬tal hinaus¬kom¬pli¬men¬tiert. Der geheimnisvolle Segen dieser Orte aber hat sich erhalten.

Deshalb zieht es Wirtschafts¬führer und Mana¬ger ebenso wie normale Leute wiederum ins Kloster. Sie suchen dort eine Auszeit und Energiezufuhr. Hat jemand von Ihnen und Euch das miterlebt? Womöglich wan¬derten wir auf einem Pilger¬weg. Und was geschah am Ziel? Ent-spannt erfreuten wir uns an den Köstlichkeiten der Kloster¬küche. Dann breitete sich tiefe Stille aus. In einer Medi¬ta¬tion ord¬ne¬ten wir die Gedan¬ken. Waren wir zuvor innerlich aus¬ge-brannt, trat jetzt die Wende ein: Aus sehr wenig geistigem Brennstoff entstand in schöp¬fe¬ri-scher Ruhe eine grosse Umwandlung. Ich hörte von Mitmenschen, die einen unwahr¬schein-lich gesteigerten Segen emp¬fingen – ausgerechnet hinter Klostermauern!

Und diejenigen unter uns, die den Drang nach Kraft¬orten kaum in sich verspüren? Ich glaube, auch sie könnten etwas anfangen mit der vierfachen Empfehlung des Apostels: Bittet, betet, dankt, tut Für¬bitte! Ganz gleich, wie wir ver¬anlagt sind, ob religiös oder nicht: Genies¬sen wir doch einmal unseren Rück¬zugs¬raum, ob mit oder ohne Ker¬ze. Das ist unsere enorme Wachs-tums¬zone. Da fangen wir klein an. Und kommen später wieder sehr viel grösser heraus.

Manchmal ge¬nügt ein einziger Gedanke, in der Stille geboren, demütig, bescheiden. Aus ihm wird ein Anliegen geformt, fein und kräftig. Das bringen wir vor Gott. Als Bitte. Als Gebet. Als Für¬bitte. Als Danksagung. Denk daran: Es sind deine Gedanken. Deine Anliegen. Sie drängen förmlich aus dir heraus. Darum schät¬¬¬ze, schütze, liebe sie. Hege und pflege sie. Gib ihnen Zeit, dass sie sich hell und klar entfalten, dynamisch und kämpferisch. Bringe sie zu Papier. Was betend du geschrieben hast, ist dein innerliches Eigentum. Es ist dir sehr, sehr kost¬bar. Deshalb schenkst du es keinem geringerem als dem Allmächtigen zu treuer Verwaltung.
Womöglich gehen dir dabei die Augen auf? Der Himmel ist ja nicht einsam und leer. Im Ge-genteil: Er ist überaus lebendig und bevölkert. Je näher wir zum Thron des Ewigen vor¬stos¬sen mit unseren Bitten, Gebeten, Fürbitten und Danksagungen, desto drama¬ti¬scher wird es zwischen Himmel und Erde. Dort drüben ist eine geheimnisumwitterte Welt, die du bis¬her noch wenig durchforscht hast. Sie hat einen unerschütterlich festen Bestand. Und sie hat überaus wuchtige, urwüchsige Aus¬wirkun¬gen auf dich. Und mich. Und auf diese ganze Erde.

Achten wir einmal auf die erhabenen vier Thron¬wächter, die im letzten Buch der Bibel ge-schil¬dert werden: Löwe, Stier, Mensch und Adler. Achten wir ebenso auf jene 24 ehrwürdi-gen Ältesten, die den Thronrat Gottes bilden (Offenbarung Kapitel 4). Ich frage: Sind jene ge-heim¬nis¬vollen Lebe¬we¬sen und Persön¬lich¬keiten etwa unsere Mitkämpfer und Mitstreiter? Sind sie mitver¬ant¬¬wort¬lich für den Erfolg unserer Gebete? Verbes¬sern sie unsere Gedanken? Ja, sie bringen sie in eine schärfere, durchschlagend wirksame, geschliffene Form …

Ich finde das ein grossartiges Bild: Unsere Bitten, Gebete, Für¬bit¬ten und Danksagungen werden veredelt in einen herrlich duftenden Weih¬rauch, der in höhere Sphären aufsteigt: „Und ein jeglicher hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucher¬werk, das sind die Gebete der Heiligen.“ Wobei hier nicht nur besonders ausgeprägte Heilige gemeint sind. Sondern alle getauften und glaubenden Christenmenschen sind eingeladen: Wir alle sollen unsere Gebets¬meinungen und -¬anliegen umwandeln lassen in einen himmlischen Wohlgeruch vor Gottes Thron (Offenbarung Kapitel 5,8 und 8,3-5).
Angesichts solch glänzender Aussichten kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein solches Beten ins Leere läuft. Im Gegenteil: Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksa-gun¬¬¬gen sind die am meisten kraftgeladenen Worte dieser Erde. Nicht umsonst verheisst Jesus Chri¬stus, dass wir unbedingt Gehör finden am höheren Ort: „Alles, was ihr bittet in eurem Gebet – glaubt nur, dass ihr´s empfangt, so wird´s euch zuteil!“ (Markus 11,24)

Gestärkt durch diese Verheissung unseres Heilandes, rufen wir mit frohem Mut:

Barmherziger Gott, wir danken dir für deine Wertschätzung und Wegbeglei¬tung in guten und schweren Tagen. Die meisten von uns sind einigermassen glücklich und zufrieden. Allein das ist ein Grund zum Danken. Zumal wir auch unsere Sorgen bei dir bestens aufgehoben wissen.

Wir bitten dich für unsere Familien, Freundes¬kreise und Vereine: Dass wir die gute Gemein-schaft weiter entwickeln. Wir bitten für unsere Kinder, Enkel und alle jungen Men¬schen: Dass sie ihren Weg finden in Verant¬wortung vor dir. Wir bitten für alle Kranken und Einsamen, besonders in den Heimen: Dass sie einen neuen Anfang mit neuen Kräften finden.

Wir bitten für alle Verantwortungsträger im Städtli, Kanton und Bund: Dass sie ihre Auf-gaben sachgerecht wahr¬neh¬men und die Grundsätze der zehn Gebote berück¬sich¬tigen. Wir bitten für alle Mitarbeiter der Kirchen: Dass sie die frohe Botschaft deines Sohnes gern verkündigen.

Wir bitten für Notleidende, Hungernde, Verfolgte und Unter¬drückte in anderen Ländern: Dass Hass und Krieg ein Ende nehmen, damit Frieden und Gerechtigkeit Einzug halten im Namen deiner ewig gültigen Werte und Ordnungen.

Wir bitten für deine ganze Schöpfung: Für Berge, Felder und Wälder, Seen und Flüsse, dass unsere natürlichen Lebensgrundlagen erhalten und, falls sie zerstört wurden, wieder ins Lot gebracht werden – durch die Rückkehr deines Sohnes auf unseren Planeten.

Das alles bitten wir dich, Vater im Himmel, durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren König und Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist herrscht und lebt in Ewigkeit, Amen.

0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.