Weihnachtliches Erlebnis der besonderen Art

Ein ausserordentliches Bild erwartete die Besucherinnen und Besucher vor der Diessenhofer Stadtkirche im Rahmen des Jugendgottesdienstes am vergangenen Dienstag. Während der Vorplatz normalerweise als Übergang zum Gebäude dient, stand er an diesem Abend im Fokus: Zwei Kamele – gleichsam aus dem fernen Morgenland gekommen – und drei entzückende Esel waren zu Gast. Daneben stand ein Stall, der Maria, Josef und das neugeborene Christuskind beherbergte.

Ermöglicht wurde diese weihnachtliche Szenerie zum einen durch die Gebrüder Schmid GmbH aus Schlattingen, die das Markthäuschen sponserte. Die drei Esel, die an diesem Abend Gäste in Diessenhofen waren, stammten von Coralie Wenger Weilenmann aus Basadingen. Der Besuch der Kamele war durchführbar dank einer grosszügigen Spende aus dem Kulturpool der Stadtgemeinde Diessenhofen. Die rund 300 Besucher erfreuten sich ob dieses weihnachtlichen Geschehens auf dem Vorplatz, das einen Höhepunkt im Verlauf der Veranstaltung darstellte. Unterstützt wurde das Ambiente durch stimmige Beleuchtung. Hinzu kam ein Apéro, bestehend aus Punsch, köstlicher Kürbissuppe und leckeren Knabbereien.

Das Fest zum Anfassen

Mit dieser festlichen Stimmung ging es nahtlos weiter beim anschliessenden Gottesdienst im Innenraum. Das Publikum erlebte eine brillante Fusion der unterschiedlichen Begabungen der Sekundarschülerinnen und -schüler, die nun die Früchte ihrer wochenlangen Vorbereitungen ernten durften. Das Kirchenschiff, vom Dekorationsteam liebevoll geschmückt, erstrahlte in seiner ganzen Pracht. Die Tanzgruppe Roundabout aus Schlatt machte den Anfang und präsentierte einen mitreissenden Tanz zu rhythmisch bewegter, abwechslungsreicher Musik. Danach hatte das Moderationsteam seinen sympathischen Auftritt mit Überleitung zur Jugendband. Diese gab den eindringlichen Song «Oh holy night» zum Besten und zog damit das Publikum in seinen Bann.

Der bedeutungsvolle Stern

Die Theatergruppe präsentierte sich in grandioser Form. Das Stück, das sie zur Aufführung brachte, trug den Titel «Der bedeutungsvolle Stern». Hirten, drei Könige aus dem Morgenland, Engel sowie Maria und Josef traten auf. Sie schilderten aus ihrem Blickwinkel, wie sie die grossen Taten Gottes einschätzten und bewerteten. Dabei wurde die Weihnachtsgeschichte mit modernen und witzigen Elementen in Verbindung gebracht: So kommunizierten die drei Könige via Whatsapp und Smartphones. Damit  gaben sie den Herrschern der anderen vorderasiatischen Reiche kund, was an diesem aussergewöhnlichen Abend in Bethlehem geschah.

Eingebettet in ein fantastisches Bühnenbild präsentierten die jungen Schauspieler eine Bühnenleistung, welche beim Publikum für großartige Begeisterung sorgte und mit einem warmen Applaus honoriert wurde. Das Stück wurde umrahmt von der Jugendband, die szenisch abgestimmte Weihnachtslieder spielte, unterstützt durch einen Chor von Religionsschülerinnen und -schülern der Primarschule. Dieser Chor sorgte im Zusammenspiel mit der Band für ein ergreifendes Spannungsmoment in der Stadtkirche. Die jungen Sängerinnen und Sänger sangen sich mit ihren lieblichen Klängen in die Herzen des Publikums.

Gott mit uns

In ihrer Predigt schilderte Religionslehrerin Karin Schmid tragende Gesichtspunkte der Weihnachtsgeschichte. Sie betonte den zweiten Namen von Jesus Christus «Immanuel», der die Bedeutung «Gott mit uns» hat. An der Krippe biete sich die Chance, die Bedeutung dieses Namens zu begreifen und dann zu erleben, wie Gott mit uns ist, weil er uns in seiner Dreieinigkeit liebt und begleitet. Die Predigerin wies daraufhin hin, dass das Leben nicht immer fair sei. Sorgen und Nöte würden nicht vor uns haltmachen. Bei der Krippe könne allerdings jeder Mensch unabhängig von seinen Lebensumständen Frieden und Geborgenheit in Jesus Christus finden.

Andächtige Stimmung

Abschliessend waren die Besucherinnen und Besucher eingeladen, eine Kerze zu entzünden und einen Moment innezuhalten. Ein mit Sand aufgefülltes Tongefäss erstrahlte schon bald in leuchtendem Kerzenlicht. Es verstärkte die andächtige Stimmung, die sich im Innern des Kirchenschiffs ausgebreitet hatte. Nach diesem Gottesdienst, der den Glanz von Weihnachten sichtbar machte und die Besucherinnen und Besucher tief bewegte, waren die Stationen rund um die Kirche noch einmal offen. Somit klang der Abend in entspannter Atmosphäre bei guten Gesprächen und ebenso guter Verpflegung aus.

Zwischenbilanz zum Glockengeläut und Uhrschlag

Die evangelische Kirchgemeinde Diessenhofen informiert zur im November beginnenden Umfrage

Ein halbes Jahr Probezeit liegt hinter uns: Ein halbes Jahr ohne nächtlichen stadtkirchlichen Uhrschlag. Für die einen war es eine angenehme Verbesserung. Für die anderen ein Verlust an Vertrautheit. Jede der beiden Gruppen hat Anspruch auf Lebensqualität, die unterschiedlich erfahren wird.

Jetzt Ende Oktober 2022 wird laut Beschluss des Kirchenvorstandes wieder die ursprüngliche Variante des Geläuts und Uhrschlags der Stadtkirche eingeschaltet, um der Einwohnerschaft den direkten Vergleich beider Optionen zu verschaffen: Sei es die bisher bewährte Läuteordnung (allerdings mit Verkürzung des Frühgeläuts von fünf auf drei Minuten), sei es eine reduzierte Läuteordnung, wie sie jetzt ein halbes Jahr probehalber aufgeschaltet war (einschliesslich Verkürzung des Frühgeläuts und Verzicht auf viertelstündige Uhrschläge des Nachts). Diese beiden Lösungsvorschläge wurden im vergangenen Herbst am Runden Tisch erarbeitet. Diese beiden Möglichkeiten hatten sich herauskristallisiert aufgrund der Resultate der Umfrage, die infolge der Petition gestartet worden war.

Verfassungsgemäss hat die Kirchgemeindeversammlung im März 2023 das letzte Wort. Sie entscheidet, welche der beiden Varianten in Zukunft unser klangliches Gesamtbild im Städtli bestimmt. Wir hoffen, dass die Mehrheit aller Mitbewohner mit dem Resultat leben können, das die Kirchgemeindeversammlung nächstes Frühjahr beschliesst. Frieden und Wohlbefinden, die wir erhoffen, betrifft die gesamte Einwohnerschaft: Zum einen diejenigen, die es bevorzugen, wenn die Dinge sich gerne so weiterentwickeln dürfen, wie es sich aus dem bisherigen Verlauf der Geschichte unseres Städtli und seiner Stadtkirche ergeben hat. Und diejenigen, die eine Veränderung des Bestehenden erstreben, weil sie der Meinung sind, dass nun auch im Diessenhofer Stadtkern klanglich eine Anpassung an die Trends grösserer Ballungsgebiete erfolgen sollte. Bewahrung des Überlieferten und Neuorientierung stehen sich bei dieser Entscheidung gegenüber und sind doch aufeinander bezogen. Ihnen, liebe Kirchbürgerinnen und Kirchbürger, wünschen wir eine gute Meinungsbildung und Entscheidung.

Alle Einwohnerinnen und Einwohner Diessenhofens sind gebeten, an der ab November aufliegenden Umfrage teilzunehmen. Es ist uns ein grosses Anliegen zu erfahren, welche Läuteordnung Ihnen mehrheitlich zusagt. Die Umfragebögen liegen in der Stadtkirche aus oder können von der Homepage der evangelischen Kirchgemeinde heruntergeladen werden.

