Andacht zum Muttertag 10. Mai 2020

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Liebe Gemeinde! Liebe Gäste !

Was sind die grössten Kräfte, die wir kennen? Die Naturgewalten? Die Liebe? Die Fort­pflanzung von Generation zu Generation? Und gibt es da etwa einen Zusammenhang? Seit andert­halb Wo­chen beherberge ich im Pfarrbüro vier kleine Kätzchen. Was für ein herz­er­greifendes Bild ist das, wenn sie bei der Mama liegen und Milch trinken! Die Kleinen sind gerade da­bei, die Äug­­lein aufzutun. Ich komme aus dem Staunen nicht her­aus, wenn ich dieses Wun­der des Lebens betrachte: Von Tag für Tag entwickelt es sich weiter, Schritt für Schritt, von Stufe zu Stufe.

Heute feiern wir einen Tag, der die Grundsätze dieses lebendigen Wachs­­tums wie kaum ein zweiter verkörpert. Heute denken wir daran, was unsere Mütter leisteten, als sie uns unter Einsatz ihres Lebens zur Welt brachten. Uns ernährt und gestillt haben. Uns mit Liebe über­schütteten. Mit Wär­me be­hü­­te­ten. Die ersten Schrit­te des Laufens beibrachten. Mit Rat und Tat ins Leben hinausbegleiteten.

Die Mütter sind es wert, dass wir sie am heutigen Tag besuchen. Sie mit Blumen erfreu­en. Zur festlichen Kaffeetafel einladen. Oder zu einer Ausflugs­fahrt. Oder zu beidem. Und alte Fotos be­trach­­ten. In Erin­ne­rungen schwelgen. Einen Psalm miteinander beten. Denn sind es nicht unsere Mütter gewesen, die uns einst am Kinderbett das Beten lehrten?

Wie gut tun den Müttern solche Begegnungen wie heute! Damit geben wir ihnen ein Stück von dem zurück, was sie uns damals schenk­ten. Und das baut beide auf, sie und uns. Natür­lich können wir ihnen nicht alles zurückgeben, was sie uns auf den Weg mitga­ben. Erst recht können wir unserem Schöp­fer nicht all das Gute und Schöne zurück­er­stat­ten, das er uns an­vertraut hat. Aber symbolisch können wir schon einiges zurückgeben. Oder sogar recht viel? Und zwar in Form der Danksagung. Steckt darin nicht eine riesengrosse Schwungkraft und eine gewaltige Ener­gie? Gehört nicht der Dank zu den ganz gros­sen Kräften der Schöpfung? So ist es: Neben der Mutter­liebe ist der Dank die zweite Säule des Lebens.

Der Dank erfüllt eine enorme Aufgabe im Alltag: Er sorgt für einen Aus­gleich der Gefühle: So dass wir innerlich in eine auf­ge­räum­te Stim­mung kommen. So dass wir nicht mehr jam­mer­voll in Sack und Asche umherlaufen oder Trübsal blasen. Genauso wenig haben wir es nötig, Luft­schlös­ser zu bauen. Sondern durch die Kraft der Dankbarkeit finden wir Maß und Mitte. Dankbar sind wir für das, was wir haben. Zufrieden sind wir mit dem, was uns anvertraut wurde von unseren Eltern, Lehrern, Lehrmeistern und natürlich vor allem von Gott. Und wir grämen uns nicht über das, was wir nicht erreichen konnten.

Ein Weggefährte gab mir einst den Rat: „Danken schützt vor Wanken.“ Wie recht er damit hatte! Danken schützt vor Wankelmut, Hochmut und Kleinmut. Wer dankbar ist, ge­winnt innere Ruhe und Sicherheit. Wie gelassen ist doch ein dankbarer Mensch! Er ruht in Gott und in sich selbst. Ist geschützt vor sprunghaften, unüberlegten Handlungen. Wird bewahrt vor Torheiten und Halbheiten aller Art.

