Lange Nacht der Kirchen in Diessenhofen

Ein Abend voller Licht, Klang und lebendiger Geschichten

Am Freitag 23. Mai öffnete die Stadtkirche ihre Türen zur diesjährigen „Langen Nacht der Kirchen“, die an diesem Datum an sehr vielen Orten in der Schweiz, Österreich und Deutschland stattfand. Es war ein Diessenhofer Abend, der über Stunden hinweg ein tief bewegendes Zusammenspiel aus Theater, Kunst und Musik mit geistlichen Anregungen bot. Ab 20.30 Uhr verwandelte sich das ehrwürdige Gotteshaus in einen Raum voller Licht, Leben und Begegnung.

Im Zentrum des ersten Programmpunkts stand der Apostel Petrus – dargestellt in einem eindrucksvollen Schüler-Theater, das unter der Leitung von Diakonin Karin Schmid-Müller erarbeitet worden war. Die Darbietung griff die Lebensgeschichte und Berufung des Petrus auf und wurde durch lebendige Sprache und starke Rollen geprägt, die die Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 und 6 mit grosser Ausdruckskraft auf die Bühne brachten.

In besonderem Bezug stand das Theater zum leuchtend blauen Altarfenster im Chorraum der Stadtkirche. Es stammt von dem Bündner Künstler Gian Casty (1914 – 1979) und stellt den Apostel Petrus mit einem Netz dar – sinnbildlich für seine Berufung, Menschen für den Glauben an Jesus Christus zu gewinnen. Hansueli Ruch machte in einem begleitenden Vortrag auf diese Darstellung aufmerksam. Er schuf damit eine lebendige Brücke zwischen Kunstwerk, Geschichte und gelebtem Glauben.

Kunstwerke der Schülerinnen und Schüler

Alsdann traten die Kinder der 1. bis 6. Klasse als Künstlerinnen und Künstler in Erscheinung: Im Religionsunterricht hatten sie eigene Kirchenfenster gemalt und gestaltet – bunte Bilder, die in Form und Farbe erstrahlten, eingebettet in schwarzes Pergamentpapier in Fensterform. Eine fachkundige Jury unter Leitung von Tanja Schum prämierte die gelungensten Werke: aus jeder Klasse wurde ein Sieger oder eine Siegerin mit einem Kinogutschein ausgezeichnet. Aber auch alle anderen, die mitgemacht hatten, erhielten ein kleines Umhängekreuz aus Olivenbaum-Holz als Anerkennung für ihre Kreativität und ihren Einsatz.

Die leuchtenden Fensterbilder der Schüler waren in zwei langen Reihen an einem filigranen Holzgestell befestigt, das in sorgfältiger Handarbeit von Thomas Lüders und Jael Mascherin gebaut worden war. Ein feines Hintergrundlicht liess diese Kunstwerke in geheimnisvollem Glanz erstrahlen. Nach diesem bewegenden ersten Teil der Veranstaltung wurden die zahlreichen Gäste – darunter viele Eltern und Grosseltern – auf dem Vorplatz der Kirche mit einem kräftigen Apéro mit Wurst und Brot empfangen. In geradezu sommerlicher Atmosphäre entwickelten sich gute Gespräche.

Meditativer Klangraum

Um 22.00 Uhr öffnete sich erneut das Kirchenschiff für den zweiten Teil, der ganz im Zeichen von Musik und Wort stand. Annedore Neufeld verzauberte das Publikum mit meditativen Klängen auf Orgel und Klavier – leise, virtuos und einfühlsam. Pfarrer Gottfried Spieth las dazu Weisheitstexte aus dem Alten und Neuen Testament sowie ausgewählte Frühlingsgedichte von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich von Hardenberg (genannt Novalis), Eduard Mörike und Ludwig Uhland. So entstand ein Klangraum der Besinnung, der die Gäste bis gegen 23.00 Uhr in eine tiefe, friedliche Atmosphäre eintauchen liess.

Die „Lange Nacht der Kirchen“ in Diessenhofen war ein rundum gelungener Abend, der Glaube, Kunst und Gemeinschaft auf eindrucksvolle Weise miteinander verband – getragen von der Begeisterung vieler Beteiligter und dem offenen Geist eines besonderen Ortes.