Gottesdienst am 20.01.2019 über die Taufe des Kämmerers aus Äthiopien und unsere Verbindung damit

1                Ein besonderes Element

Eiseskälte und Schlittschuhfahren erlebte ich gestern mit meiner Tochter Emma auf der Eisbahn in Schaffhausen. Und jetzt vorhin hörten und sahen wir von Christoph Zinsstag den Bildbericht über Äthiopien.

Übrigens, heute vormittag sind in Addis Abeba 21°. Was ist dort los? Ist dort der ewige Frühling angebrochen? Was sind das für Gegensätze zwischen Eis und Heiss! Alpine Kälte bei uns und angenehme Wärme in Ostafrika. Oder ist es zur Zeit gar eine tropische Hitze dort?

Was verbindet uns über extreme klimatische Gegensätze hinweg? Es ist ein Naturprodukt. Dieses Element gibt es überall, in welcher Form auch immer, sei es in Form von Schnee oder Eis. Sei es in Form eines tropischen Regens.

Es ist das Wasser.

Überall wird es gebraucht. Bei uns in wintersportbegeisterten Alpen­ländern genau wie am Horn von Afrika. Bei uns am Untersee und Rhein ebenso wie im Hochland von Äthiopien.

Von diesem Naturelement hörten wir in der Lesung. Im Äthiopienbericht war ebenso davon die Rede. Fragen wir genauer: Von welchem Wasser war da die Rede?

Es fliesst am Jordan. Es wird vom Täufer Johannes verwendet, als er den Heiland tauft. Und auch bei uns wird es verwendet im Gottesdienst. Bei uns in der Stadtkirche erfüllt Taufwasser eine wichtige Aufgabe, übrigens ebenso wie in den Kirchen Äthiopien. Vielleicht spielt es dort noch eine grössere Rolle?

2                Der Kämmerer

Begeisterung wird in Äthiopien geweckt bis auf den heutigen Tag über dieses urwüchsige, mächtige Naturelement. Da gibt es eine heilige Erzählung mit einer heiligen Wasser-Hand­lung. Dieser Bericht hat Auswirkungen bis auf heute.

Ein Afrikaner, ein hochgestellter Mann, wir würden heute sagen: Ein Bundesrat. Der Leiter des Finanzdepartements. Dieser Mann ist in Jerusalem und macht dort eine seltsame Erfahrung mit dem Tempel und mit einer Schriftrolle.

Nun ist er auf Heimweg. Seine gut gefederte Kutsche bewegt sich langsam. Vor der Mittagssonne ist er geschützt durch einen Baldachin. Äusserlich gesehen, hat es gemütlich. Innerlich aber ist er in Unruhe. Er liest in einer heiligen Schriftrolle, die er im Tempel erworben hat. Hören wir, was dann geschieht:

„Nun war da ein Äthiopier, ein Kämmerer, Hofbeamter der Kandake, der Königin der Äthiopier, der ihren ganzen Schatz verwaltete. Dieser war nach Jerusalem gekommen, um Gott anzubeten, und fuhr jetzt heimwärts. Er saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. Und der Geist sagte zu Philippus: Geh und folge diesem Wagen.

Philippus lief hin und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen. Da sagte er: Verstehst du auch, was du liest? Jener antwortete: Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet? Und er bat den Philippus, einzusteigen und neben ihm Platz zu nehmen …

… Da begann Philippus zu reden und ausgehend von diesem Schriftwort verkündete er ihm das Evangelium von Jesus. Als sie nun weiterzogen, kamen sie zu einer Wasserstelle. Da sagte der Kämmerer: Hier ist Wasser. Was steht meiner Taufe noch im Weg?

Er liess den Wagen halten und beide, Philippus und der Kämmerer, stiegen in das Wasser hinab und er taufte ihn. Als sie aber aus dem Wasser stiegen, entführte der Geist des Herrn den Philippus. Der Kämmerer sah ihn nicht mehr und er zog voll Freude weiter.“

Apostelgeschichte 8,27–39

3                Wertschätzung der Taufe

Ein Ereignis mit weitreichenden Folgen: Bis heute wird dieser Finanzbeamte in Äthiopien verehrt als derjenige, der die Freude und die Taufe und überhaupt das Christentum nach Ostafrika brachte.

Bis heute wird afrikanische Taufbegeisterung überdeutlich, wenn äthiopische Männer, Frauen, Kinder diesen Tag feiern. Den Tag der Taufe. Welche Taufe? Die Taufe von Jesus. Und damit die Taufe aller Völker, wie es im Taufbefehl des Herrn vorausgesagt ist.

In Äthiopien heisst dieses Tauffest Timket (zu deutsch: Erscheinung). Es findet gestern und heute, am 19. und 20. Januar, statt.

Dann geht die Post ab, das sage ich euch! Heilige Tafeln werden von den Altären der Kirchen ans Wasser geschleppt. Am Ufer wird eine Taufzeremonie nachgespielt mit Tausenden von Menschen.  Die Menschen sind geradezu verrückt nach dem Taufwasser, nehmen es nach Hause in Kübeln und Gefässen, weil dieses Wasser eine segensreiche Wirkung für Haus und Hof und Gesundheit entfalten soll. Jedes Jahr wird deshalb die Taufe neu zelebriert.