Dieses Sprichwort hat noch einen zweiten Teil. Vollständig lautet der Satz: „Danken schützt vor Wanken – und Loben zieht nach oben.“ Was macht solch ein Lob? Es verstärkt und steigert den Dan­k. Das Lob setzt immer noch eins drauf: Es malt den Dank in ganz satten, dichten, intensiven Farben. Das Lob multipliziert den Dank – und lädt ein zu frischen Taten.

„Liebe Mutter, wie herrlich war der Sonntagsbraten, den du früher immer herbeigezaubert hast, garniert mit den köstlichsten Beilagen und einem Dessert, das weltweit seinesgleichen sucht. Willst du es heute wieder zubereiten? Lieber Vater, das Wettrennen mit dem Motor­boot war ein­same Spitze, unerreicht bis heute. Ich durfte mitfahren damals auf dem Boden­see vor ein­und­zwanzig Jahren. Wollen wir es in der kommenden Woche erneut probieren?“

Bei solch einem spontanen Lob geschieht Erstaun­liches: Bist du zuvor in einem in­ne­ren Zwie­spalt, missmutig und schwach, so wirst du jetzt zuversicht­lich und tatkräftig. Du lobst dein Gegen­­über – und hast selber auf geheimnisvolle Weise Anteil an der Kraft des Lobes, das du aussprichst. Bist du zuvor noch bedrückt und kraftlos umher geschli­chen, fühlst du dich nun getragen von einer kräftigen, unternehmungslustigen Stimmung, beflügelt zu neuen Taten.

Und was geschieht, wenn wir Gott loben? Kann es wirklich sein, dass das einen Sturm der Begeisterung auslöst? Jedenfalls breitet sich die Herrschaft der po­si­ti­ven Gefühle langsam, aber sicher aus. Wenn es gut geht, fühlen wir eine Leichtigkeit des Daseins und eine neue Schaffens­­kraft und Schaffenslust. Und wenn es ganz gut geht? Dann fühlst du dich wie von Adler­flü­geln getragen. Indem du Gott lobst, gerätst du in eine gehobene, ja mitunter sogar herr­liche Stimmung. „Wir schreiten voran von einer Kraft zur anderen …“ (Psalm 84, Vers 8).

Dank­bar und gläubig tun wir das. Und das Ganze spielt sich oft in einem fami­liä­ren Rahmen ab. Das ist kein Zufall: Liebe zwischen Eltern und Kindern, Dank­bar­keit und Glaube sind drei mächtige Säulen. Und drei Grundkräfte des Lebens. Sie bringen uns Schritt für Schritt weiter. Sie führen uns von Stufe zu Stufe voran. So dass es richtig Freude macht zu leben.

Gott selber hat einen tiefen Sinn für die familiären Dinge. In Gott steckt etwas tief Familiäres drinnen. Da ist der himmlische Vater, der auch mütterliche Züge hat: „Mit Mutterhänden leitet er die Seinen stetig hin und her“ (Lied 240, Vers 5). Ganz nahe beim Vater ist ja der Sohn. Und der Heil­ige Geist. Und zwischen den dreien gibt es unendlich viel Dank­bar­keit und Liebe, unermesslich viel Begei­ste­rung und Lob. Und ähnlich wie wir uns hingezogen fühlen zu unseren Müttern und Vätern, fühlen wir uns hoffentlich auch hingezogen zu unserem wunder­bar familiären Gott – zum Vater und zum Sohn und zum Heiligen Geist … Amen.

„Unseres Herzens Be­geh­ren richtet sich nach deinem Namen und nach deinem Lobpreis. Von Herzen verlangt mich nach dir des Nachts, ja mit meinem Geist suche ich dich am Morgen. … Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht. Denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil. Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Brunnen des Heils. Preiset den HERRN, denn herrliche Taten hat er vollbracht, auf der ganzen Erde soll man es wissen.“

Jesaja 12,2-5 und 26,8-9

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