Alltagsgedanken mit Tiefen- und Höhensinn

Eine prominente Dichterlesung fand am vergangenen Dienstag 18.10. im Evangelischen Kirchgemeindehaus Diessenhofen statt. Im Rahmen von „Kultur am Nachmittag“ präsentierte Doris Widler – bekannt unter ihrem Künstlernamen Doris Host – eine Fülle sinnstiftendender Alltagsgedanken. Diese entnahm sie jenen sechs Gedichtbänden, die im Laufe dreier Jahrzehnte aus ihrer Feder entstanden sind. Zu Gehör kamen Anekdoten aus der bunten Bandbreite des Daseins. Geschildert wurde das Leben in seiner persönlichen, gemeinschaftlichen und naturgegebenen Vielfalt. Damit traf die Autorin die Erwartungen und den Geschmack des Publikums. Mit humorvoll bewegter, ausdrucksstarker Stimme trug sie ihre dichterisch geformten Gedanken vor, die Heiterkeit, Nachdenklichkeit und kräftigen Beifall auslösten.

Wie auf Erden so im Himmel

Inhaltlich kreisten die Gedichte um ganz normale Vorgänge, aus denen Doris Widler einen tieferen oder höheren Sinn ableitete. Eingangs beschrieb sie den Flug eines Ballons, der zuvor am Boden gelegen hatte und erst in einem langwierigen Vorgang aufgeblasen werden musste. Mit liebevoll aufmerksamem Blick fürs Detail schilderte die Autorin, wie aus einem kümmerlichen Häuflein Stoff über die Zwischenstufe einer rundlichen Schlange sich allmählich jener riesengross prächtige Ball aufgewölbt habe, der dann zu einem herrlichen Rundflug startete – mit ungeahnten Aussichten.

Nach diesem Höhenflug schwenkte die Autorin wieder auf organisatorische Welten um, ohne freilich die höheren Welten aus dem Auge zu verlieren. Sie tat das nach dem Motto: Wie auf Erden so im Himmel. So beschrieb sie terminliche Vereinbarungen im Familien- und Kollegenkreis, die sich steigern bis hinauf zu höchstgestellten Persönlichkeiten wie dem Apostel Petrus: Selbst mit ihm sei ein Termin zu vereinbaren, und zwar deshalb, um den Eingang in den Himmel bewilligt zu bekommen.

Tägliches Wechselspiel im Horizont der Dankbarkeit

Sogar von diesem paradiesischen Höhenflug – so schön er war – ging es wieder hinab, dieses Mal ausgerechnet in die Niederungen moderner Technik. Diese habe beim Gebrauch von Natel und WhatsApp ihre besonderen Tücken, die jedoch mit Humor und tatkräftiger Mithilfe kundiger Familienangehöriger gut und gerne überwunden werden, wie Frau Widler schmunzelnd ausführte. Von einer gestohlenen Minute war alsdann die Rede, die sich erstaunlicherweise zu einer gewonnenen Zeit umwandelt, und von einem Traum, der bei näherem Hinsehen verblüffend genau die eigene Lebenswirklichkeit abspiegelt.

Den Abschluss bildeten jahreszeitliche Betrachtungen über den derzeit goldenen Herbst in seiner Strahlkraft zur Ehre Gottes. Damit wurde der Erzähl-Bogen abgerundet im Dank an den Schöpfer, in dessen Gedanken und Handlungen unser alltägliches Dasein eingebettet ist.

Feinfühliger Einblick und hintersinniger Ausblick

Im hingebungsvollen Hinschauen, meditativen Zuhören und schreibenden Gestalten liegt die Begabung der Autorin. Was sie sinnlich aufnimmt und gedanklich in grosser Zuversicht bewegt, spiegelt sich in dem, was sie niederschreibt und in Buchform veröffentlicht. „Fasziniert und inspiriert vom tieferen Sinn, welcher hinter all den täglichen Kleinigkeiten zu finden ist, versuche ich meinen Gedanken in Gedichten und Prosa eine (be)sinnliche Form zu geben“, sagt sie über sich und ihr Werk. Es seien Nachttisch-Bücher, immer zur Hand, wenn Bedarf bestehe nach einem versöhnlich-tröstlichen Einblick in unsere Welt, wie sie nun einmal ist – und wie sie dann auf höherer Ebene immer wieder neu erfahrbar werden kann.

Natur und Kultur

In Düsseldorf geboren, verbrachte Doris Widler in Büsingen ihre Kindheit und Jugend, um als Erwachsene den Schwerpunkt nach Schaffhausen zu verlegen. Im Hauptberuf war sie als Kauffrau und Katechetin tätig. Seit einigen Jahren ist die Mutter dreier erwachsener Kinder im Städtli beheimatet. Die harmonische Umgebung der Idylle des Hochrheins prägt ihr dichterisches Schaffen – wovon die nachmittägliche Veranstaltung ein beredtes Zeugnis ablegte.

Brigitta Lampert und Edith Lüdi begleiteten den Anlass mit Klavier zu vier Händen und gaben dem Ganzen eine festliche Ausprägung. Bei einem anschließenden Zvieri und angeregten Gesprächen klang diese kulturbewusste Zusammenkunft aus, die von Tanja Schum bestens vorbereitet worden war. Das nächste derartige Treffen ist am 15. November im Evangelischen Gemeindehaus Diessenhofen, und zwar wiederum mit Gedichten und Kurzgeschichten, die dann von Lilo Kottmann vorgetragen werden.

Inspirierender Jugendgottesdienst zum Thema «Dating»

Am vergangenen Dienstagabend 27. September fand in Diessenhofen der Jugendgottesdienst statt. Die Stadtkirche war durch die Schülerinnen und Schüler des Dekorationsteams kreativ geschmückt worden: Unzählige rote Herzen zierten die Wände und hüllten den Raum in die passende Stimmung zum Thema Dating. Nach der sympathischen Begrüssung durch das Moderationsteam übernahm die Jugendband und holte die Besucherinnen und Besucher mit ihren kraftvollen Songs ab.

Standfestigkeit durch die Beziehung mit Gott

Gastredner war der 20-jährige Lukas Gerber aus Tägerwilen. Der junge Thurgauer hat diesen Sommer die Matura erlangt und beabsichtigt, nach seinem Zivildienst den Weg des Theologiestudiums einzuschlagen. Dass er damit auf dem richtigen Weg ist, bewies er an diesem Abend: Gekonnt führte er in das vielschichtige Thema ein und richtete passende Worte an die Besucher aus allen Generationen. Beziehungen seien wie ein Kartenhaus, dem es auch an Stabilität mangeln könne, führte er aus. Wer sein Glück auf eine Beziehung aufbaue und seinen Wert in anderen Personen suche, werde keine Erfüllung finden. Vielmehr gehe es darum zu erkennen, welchen Wert jeder einzelne Mensch in Gottes Augen hat. Entziehe man sich der Abhängigkeit von anderen Menschen und mache man sich seinem Wert in Jesus Christus bewusst, würden sich nicht nur Wege für eine gesunde Beziehung zu sich selbst eröffnen, sondern auch für Beziehungen mit anderen. Diesen Schlüsselpunkt umrahmte Gerber mit passenden Bibelstellen, die seine Worte tiefgehend untermauerten.

Abgestimmte Elemente

Die Theatergruppe studierte ein thematisch passendes Theater ein. Darin sucht eine junge Frau nach ihrem Herzblatt, das sie am Ende des Stückes in feierlichem Ambiente aus drei Männern aussucht. Die Jugendband gab daraufhin den Song «Just the way you are» von Bruno Mars zum Besten und sorgte für die passende Stimmung. Auch der anschliessende Apéro war perfekt auf das Thema abgestimmt: Nebst dem traditionellen Hotdog und leckerem Kuchen wurden allen Besucherinnen und Besuchern Lebkuchenherzen offeriert, die liebevoll mit Zuckerguss in allen Farben verziert waren. Beim Geniessen des Apéros ergaben sich wertvolle Gespräche und Begegnungen, bei welchen man den Abend stimmungsvoll ausklingen liess.