Können wir uns davon eine Scheibe ab­schneiden? Was lernen wir von unseren äthiopischen Schwestern und Brüdern? Genau das: Ihre Wertschätzung der Taufe. Das wird uns zum Vorbild.

Warum? Wegen der Gleichheit überall auf der Welt. Wenn wir getauft werden, sind wir alle gleich, egal wo wir wohnen und welche Herkunft wir haben. Die Taufe ist so einfach, so unkompliziert. Da braucht es keine Umwege und Klimmzüge, auch keine finanziellen Ausgaben oder standesgemäße, großbürgerlich Regeln, um dieses Fest auszurichten und zu erleben.

Taufe ist überall und jederzeit möglich. Denn Wasser gibt es überall. Und den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes rufen wir überall auf der Welt an.

Das verbindet weltweit. Die Taufe fügt uns zusammen. Sie integriert die  Welt­ge­mein­schaft … in Ost und West und Nord und Süd. Weiss und schwarz und rot und braun und gelb. Männer und Frauen und Kinder. Arm und reich und hoch und niedrig.

Die Taufe bringt also die Globalisierung voran. Ausnahmsweise hat dieses Wort mal einen positiven Klang … Das ist ein lebendiges Hinüber und Herüber. Wir lernen von  ihnen, sie lernen von  uns. Das ist eine gegenseitige Wertschätzung. Da gibt es Besuche hinüber und herüber zwischen der Schweiz und Ostafrike. Gegenseitig gleichen wir unsere Defizite aus. Das haben sie und wir auch sehr nötig.

4                Unsere Probleme

Bei uns liegt manches im Argen, finde ich. Geht es nur mir so? Ist das auch Ihre und Eure Erfahrung?

Unser religiöses und kirchliches Leben im Städtli ist ordent­lich. Aber nicht gerade tiefgründig. Nicht gerade intensiv. Nicht gerade stark und dynamisch. Und hat viel zu wenig Ausstrahlung.

Spüren wir Freude am Glauben? Empfinden wir Begeisterung über Gott und Jesus?  Unser geistliches und kirchliches Leben ist verbesserungs­bedürftig. Da gibt es viele Baustellen.

Hier lernen wir von aussen – von ihnen, die in Äthiopien wohnen.

Hier empfangen wir Hilfe von aussen – von ihnen.  Hier spüren wir Impulse – von ihnen.

Von ihnen lernen wir, was uns mitreisst, was uns in unserer Liebe zu Gott, zu Jesus, zur Kirche wirklich nach vorn bringt: Die Taufe. Die Erinnerung daran.

Denken wir einmal genau darüber nach und lernen wir von ihnen! Damit wir unsere Taufe hereinholen ins tägliche Leben. Damit wir unsere Taufe Tag für Tag präsent haben vor unserem geistigen Auge.

Wir versuchen es ja hier in der Stadtkirche durch dieses Wandsymbol, welches die Wellen des Rhein darstellen soll, in die die Fischlein der neugetauften Gemeindeglieder eintauchen und daraus wieder auftauchen.

Es ist ein kleiner, aber wichtiger Anfang, damit die Taufe bei uns den Stellenwert bekommt, der ihr nach Gottes Willen zusteht.

5                Ihre Probleme

Was aber fehlt ihnen, die in Äthiopien leben? Vielleicht haben wir es? Vielleicht können wir mit etwas dienen? Sie haben zu wenig berufliche und fachliche Kenntnisse. Ihr Land ist – äusserlich und materiell gesehen – noch nicht so entwickelt.

Da lernen sie von uns. Da empfangen sie von uns Hilfe. Hilfe zur Selbsthilfe, Anstösse und Anregungen, und auch finanzielle Anschübe.

6                Austausch und Ausblick

Wechselseitig ist es ein Ausgleich in geistlicher und materieller Hinsicht:

Sie teilen uns ihren geistlichen Reichtum und ihr überfliessend schönes Brauchtum mit.

Und wir teilen unseren beruflichen Fer­tig­keiten mit und geben einen finanziellen Anschub, damit dort eine Entwicklung in Gang gebracht wird in Erziehung und Wirtschaft.

Was wir haben, geben wir. Was sie haben, geben sie.

Und dann treffen wir uns im Zeichen des Regenbogens, der vorgestern abend riesengross über unserem Städtli zu sehen war.

Und dann wird Friede zwischen uns und ihnen, also Selam, wie man auf äthiopisch dazu sagt, Friede und Begegnung zwischen unseren Völkern und Kulturen im Zeichen der Taufe.

Wir erfüllen dann alle miteinander den Taufbefehl, den unser Herr Jesus Christus ausgesprochen hat am Schluss des Matthäusevangeliums Kapitel 28, Verse 18 bis 20:

„Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker, taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.

Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Amen

 

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