Johann Sebastian Bach in Diessenhofen geehrt

Gedenkgottesdienst in der Stadtkirche

Am 21. März jährte sich zum 336. Mal der Geburtstag des legendären Leipziger Thomaskantors Johann Sebastian Bach (1685-1750). In Erinnerung an dieses prominente Geburtstagskind gestaltete die reformierte Kirchgemeinde Diessenhofen am vergangenen Sonntag einen Abendgottesdienst. Organistin Annedore Neufeld hatte mit Dorothee Mühleisen (Violine) und Saskia Quené (Sopran) zwei Mit-Musikerinnen aufgeboten, die das Bach´sche Klangideal einfühlsam und virtuos entfalteten. Sieben Sätze aus drei Sonaten für Violine und Basso Continuo (G-Dur, A-Dur, H-Moll) ertönten sowie die Arie für Sopran und Violine „Bereite dir, Jesu, noch itzo die Bahn“ aus der Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben“. Singstimmen, Streichinstrument und Orgel verschmolzen zu einem Hörerlebnis der besonderen Art. Die melodische Vielfalt gipfelte in einem majestätischen Zusammenklang. Ein Lichtschimmer wie aus einer anderen Welt legte sich segnend überhörende Gemeinde. Die teils im Sologesang, teils im Duett dargebotenen Bach-Choräle „Jesu meine Freude“, „Allein Gott in der Höhe“ und „Befiehl du deine Wege“ wirkten wie eine musikalische Predigt des „fünften Evangelisten“, als der Johann Sebastian Bach – zusätzlich zu den vier Evangelisten der Bibel – bezeichnet wird.

Lichtschimmer aus der höheren Welt

Im Wortteil des Gottesdienstes nahm Laienpredigerin Brigitta Lampert den Blickwinkel von Anna Magdalena Bach ein, der zweiten Ehefrau des Thomaskantors. In dieser Rolle schilderte sie Einzelheiten aus Johann Sebastians Leben: „Er liebte stets eine Erzählung, über die man lachen konnte, und schätzte den Kaffee sowie ein gutes Bier und seine Pfeife voll Tabak. Er liebte all die spasshaften Gesänge, die er für die Kleinen zurechtzumachen pflegte, wenn er sie auf seinen Knien reiten liess. Es waren Gesänge mit so ansteckenden Melodien, dass bald die ganze Kinderschar sie im Haus herumbrummelte.“ So fröhlich es im Hause Bach auch zugegangen sei, äusserte Brigitta Lampert alias Anna Magdalena Bach augenzwinkernd, so habe der Thomaskantor sein Hauptaugenmerk letztlich doch auf eine höhere Ebene gerichtet. „Er sass wohl näher an diesem Quell und Ursprung als irgendein anderer sterblicher Mensch“, urteilte sie. Das verschlage uns den Atem und versetze uns in tiefe Ehrfurcht. Denn „es stimmen ja wirklich alle Heiligen mit ein in diese glorreiche und erhabene Musik. Alle, die sie hören mit offenen Herzen und Ohren, lässt sie in einem Zustande des Wunders und einer heiligen Scheu zurück, weil ihnen dabei die Geisteskraft in Sebastians Seele so überwältigend vor das Gemüte tritt.“

„Nicht Bach, sondern Meer sollte er heissen“

In seiner Predigt führte Pfarrer Gottfried Spieth aus, Bachs Musik beinhalte neben dem barocken Wohlgefühl auch eine tragische Seite, die vor allem in der Matthäuspassion zur Geltung komme. Hier habe der Thomaskantor es geschafft, die Abgründe menschlichen Daseins in einem markanten tonmalerischen Ausdruck abzubilden, der Signale der Hoffnung aussende. Diese melancholisch schöne Musik begleite uns in der Passionszeit, in der wir mit Jesus unterwegs seien zum Hügel Golgatha. Dieser Kreuzweg verlaufe zwar auf krummen Linien, immer wieder unterbrochen durch schräge Klänge und abstürzende Melodien. „Aber unter dem Kreuz angekommen, geht es aufwärts. Wir erfahren innere Heilung und gelangen zu jener sanften Ruhe, die der Schlusschoral der Matthäuspassion verheisst.“ In ein Zitat von Ludwig van Beethoven über seinen Musikerkollegen Johann Sebastian Bach mündete dieser eindrucksvolle Diessenhofer Abendgottesdienst aus: „Nicht Bach, sondern Meer sollte er heissen wegen seines unendlichen, unerschöpflichen Reichtums an Tonkombinationen und Harmonien.“

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