Erntedank in familienfreundlicher Stimmung

Stadtkirche im Glanz der Erntegaben

Vergangenes Wochenende feierte die evangelische Kirchgemeinde Diessenhofen das Erntedankfest. Aus diesem Anlass wurde der Chor- und Altarraum der Stadtkirche am Samstag von fleissigen Helferinnen prächtig geschmückt mit gespendeten Feld- und Gartenfrüchten, die später der Gassenküche Schaffhausen zugute kommen. In einem solch naturnahen, farbenfrohen Gotteshaus startete am Sonntag ein familienfreundlicher Gottesdienst mit einem packenden Schülertheater, das Religionslehrerin Karin Schmid mit den Fünftklässlern eingeübt hatte. Sie wurden unterstützt von Helferinnen und Helfern, die mit grossem Engagement dafür Sorge trugen, dass der Anlass ein gelungenes Ereignis wurde zur Ehre Gottes und zur Freude der ganzen Gemeinde, die aus vollen Kehlen das Danklied anstimmte: „Wir pflügen und wir streuen.“

Schicksalsgestalt Elia

Thema war die Geschichte des Propheten Elia in der grössten Krise seines Lebens, als eine mehrjährige Hungersnot das Land erbarmungslos plagte. Anschaulich zeigten die theaterspielenden Schülerinnen und Schüler, wie der Prophet durch verschiedene Gotteswunder vor dem Zugriff des gewalttätigen Königs Ahab und dem drohenden Hungertod bewahrt wurde.

Besonders urwüchsig und humorvoll wurde jene Szene an einem Nebenfluss des Jordan präsentiert, da Elia von Raben, die ihn an seinem Geheimversteck umfliegen, mit Brot und Fleisch versorgt wird. Die Raben wurden von Schülerinnen und Schülern in schwarzen Kostümen und aufmontierten Schnäbeln dargestellt, die den auf dem Boden hockenden und Trübsal blasenden Propheten mehrfach umkreisen und aufmuntern mit ihren Essensgaben, die sie direkt vor ihm in seinen Teller fallen lassen – worauf er in grosser Erleichterung ein Dankgebet anstimmt. Die Orgel, gespielt von Annedore Neufeld, trug zur gelungenen Darbietung bei, indem sie die Szene mit lautmalerischen Melodien begleitete.

Nicht jammern, sondern beten

In ihrer Predigt nahm Karin Schmid Bezug auf Gottes Wunderkraft, die auch heutigen Tages erlebbar sei – besonders in jetzigen Krisenzeiten. Der Mensch sei berufen, aktiv und selbstbestimmt auf Gottes Hilfsangebote zu antworten. Anstatt nutzlos herumzulungern und passiv sein Schicksal über sich ergehen zu lassen, solle man sich lieber direkt und ohne Scheu an Gott wenden, den Geber aller guten Gaben. Wichtig sei es, ihm anschliessend für seine geleisteten Hilfsmassnahmen zu danken. Und wenn nach anfänglichen Rettungsaktionen ein abermaliger Einbruch und Absturz droht? Dann solle man sich ein Beispiel am Propheten Elia nehmen, der in der Dauerkrise nicht anfing zu jammern, sondern frank und frei erneut den Dialog nach oben suchte. Derjenige werde gesegnet, der am Ball bleibt und entschlossen den Kontakt mit Gott beibehält, ja diesen Kontakt nachhaltig ausbaut allen widrigen Umständen zum Trotz.

Dank mit Wort und Tat

Im weiteren Verlauf der Predigt nahm Frau Schmid Stellung zu Elias Aufenthalt bei einer heidnischen Frau im phönizischen Nachbarland – also bei jener Witwe, die trotz eigener Notlage dem Propheten mehrere Freundlichkeiten erweist, bevor sie mit dem Wunder eines nie versiegenden Ölkrugs und eines nie leer werdenden Mehltopfs belohnt wird. „Gott sucht Menschen, die an ihn denken, ihm vertrauen und dankbar sind. Er belohnt unsere Freigiebigkeit mit seinen Gaben, die er uns in Hülle und Fülle zukommen lässt, darum lasst uns damit anfangen, in seinem Namen Gutes zu tun“, fasst Karin Schmid ihre Ausführungen zusammen.

Gegen Ende der Veranstaltung bekamen alle jungen, mittleren und älteren Besucherinnen und Besucher ein Kärtchen überreicht mit dem aufgedruckten Tischgebet: „O Gott, von dem wir alles haben, wir preisen dich für deine Gaben. Du speisest uns, weil du uns liebst, nun segne auch, was du uns gibst.“ Bei einem feinen Apero klang dieser anschauliche und erlebnisreiche Gottesdienst aus. Ein herzlicher Dank gilt dem gesamten Team, das mit Präsentation der Erntegaben, Bild- und Tontechnik, Dekoration, Ausstattung und Kostümen, Schriftlesungen und Gebeten zum gemeinschaftlichen Gelingen beitrug.

Junge Menschen in der Passionszeit

Dramatische Szenen

Diessenhofen und die umliegenden Gemeinden erlebten am Dienstag einen Jugendgottesdienst zu dem Thema „Passion – unterwegs mit Jesus“. Schülerinnen und Schüler aus Basadingen, Schlattingen und Willisdorf hatten diesen Anlass vorbereitet. In ein geheimnisvolles blaues Licht getaucht, erstrahlte die Stadtkirche im abendlichen Halbdunkel. Moderation und Lieder waren auf diesen nachdenklichen Anlass eingestellt. Worte, Klänge und Melodien versetzten die jungen Leute mitsamt Eltern, Verwandten und Freunden in eine erwartungsvolle Stimmung.

Das Schülertheater spielte tragische Szenen aus den letzten Stunden, die Jesus Christus auf seinem irdischen Lebensweg beschritt. Das dargestellte Drama war geprägt von einer heftigen Kontrastwirkung zwischen Jesus und Petrus: Dieser leugnet dreimal, seinen Herrn zu kennen, und wird durch das zweimalige Krähen des Hahns in tiefe innere Verzweiflung gestürzt.

Feigheit und Mut

In seiner Predigt versetzte sich Diakon zur Anstellung Andreas Schlegel (Schlatt) in Petrus hinein und erläuterte den inneren Zwiespalt zwischen Mut und Feig-heit. Aus dieser inneren Notlage habe er durch eine Sinnesänderung heraus-gefunden. In der Rolle des Petrus wandte er sich an die versammelten Jugend-lichen mit den Worten: „Habt ihr auch schon einen ähnlichen Konflikt erlebt? Wie mag der ausgegangen sein? Jedenfalls gibt es einen Weg zu Gott zurück.“ Die Predigt gipfelte in dem Hinweis auf die königliche Würde, die Jesus aus-zeichnet. Gerade in der Stunde tiefster Erniedrigung habe Christus an dieser Würde festgehalten, die durch die Auferstehung glanzvoll bestätigt worden sei.

Gemütliches Dekor

Ein liebevoll buntes Dekor erfreute das Auge der Besucherinnen und Besucher. Die Gesangssolisten sassen vorn auf der Bühne auf gemütlichen Sesseln und anderen Sitzgelegenheiten inmitten eines wohnlichen Interieurs. Von dieser Wohnzimmeratmosphäre aus liessen sie ihre Lieder in das weite und grosse Kirchenschiff hinein erschallen. Der Sound der Band unterstützte diese Stimmung und wechselte zwischen weichen und kräftigen Klangfarben.

Anstelle des krankheitshalber verhinderten Hans Maurer (Missionswerk „Licht im Osten“) wies Religionslehrerin Karin Schmid auf die Kriegssituation in Ost-europa hin und warb um eine herzhaft-grosszügige Kollekte zugunsten ukrainischer Flüchtlinge. Mit einem schmackhaften Hotdog und in frohgemuter Geselligkeit wurde dieser abendliche Anlass abgerundet.

Die Welt zu Gast im Städtli

Gottesdienst für Generationen

Am vergangenen Sonntag veranstaltete die Generation Church Diessenhofen den zweiten Anlass dieses neugegründeten Formats. Leitmotiv war Jesu Aufruf aus dem Markusevangelium Kapitel 15,16: „Gehet hin in alle Welt“. An diesem Abend war jedoch auch die umgekehrte Bewegungsrichtung spürbar und sichtbar: Die Welt war zu Gast in der Stadtkirche.

Eine phantasievolle Dekoration mit leuchtenden Farbenspiel tauchte das Innere des Gottes-hauses in ein geheimnisvolles Licht wie bei einem Märchen von „Tausend und einer Nacht“, passend untermalt von dem Lied „My Lighthouse“ (Mein Lichthaus). Die Melodien, vorgetragen von der glänzend aufspielenden Band, erwärmten das Herz der Hörerinnen und Hörer zur Ehre Gottes. Auf der Leinwand wurden Bilder aus verschiedensten Himmelsrichtungen gezeigt: Aus Europa und Asien, aus dem Westen und dem nahen, mittleren und fernen Osten. Helferinnen und Helfer begrüssten die Besucher und vermittelten eine gastfreund-liche Atmosphäre. Einer der Höhepunkte war die Feier des heiligen Abendmahls.

Wanderer zwischen unterschiedlichen Lebenswelten

Hauptredner war Eno Demiral, Gründer und Leiter der Schaffhauser Missionsgesellschaft „Globale Nomads“ (Weltweite Wanderer). Dieses Hilfswerk arbeitet entlang der historischen Seidenstrasse, die den Balkan, die Türkei und den Iran mit Zentralasien und China verbindet.

Demiral gab einen Erfahrungsbericht. Bereits als Jugendlicher sei er, ermutigt durch einen unangepassten Klassenkameraden, aus seiner muslimischen Tradition aufgebrochen zu einer christlichen Existenz, ohne den kulturellen Zusammenhang mit seiner Familie zu verlieren.

Wichtig war dem Prediger ein niederschwelliger, gefühlsmässig leichtgängiger Zugang zu Gott und Christus. Meist stelle man sich die Hürden zu hoch vor, da der christliche Glaube oft mit einer ganz einseitig bestimmten europäischen Kultur verwechselt werde, gab Demiral zu bedenken. Dadurch werde der Zugang zum Glauben unnötig erschwert. Es gebe einen breit und lang angelegten Übergangsbereich von einer nichtchristlichen zu einer christlichen Lebensweise. Er selbst habe sich drei Jahre gegönnt, um – ausgehend von zarten Anfängen und bescheidenen Informationen – schliesslich den vollgültigen Kontakt zu Gottes Sohn zu finden.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Religionen

Geholfen habe ihm, dass Jesus auch im Koran eine ziemlich grosse Rolle spiele. Christus geniesse auch in der islamischen Religionsgemeinschaft einen hohen Stellenwert – wenn-gleich man zugeben müsse, dass das biblische Verständnis weit über muslimische Vorstellungen hinausreiche. Es gebe zwischen Islam und Christentum gewichtige Unterschiede neben allen vorhandenen Gemeinsamkeiten, betonte der Redner. Er selbst habe keine klassische „Bekehrung“ im Sinne eines Religionswechsels vollzogen. Vielmehr habe sich seine Beziehung zu Jesus sachte und langsam, dafür umso nachhaltiger entwickelt. Nach einer dreijährigen Übergangsphase habe er sich zur Taufe entschlossen und damit ein öffentliches Bekenntnis abgelegt.

Kraft der Gnade

Es sei im Grunde genommen einerlei, ob jemand aus einem europäischen, nahöstlichen oder asiatischen Hintergrund komme, gab der Prediger zu bedenken: Der Weg zu Christus sei für jeden Menschen machbar, gleichgültig, aus welcher kulturellen oder religiösen Prägung er stammt. Der Übergang zu Jesus gelinge dank der Gnade Gottes. Die persönliche Entwicklung des Glaubens gedeihe unter dem Einfluss der göttlichen Gnade.

Nach Fürbitte und Unser Vater erteilte Pfarrer Gottfried Spieth den Segen des dreieinigen Gottes an die Versammlung. Hernach kam der gemütliche Teil. Jael Mascherin, Präsidentin der Kirchgemeinde, war humorvolle Moderatorin und tatkräftige Organisatorin des reichhaltigen Aperó auf dem Vorplatz der Kirche. Mit einem ausgiebigen geselligen Beisammensein klang der fröhliche Frühlingsabend in und um die Stadtkirche aus.

«Von guten Mächten wunderbar geborgen»

So heisst es im berühmt gewordenen Gedicht des deutschen Theologen Dietrich Bonhoeffer. Er schrieb es 1944 während seiner Haft in Deutschland im zweiten Weltkrieg.  Als NS-Widerstandskämpfer wurde er ein Jahr später hingerichtet. Dieser Entstehungshintergrund lässt seine Zeilen nochmals viel tiefer zu Herzen gehen. Wer war dieser Mann und was trieb ihn an?

Dieser Frage gingen am letzten Freitagabend 15 Personen an einem interaktiv gestalteten Erwachsenenbildungsabend der evangelischen Kirchgemeinde Diessenhofen unter der Leitung von David Jäggi nach. Mit Text- und Filmausschnitten, Büchern, Bildern, Gedanken von David Jäggi und gemeinsamem Austausch wurden zahlreiche Schätze entdeckt. Was immer wieder deutlich wurde: Bonhoeffer konnte sein geistliches Leben mit seinem aktiven Wirken in der Welt aufs Engste verbinden. Eine ganzheitlich gelebte Gottesbeziehung, die in tiefsten Krisen trug und auch heute noch zur Nachahmung inspiriert.

Text Florian Aeberhardt. Bild Thomas Russenberger.

«Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben»

Weltgebetstag vom Freitag 4. März in Schlattingen

Rund dreissig Personen aus der Region feierten in der «Very British» geschmückten Kirche zeitgleich mit den sieben Regionen der Erde einen eindrücklichen Weltgebetstags-Gottesdienst. Die Verfasserinnen der Liturgie kamen dieses Jahr aus England, Wales und Nordirland. Ihnen war es wichtig, die Aufmerksamkeit auf ein umfassendes Gottesbild zu lenken, ein Gottesverständnis jenseits des Geschlechts. Darum wurde stets die Anrede «Gott, unsere Mutter und unser Vater» verwendet.

Die stimmungsvollen Lieder teils in Englisch, teils in Deutsch, untermalten die Thematik des Abends, einerseits beschrieben von Jeremia, das Volk Israel im Exil in Babylon und andererseits die aktuellen Probleme unserer Zeit. Zentral blieben dabei stets die kraft- und segensreichen Worte Gottes «Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben». Eine tröstende und stärkende Zusage, welche gerade in unserer krisengeprägten Zeit Mut macht aktiv zu sein, zu handeln, zusammen zu stehen und einander gegenseitig zu unterstützen.

Désirée Eicher-Uehlinger

Erster Diessenhofer Jugendgottesdienst im neuen Jahr

Der vergangene Dienstagabend stand ganz im Zeichen des ersten Jugendgottesdienstes im neuen Jahr. Die Stadtkirche zeigte sich von ihrer schönsten Seite, als Schülerinnen und Schüler aus Schlatt ein Erlebnisprogramm starteten, gerichtet an Jugendliche aus dem gesamten Diessenhofer Bezirk samt Eltern und Grosseltern. Licht- und Tontechniker, Sänger und Musiker liefen zu Hochform auf, aufgelockert durch eine humorvolle Moderation. Hinzu kam ein Schülertheater vom Feinsten. Die jungen Darsteller präsentierten in zwei Teilen eine bemerkenswerte Geschichte aus der Zeit des Neuen Testaments, aufgeschrieben im Evangelium nach Johannes Kapitel 2 und 3: Wie Jesus Christus Wasser in Wein wandelt und einem überaus klugen Mann eine noch klügere Antwort liefert auf dessen Fragen.

Nikodemus findet seinen Meister

An diesem Abend stand also Nikodemus im Mittelpunkt – jener berühmte Theologieprofessor, der anlässlich eines nächtlichen Zwiegesprächs in Jesus seinen Meister fand. Die Gegensätze, die diesem Dialog vorausgingen, hätten nicht farbiger und kontrastreicher gestaltet werden können: Das Schülertheater demonstrierte ausgelassene Freude anlässlich einer orientalischen Hochzeit, den urplötzlichen Mangel an Wein, die Verzweiflung des Bräutigams, der sich vor der Festgesellschaft als organisatorischer Looser blossgestellt vorkommt, dann aber die verblüffende Wunderkraft, die in den Worten und Anweisungen des Herrn steckt. In den Handlungsablauf eingebettet waren liebenswürdige Dialoge, etwa als Jesus mit seiner Mutter Maria diskutiert, was nun Priorität haben solle, um die eingebrochene Feststimmung doch noch zu retten. Die Mangelprobleme lösen sich dann durch das Wunder, vollbracht durch Gottes Sohn, der sich als liebevoller Meister der Kommunikation erweist und ebenso meisterlich über den Naturgesetzen steht.

Vertrauen ersetzt Leistung

Die Spannung verdichtete sich noch einmal, als Religionslehrerin Karin Schmid zu ihrer Predigt ansetzte. Sie erläuterte das Prinzip von Leistung und Gegenleistung, wie es heutzutage in Schule und Beruf gefordert wird, aber auch damals schon den klugen Nikodemus voll und ganz erfüllte. Dieses Leistungsprinzip gelte nicht in der christlichen Religion, erläuterte Frau Schmid: Hier seien andere Werte bestimmend, die auf eine vertrauensvolle Verständigung zwischen Gott und Mensch hinauslaufen, ohne dass die Regel „eine Hand wäscht die andere“ zur Anwendung gelange. Denn im Verhältnis zu Gott und Christus komme es ausschliesslich auf den Glauben an, und zwar persönlich und direkt: „Jesus ist meinungsstark, mitfühlend und weckt unser Vertrauen, ohne dass wir extra Vorleistungen erbringen müssen.“

Probe aufs Exempel

Das Gesehene und Gehörte verfehlte den Eindruck auf die jugendlichen Zuhörer nicht. An diesem Abend gewöhnten sie sich an einen etwas anderen Blickwinkel, der in wohltuendem Kontrast steht zum landläufigen Wechselspiel aus Geben und Nehmen. Der Grundsatz des leistungsbezogenen Umgangs werde bei Jesus durchkreuzt durch lebendige Kommunikation und freundliches Einvernehmen, fasste Karin Schmid die Botschaft des Abends zusammen. Die neu erfahrene Vertrauensbeziehung wurde auch gleich ausprobiert, indem die jungen Besucherinnen und Besucher nacheinander an den Taufstein traten und beim Anzünden einer Kerze ein persönlich formuliertes Gebet sprachen, direkt an Gottes Sohn gerichtet.

Die Schlatter Gruppe im Zusammenwirken mit Licht- und Tontechnik, Dekoration, Moderation, Theater und Predigt hat es geschafft, das schöne und tiefsinnige Glaubensbündnis zwischen Gott und Mensch in den Vordergrund zu rücken. Die Band präsentierte neue Lieder, die das Thema des Abends unter Beweis stellten und in den Worten an den Herrn gipfelten: „Aus Angst vor morgen, aus Furcht und Sorgen rufst du mich heraus. Wenn ich denk: ich bin nicht gut genug, bist du genug für mich.“ Innerlich bereichert durch diese zielführenden Gedanken und gestärkt durch einen abschliessenden Apéro, klang dieser Gottesdienst mit einem Segensgebet von Diakon in Ausbildung Andreas Schlegel (Schlatt) aus.

Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen

Johannes 6,37 (E)

Verlag am Birnbach – Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

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Mit Wort und Klang ins neue Jahr

Kulturelles Leuchtfeuer

Mit berührender musikalischer Schönheit und einem aussergewöhnlichen Hörerlebnis läutete Diessenhofen das neue Jahr ein. Eine erwartungsfrohe Gemeinschaft hatte sich am Abend des Neujahrstages in der Stadtkirche versammelt, um klangliche Höhenflüge und hoffnungsstarke Bibelimpulse zu erfahren. Es musizierten Janine Allenspach (Querflöte) und Annedore Neufeld (Orgel und Klavier). Sie brachten barocke Töne und romantische Klangfarben zu Gehör – sanft schwingend, temperamentvoll ausgreifend und in ein harmonisches Gesamtkunstwerk ausmündend.

Optimismus des Glaubens

Die Predigt, gestaltet von Pfarrer Gottfried Spieth, verkündete einen kräftigen Vertrauensvorschuss, den wir uns gegenseitig von Herzen gönnen sollten. Und zwar unter dem Leitspruch: „Jesus Christus gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit“ (Hebräer 13,8). Das Zentrum der Geschichte und der Anker in der Zeit sei kein geringerer als Jesus von Nazareth. Er sei der Heiland aller Welt. Nach ihm würden Jahrhunderte und Jahrtausende gezählt. Er sei das Fundament unserer geschichtlichen Vergangenheit, woraus sich die heutige Welt entwickelt habe. Deshalb sei Jesus gerade in der jetzigen Gegenwart ein überaus sensibler Zeitgenosse und Wegbegleiter, der mit uns durch dick und dünn gehe. Er verschaffe uns Vergebung und innere Heilung – und sei damit Schlüsselmacher, Türöffner und Taktgeber für die Zukunft. Diese münde in eine neue Zeit, eingebettet in den Horizont der Ewigkeit. „Befreit von Altlasten, erwarten wir getrost, was kommen mag“, wurde als Parole für 2022 ausgegeben.

Barocke Fülle und romantische Schönheit

Eingebaut in die Liturgie des Gottesdienstes, wurden folgende musikalische Stücke dargeboten: „Ankunft der Königin von Saba“ aus dem Oratorium „Salomo“ von Georg Friedrich Händel (1685-1759), Sonate h-Moll von Johann Sebastian Bach (1685-1750), „Tambourin“ von François-Joseph Gossec (1734-1829) und „Suite de Trois Morceaux pour flûte et piano“ von Benjamin Godard (1849-1895). Während die barocken Werke von Bach und Händel mit hell strahlendem Jubel aufleuchteten, beeindruckten die Kompositionen von Gossec und Godard durch ihr geniales Wechselspiel aus idyllischer Romantik, tänzerisch-beschwingter Wendigkeit und virtuoser Schnelligkeit. Farbige Tonmalereien und Rhythmen mischten sich mit Bibellesungen und Gebeten zu einem Mosaik – fein, vielfältig, glaubensstark.

Gemeinschaftsgefühl

Diese festliche Versammlung bewegte Herz und Sinne und motivierte zu neuer Zuversicht. Die Segensgrüsse und Glückwünsche der Kirchenvorsteherschaft brachte Präsidentin Jael Mascherin zum Ausdruck. Im Anschluss fand auf dem Vorplatz der Kirche der traditionelle Neujahrs-Aperó der Kirchgemeinde in gemütvoll angenehmer Atmosphäre statt. Somit verband der Abend ein herausragendes kulturelles Leuchtfeuer mit einem lebendigem Gemeinschaftsgefühl. Daraus konnten die Besucherinnen und Besucher innere Ruhe und Kraft schöpfen für 2022.

Wenn der Glaube aus der Kirche ins Internet wandert

Digitale Horizonte in Diessenhofen

Eine faszinierend weite Welt tat sich inmitten des Städtli auf, als Dave Jäggi, Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche EMK, religiöse Internet-Angebote präsentierte. Dies geschah am Abend des 04. November in der Begegnungsstätte VENUE im Rahmen der „Etwas anderen Erwachsenenbildung“ der Evangelischen Kirchgemeinde Diessenhofen unter der Frage: „Eignet sich das Internet für Spiritualität? Kann es Gemeinschaft aufbauen?“ Eine Fülle von Predigten, Gesprächen und Gebeten wurde online präsentiert. Passend dazu lieferte der Redner geistreiche und unterhaltsame Ratschläge für das Verlassen eingefahrener Gleise und den Empfang frischer Impulse.

Freude am Experimentieren

Auf elektronischem Wege könne jeder seine individuell angemessene Ausdrucksform des Glaubens zusammenstellen, so Jäggi. Die Möglichkeiten des Internet kämen experimentierfreudigen Leuten des 21. Jahrhunderts entgegen. Der zeitgenössische Mensch liebe es, überraschende Perspektiven wahrzunehmen und ungewohnte Methoden des Sehens und Bewertens auszuprobieren. Genau diese Chance biete das neue Medium, aber „womöglich aus einer Ecke, von wo wir es nicht erwartet haben.“ Kirche und Religion würden vom örtlich begrenzten Wirkungskreis in eine weltweit vernetzte Freiheit verwandelt. Doch stünden die medial breitgefächerten Formate nicht im Widerspruch zu regionalen Angeboten, sondern ergänzten und erweiterten diese, wie der Referent einer wissbegierigen Runde von Kirchbürgern darlegte.

Vernetzte Spiritualität

„Leben bedeutet Vernetzung“, unterstrich Jäggi. Je weiter und intensiver diese Vernetzung ausgeprägt sei, desto umfassender und tiefer sei ihre Lebendigkeit. Das Internet könne als Gerüst verstanden werden für ein „die Welt umspannendes und vereinendes Netzwerk der alles verbindenden Liebe“, erläuterte er mit Bezug auf Benediktiner-Mönch David Steindl. Hierbei komme „Spiritualität“ ins Spiel. Dieser Ausdruck sei abgeleitet vom lateinischen Wort spiritus = Lebensatem. Spiritualität bedeute also ihrem Namen nach „Lebendigkeit“. Genau diese spirituelle Lebendigkeit werde im Internet weltweit ausgebreitet, aber zugleich individuell verfeinert. Daher könne das Internet sogar selbst als „spirituelle Erscheinung“ bezeichnet werden.

Bei allem Optimismus über das neue Medium wurde nicht verschwiegen, dass sämtliche Dinge im Internet gespiegelt und gesteigert werden – die positiven wie die negativen. Wer sich seiner christlichen Verantwortung bewusst sei, konzentriere sich ausschliesslich auf die guten Möglichkeiten der digitalen Welt.

Breite Palette der Angebote

Dave Jäggi führte zahlreiche Webseiten vor, die eine universelle Begegnung ermöglichen im Geiste eines dynamischen, fein ausdifferenzierten, toleranten und grosszügigen Christentums. Die Bandbreite reichte von witzigen Cartoons über knallige Theaterszenen, humorvolle Spezialfragen der Bibel, kritisch-bissige Streitgespräche, warmherzig-tröstliche Predigten bis hin zur genauen Anleitung täglicher wiederkehrender Gebetszeiten. Genannt wurden z. B. die Webseiten und Podcasts Reflab.ch, unter Pfarrerstöchtern, hossa-talk.de, wort-und-fleisch.de, worthaus.org, youtube.com:EMK Schwarzenberg, dasbibelprojekt.visiomedia.org, sola-gratia.ch, feinschwarz.net, XRCS und netzkloster.ch

An den Vortrag schloss sich eine angeregte Diskussion an, die die Eindrücke des Abends abrundete. Die nächste Veranstaltung dieser Reihe ist am 26. Januar 2022 um 19.30 in der Stadtkirche zu dem Thema „Leben bis zuletzt und in Frieden sterben – Autonomie und Abhängigkeit, Würde und Selbstverantwortung“ mit Dr. Matthias Mettner (Arbon/Zürich), Studienleiter von „Palliative Care und Organisationsethik“ sowie Programmleiter des Forums „Gesundheit und Medizin“.

 

Was tun gegen Ungerechtigkeit?

Hoffnung stirbt zuletzt

„Jesus, wir wollen mehr von dir sehen !“ Mit diesem Liedvers legte der Diessenhofer Jugendgottes-dienst am Dienstabend in der Stadtkirche ein enormes Tempo vor, gewürzt durch den rhetorisch brillanten Einsatz humorvoller Moderatoren. Die Band ergriff zu Beginn die Initiative und sang zu-packende Lieder. Das Ganze gewann immer mehr an Dynamik. Die Refrains der Lieder setzten sich in den Ohren und Herzen der Hörer fest. Dann wechselte die Stimmung plötzlich. Das junge Publikum und eine ziemlich grosse Anzahl ihrer Eltern, Grosseltern und Freunde sammelte sich in innerer Ruhe zu einem Gebet, das Religionslehrerin Karin Schmid mit der Gemeinde sprach.

Kalte Gesetzlosigkeit

Dann wieder Szenenwechsel: Das Schülertheater drängte mit Wucht und Kraft voran, während dramatisch donnernde, hammerharte Filmmusik eingespielt wurde. Mit drastisch theatralischen Handlungsabläufen wurde gezeigt, wie Banditen mit Maschinengewehren den Chorraum stürmen. Wie sie Tod und Schrecken unter unbescholtenen Bürgern verbreiten. Wie sie alles ausrauben und totschlagen, was sich ihnen in den Weg stellt. Von dieser kaltschnäuzigen Gesetzlosigkeit liess sich allerdings der jüdische Prophet Habakuk (ca. 600 vor Christus) in seinem Glauben nicht beirren. Auf steinernem Boden kniete er nieder mit dem Gebetsruf auf den Lippen: „O Herr unser Gott, sei du unser schützender Fels!“

Gottesbegegnung

Und die göttliche Antwort? Sie erscholl aus dem oberen Chorraum: „Ich bin noch lange nicht fertig mit meinen Taten. Ich habe das letzte Wort.“ In souveräner Ausstrahlung und erfüllt mit übernatürlicher Kraft, wurde ein Lichtglanz aufgeblendet als Symbol für das Himmelslicht, „in dessen Strahlen sich Gottes Macht verbirgt“ (Buch Habakuk 2,4). Als der Prophet diese lichtvollen Eindrücke mitbekam, zitterte er am ganzen Körper in dem Wissen: „Der Herr wohnt in seinem Tempel, es sei stille vor ihm alle Welt“. Und schon erschien ein Silberstreif am Horizont! Obwohl mangelnde Erträge in Ackerbau und Viehzucht zu beklagen sind, schöpfte er Hoffnung: Er will „jubeln wie ein Hirsch“, denn das beflügelt seine Schritte.

Licht am Ende des Tunnels

Praktikant Martin Wieland griff die Impulse des Diessenhofer Schülertheaters in seiner Predigt auf mit der Frage: „Erreicht Gott überhaupt unsere Welt, die vor Ungerechtigkeit nur so strotzt? Will er überhaupt helfen?“ Auch wenn man manchmal den Eindruck gewinnen könne, als habe sich Gott ganz und gar vor unseren Augen verborgen, verharre er keineswegs in der Position eines neutralen, unbeteiligten Beobachters, schärfte der Redner seinen Hörern ein. Im Gegenteil: „Gott leidet an den Menschen, mit den Menschen, für die Menschen“, gab Wieland zu bedenken. Das Kreuz seines Sohnes sei der endgültige Beweis dafür, dass der himmlische Vater sich voll und ganz unter uns einsetze – wenn auch oft anders, als wir das erwarten.

Göttliches Beispiel

Von Gottes Beispiel angeregt, könnten junge und auch ältere Christen lernen, wie wir gelassener als bisher mit ungerechten Verhältnissen umgehen können. Wir seien dann bereit, nicht nur darüber zu reden, sondern diese Probleme dann auch ganz konkret anzugehen – und zwar dort, wo es in unserer Macht stehe, auch wirklich etwas zu tun. Mit diesen Worten beschloss der Prediger seine Ansprache.

 

Jugendliche Mithilfe

Als Beispiel wurde sodann eine Weihnachtspäckli-Aktion zugunsten bedürftiger Familien in der Schweiz genannt. Zu diesem Thema wurde Julia Schmid (Schlattingen), die sich mit diesem Problem wissenschaftlich auseinander gesetzt hat, von den Moderatoren des Abends eingehend befragt.

In diesem Zusammenhang wurde auf eine Schnur mit vielen angehängten Herzen aus Papier hingewiesen, die vom Dekorationsteam angefertigt und quer über den Chorraum ausgespannt worden waren. Dies sei ein Beweis dafür, hiess es, dass der Jugendgottesdienst vom Einsatz aller reformierter Schülerinnen und Schüler der siebten bis neunten Klasse lebe. Schon jetzt sei es so, dass die Arbeitsfelder Dekoration, Bild, Technik, Verpflegung und Theater ganz oder teilweise von ehemaligen Konfirmandinnen und Konfirmanden aus Diessenhofen, Basadingen-Schlattingen-Willisdorf und Stammheim geleitet werden. Die betreffenden Ex-Konfirmanden wurden denn auch ganz besonders stark mit Beifall bedacht.

Begeisterungsstürme

Regelrechte Begeisterungsstürme löste ein ebenso geniales wie romantisch stimmiges Weihnachtsvideo aus. Es wurde mit rhythmischem Klatschen gefeiert in Vorfreude auf den nächsten Jugendgottesdienst, der am 07. Dezember wieder als grosses Weihnachtsfest in und ausserhalb der Stadtkirche begangen wird.

Nach dem Unser Vater und dem Segen gab es für die Teilnehmer dieser Abendveranstaltung kein Halten mehr: In hellen Scharen strömten sie zum Kuchen- und Getränkebuffet, das vom Verpfle-gungsteam im hinteren Bereich der Stadtkirche liebevoll aufgebaut war. So klang dieser Jugendgottesdienst in einer segensreichen und glaubensfrohen Stimmung aus, geprägt von nachdenklichen Worten und dem dankbaren Grundgefühl, dass jeder und jede sich in die grossen und kraftvollen Hände Gottes fallen lassen darf, geborgen in Jesus Christus, bei dem auch unsere ungelösten Fragen bestens aufgehoben sind, bis sie in der Zukunft gelöst werden.

Heitere Ausfahrt im heimatlichen Kanton

Reformierte Kirchgemeinde Diessenhofen unterwegs

29 Kirchbürgerinnen und Kirchbürger aus dem Städtli brachen am vergangenen Sonntag zur lang ersehnten Ausfahrt auf. Traditionellerweise findet sie Anfang September statt. Zu Beginn wurde man fröhlich eingestimmt durch Brigitta und Hugo Lampert, die diese Reise bestens vorbereitet hatten. Auch Regina Hager und Fahrer Arthur Ruh („Thuri“) vom Reisebüro Isidor Hager entboten den Ausflüglern ein kräftiges Willkommen. Kurz nach 8.30 nahm der Car Kurs Richtung Südost. Sanft wiegend bewegte sich das Gefährt durch verträumte Landschaften des heimatlichen Kantons.

Erstes Ziel war Sulgen im mittleren Thurgau mit Besuch des dortigen reformierten Gottesdienstes. Pfarrer Frank Sachweh begrüsste die Diessenhofer Gäste auf das herzlichste. Mit seiner Predigt über „getrostes Abschiednehmen und dankbares Loslassen in jedem Lebensalter“ regte er die zahlreiche Hörerschaft zum Nachdenken an. Bei einem Gläschen Wein während des anschliessenden Apéro lernten Sulgener und Diessenhofer Gemeindeglieder sich gegenseitig kennen und schätzen.

Romantische Atmosphäre im Spätsommer

Und schon ging es zur nächsten Station: zum Wasserschloss Hagenwil. Im breit ausladenden, gewölbten Mostkeller wurde eine währschafte Mittagsmahlzeit eingenommen. Sie mündete bei einem köstlichen Dessert in eine lockere Gesprächsrunde ein, die auch tiefsinnige Dialoge über Gott und die Welt beinhaltete.

Und weiter fuhr man Richtung Bodensee, der im Hafen von Kreuzlingen erreicht wurde. Dort bestieg die Reisegruppe ein Schiff, das sich Richtung Romanshorn in Bewegung setzte, umweht von einer leichten Brise und umspielt vom warmen Glanz der nachmittäglichen Sonne. Wie wohltuend war es, auf die hell schimmernde Wasserfläche hinaus zu blicken, die von leichtem Wellengang gekräuselt war.

In Uttwil ging man an Land. Der bereitstehende Car brachte die muntere Schar alsdann nach Scherzingen ins Bodensee-Café. In entspannter Atmosphäre tauschte man bei einem scharfen Espresso oder milden Tee Gedanken und Erinnerungen aus.

Thuri chauffierte die Gruppe sodann mit sicherer Hand ins heimische Städtli zurück. Alle miteinander waren dankbar und froh, dass diese Reise – nach dem coronabedingten Ausfall im Vorjahr – nun endlich wieder stattfinden konnte. Die Diessenhofer Ausfahrt am ersten Sonntag im September geht bis auf Pfarrer Dietrich Henn zurück, der von 2002 bis 2010 im Städtli seine segensreichen Spuren hinterliess.

Konfirmation im Städli

Bilder der Konfirmation

Zehn junge Menschen aus Diessenhofen erlebten bei strahlenden Sonnenschein am letzten Sonntag im Monat Mai ihre Konfirmation. Der Jahrgang 2020-21 wurde dabei in zwei Gruppen unterteilt, um den Corona-Bedingungen gerecht zu werden. In grosser Freude veranstaltete die reformierte Kirchgemeinde nacheinander zwei festliche Morgenveranstaltungen in der Stadtkirche, in denen jeweils fünf Jugendliche eingesegnet wurden im Namen des dreieinigen Gottes.

Zehn Gebote

Das Thema beider Gottesdienste, die jeweils parallel ins Kirchgemeindehaus übertragen wurde, lautete: „Lebensregeln für den Weg in die Zukunft.“ Die zehn jungen Leute trugen die zehn Gebote des alten Testaments mit Erläuterungen Martin Luthers vor, zusammengefasst im Prinzip der Nächstenliebe und anschaulich dargestellt in Form eines Theaterstücks, welches das Gleichnis vom barmherzigen Samariter eindrucksvoll in Szene setzte. Gekonnt führten die Konfirmanden das Drama jenes ausgeplünderten und schwerverletzten Reisenden vor Augen, der zwischen Jericho und Jerusalem unter die Räuber fiel. Tragischer Tiefpunkt war dabei das mitleidlose Vorbei-Gehen zweier Scheinheiliger. Kraftvoller Höhepunkt hingegen war der verantwortungsbewusste Einsatz des Samariters, der alles tat, was in seiner Macht stand, um möglichst praktisch und unkompliziert die Not zu lindern.

Himmlischer Helfer

An diese szenische Vorführung knüpfte Pfarrer Gottfried Spieth in seiner Predigt an. Er schilderte den Übergang vom kindlichen Spiel zum Ernst des Lebens. Dabei verschwieg er die Gefahren nicht, die auf die jungen Freunde zukommen könnten. Krisenerfahrungen seien Teil der vollen Lebenswirklichkeit, in die sie nun einträten. Zugleich betonte Spieth die Hilfe von oben, die durch ein Stoßgebet von unten herbeigerufen werde: „Je schwieriger deine Lage ist, desto näher ist dir jener wirklich heilige Samariter, der zum grossen Freund deines Lebens wird und Jesus Christus heisst.“

Befestigung im Glauben

Jael Mascherin, Präsidentin der Kirchgemeinde, begrüsste die zehn neuen Kirchbürgerinnen und Kirchbürger herzlich und lud zur praktischen Mitarbeit in der Gemeinde ein. Sie verwies auf die geistliche Tragweite der Konfirmationshandlung und umschrieb diese – getreu der lateinischen Ursprungsbedeutung – mit den Worten: „Befestigung und Stärkung im Glauben“.
Zusammen mit Doris Greim, die die junge Mannschaft gemeinsam mit Pfarrer Spieth im vergangenen Oktober auf dem Lager in Meersburg begleitet hatte, überreichte Frau Mascherin den zehn jungen Menschen eine Rose als Zeichen der Wertschätzung. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden antworteten mit einem herzlichen Dank an Eltern, Grosseltern und Paten für die hilfreiche bisherige Wegbegleitung.

Glaubensfrohe Stimmung

Musikalisch wurden beide Gottesdienste durchflutet von klassischen Orgeltönen. Sie wurden dynamisch dargeboten von Annedore Neufeld und vermittelten eine feierliche Atmosphäre im Gotteshaus. Zeitgenössische Lieder mit geistlichem Tiefgang, gesungen und gespielt von der Jugendband unter Leitung von Dan Schmid, sorgten für eine ebenso gelöste wie glaubensfrohe Stimmung. Mit segensreichen Empfindungen klangen die beiden denkwürdigen Gottesdienste aus.

„Von der Höll ins Paradies“

Pilgern am Rheinufer

Im Rahmen der kürzlich ins Leben gerufenen «Etwas anderen Erwachsenen-bildung» versammelte Brigitta Lampert am 8. Mai eine zwölfköpfige Diessen-hofer Pilgergruppe zu einer Wanderung «von der Höll ins Paradies». Treffpunkt war die Stadtkirche mit einführenden Gedanken über den Ausgangspunkt «Höll». Wie die Reiseleiterin schmunzelnd erläuterte, ist damit jenes ehemalige alte Fischerlokal unterhalb der Stadtkirche gemeint, dessen herausragende Besonderheit es war, dass in seinem Inneren nur sehr zurückhaltende Lichtverhältnisse herrschten. Von einer ähnlich geheimnis-umwitterten, spannungsgeladenen Stimmung bewegt, liess sich die Pilgerschar gleichsam himmelwärts inspirieren zu einem Gang an die strahlende Frühlingssonne hinaus.

Erstes Zwischenziel war St. Katharinental, wo man sich in der Klosterkirche zu einer Andacht sammelte. Thema waren die Kräfte des Schöpfers, «die wir mit allen Sinnen wahrnehmen». Die Empfindungen der Teilnehmer mündeten ein in ein Gebet: «Meinen Gedanken lasse ich Raum, um zu ergründen, was mich heute, in diesem Moment bewegt. Ich lasse zu, was kommt, und höre in mir, was sie mir sagen wollen. Mit dir, Gott, geh ich meinen Weg, mit dir bin ich alles, was ich bin: Enge, Weite, Nähe, Licht und Dunkel – alles, mein Gott und Schöpfer, führt mich zu dir hin.“
Des Schöpfers Kraft in der Natur

Weiter ging es den Rhein entlang Richtung Schaarenwald und Schaarenwiese. Unterwegs wurde am Ufer eine Pause eingelegt, und die Pilgerinnen und Pilger suchten einen Kieselstein ihrer Wahl, den sie an sich nahmen. Dieser Stein könne rauh oder glatt, rund oder kantig sein und damit den eigenen Charakter und Lebensweg treffend abbilden, von tiefsten Abgründen der Seele bis hin zu geisterfüllten Höhenflügen und Glückserfahrungen, erläuterte Brigitta Lampert. Ihre meditativen Überlegungen fasste sie in folgendem Gebet zusammen: «Du schufst unsere ausgesuchten Steine. Auch sie zeigen uns die unterschiedlichsten Daseinsformen in ihrer Beschaffenheit in Grösse, Gewicht, Form und Farbe. Was bedeuten sie in unseren Händen? Wärme? Kälte? Halt? Schmerz? Last? Wir legen sie in deine Hände, Gott, Ewiger, Liebender, Barmherziger. Dir vertrauen wir unsere eigenen Themen an.»

Schweigemarsch

Was nun folgte, war der wohl eindrucksvollste Abschnitt dieses Nachmittags: Ein dreiviertelstündiger Marsch des Schweigens. Jeder und jede war eingela-den, umgeben vom leisen Rauschen des Rheins und beschwingten Singen der Vögel, eigene Empfindungen und Gebete mit Hoffnung und Lebenskraft zu verbinden – und innerlich immer weiter und wirksamer zu entfalten. Eine Andacht mitten unter Bäumen rundete diese stille Zeit ab. Unter einem aus Ästen gebauten Holzkreuz legte jeder Teilnehmer seinen Stein nieder. Auf diese sinnenfällige Weise wurde deutlich, dass die ganze Bandbreite des Lebens – also Dank und Sorge, Trauer und Freude, Anspannung und Entspannung – in Gottes Sohn und seinem Kreuz die erlösende Mitte und Zusammenfassung findet.

Klosterkirche Paradies

In der Gewissheit, dass Gott aufmerksam zuhört und mitgeht, bewegte sich die muntere Diessenhofer Pilgerschar weiter am linken Rheinufer abwärts, bis das Ziel der Wanderung erreicht war: Die Klosterkirche Paradies. Dort wurde ein abschliessendes Segensgebet gesprochen: «Gott segne dir den Weg, den du nun gehst. Gott segne dir das Ziel, für das du lebst. Sein Segen sei ein Licht um dich her und innen in deinem Herzen. Aus deinen Augen strahle sein Licht wie zwei Kerzen in den Fenstern eines Hauses, das dem Wanderer Schutz bietet in der stürmischen Nacht. Wen immer du triffst, wenn du über die Strasse gehst – ein freundlicher Blick von ihm möge dich treffen. Gott schütze dich! Geh in seinem Frieden! Amen.»

Von mutmachenden und lebensdienlichen Eindrücken erfüllt, klang dieser denkwürdige Nachmittag bei einer geselligen Tasse Kaffee im Gasthaus Paradies aus, das gerade am Vortag wieder seine Pforten eröffnet hatte.

Junge Talente fördern und fordern

Thomas Alder, Fachstelle Jugendarbeit, Evangelische Landeskirche des Kantons Thurgau

Zum zweiten Mal nach 2020 verleiht die Evangelische Landeskirche Thurgau dieses Jahr einen Impulspreis für engagierte Jugendarbeit in den Kirchgemeinden. Der kreative Jugendgottesdienst «Youth Church» der Region Diessenhofen holt sich den zweiten Platz.

Was als wenig motivierender Jugendgottesdienst im Stuhlkreis begann, ist heute ein generationenübergreifender Anlass in der Stadtkirche Diessenhofen, der von rund 100 Personen besucht wird. «Wegen der Beschränkung der Anzahl Personen finden aktuell zwei Jugendgottesdienste hintereinander statt», sagt Jael Mascherin, Präsidentin der Evangelischen Kirchgemeinde Diessenhofen und Ressortleiterin von Kirche, Kind und Jugend. Und die Anzahl der Besucherinnen und Besucher werde im Moment voll ausgereizt, fügt Mascherin zufrieden an.

Auch bei Auswärtigen beliebt

Dass die acht Mal im Jahr stattfindenden Jugendgottesdienste sogar bei Auswärtigen sehr beliebt seien, habe mit der Vielfalt des Anlasses zu tun. Nebst den liturgischen Elementen wie Gebet oder Predigt gibt es etwa Musik von einer Band, Tanz und Theater. Möglich machen dies die verschiedenen Arbeitsfelder, für die sich die Siebt-, Acht- und Neuntklässler engagieren können. Dabei können sich die Jugendlichen entsprechend ihren Talenten für Dekoration, Technik, Moderation, Theater, Band, Verpflegung und Werbung einbringen. Einzig das Arbeitsfeld Chor konnte laut Mascherin bisher leider nicht umgesetzt werden.

Mut zur Selbstpräsentation

Die Gesamtleiterin und Jugendarbeiterin Karin Schmid schreibt für jeden der acht Jugendgottesdienste ein neues, schülergerechtes Theaterstück, das von den Jugendlichen vorbereitet und geprobt wird. «Die grosse Herausforderung dabei ist, dass sich die Jugendlichen getrauen, sich im öffentlichen Raum zu präsentieren», sagt Mascherin. Entsprechend schön sei es zu sehen, wie die Jugendlichen sich in dieser Zeit entwickeln und Selbstvertrauen gewinnen. Ein weiteres Ziel sei es, die Jugendlichen aus Diessenhofen und Basadingen-Schlattingen-Willisdorf sowie Schlatt dazu zu ermuntern, sich nach der Konfirmation als Gruppenleiter zur Verfügung zu stellen. Mascherin sagt dazu: «Wir wollen die Jugendlichen fördern und fordern.» Dass die Evangelische Kirchgemeinde Diessenhofen mit diesem Projekt nicht nur Jugendliche, sondern auch deren Eltern und Grosseltern begeistern kann, freut Mascherin umso mehr. Es sei eine ermutigende und kreative Art für die Jugendlichen, Gemeinschaft zu erleben, Gott zu feiern und eigene Talente zu entdecken.

Weitere Informationen unter: www.evang-tg.ch/impulspreis

Musik über die Ostertage

Die Gottesdienste in der Stadtkirche Diessenhofen sind mit viel Musik ausgestaltet: im Abendgottesdienst am Gründonnerstag um 19.00 Uhr mit meditativen Klavierimprovisationen von Annedore Neufeld, an Karfreitag um 9.45 Uhr ist Jenny Joelson an der Bratsche zu hören und an Ostern um 9.45 Uhr mit Saskia Quené, Sopran. Herzlich willkommen. Wir freuen uns auf Sie.